MELVINS, 05.12.2009, Manufaktur, Schorndorf

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Fotos: Steffen Schmid

Die  Melvins spielen im dritten Jahr in Folge in der Manufaktur, und wie von hier aus auch schon berichtet wurde, dieses Mal auf eigenen Wunsch der Band. Angekündigt auf der Hompage des Clubs als „weltbeste Metal-Band“, und nicht wenige teilen diese Meinung. Dass die Amerikaner allerdings nicht arm sind an schlechten Kritiken, zeigen, die in dem Buch „Neither Here Nor There“ über die Jahre gesammelten Verrisse. Auszüge: „The massive outro feedback isn’t funny“, „This is a real shitty way to start an album“, „To be honest, this record kind of pisses me off“, „The way I see it, The Melvins owe me 14 Dollars“, „I can’t understand why Kurt Cobain ever liked them“.

Und es gibt noch viel mehr wo diese Tiefschläge herkommen. Für diejenigen, die es nicht wussten, zwischen Cobain und den Melvins bestand schon früh eine Verbindung. Aus derselben Gegend stammend, war er  als Roadie für die Band tätig und gab später als erklärtes Ziel an, ungefähr so berühmt werden zu wollen wie die Melvins es damals (in den 80ern) waren. Auf dem Erfolgsalbum Houdini war Cobain dann auch musikalisch beteiligt.

Wer heute dabei war, kann es ganz gut nachvollziehen, dass die Melvins auch von anderen Musikergrößen wie Mike Patton hoch angesehen werden, der ihren Output schon seit Jahren auf seinem Label veröffentlicht.

Wie schon in den Jahren zuvor ist Porn der Support-Act, der Übergang zur Hauptband ist wieder fast fließend, denn Brachial-Drummer Dale Crover (hat zeitweise auch bei Nirvana getrommelt) ist in beiden Bands tätig. Buzz und Dale fangen als Duo an zu rocken, Buzz zur Abwechslung mal nicht mit der Les Paul sondern via Alu-Gitarre; DIE Stammmannschaft der Melvins, praktisch The Melvins Naked. Es werden kurz und zackig mehrere Hits wie „It’s Shoved“ rausgehauen, und ich denke noch, dass das jetzt so weitergeht, nur Gitarre, Gesang und Schlagzeug, hätte auch funktioniert. Denn wenn die Band für etwas bekannt ist, dann für Überraschungen, also ungewöhnliche Veröffentlichungen (z.B. 12 Singles im Jahr), warum also nicht mal ein völlig anderer Auftritt?

Dann kommt aber schon der Rest der Band, die derzeit immer noch aus einem zweiten Braichal-Drummer und einem Bassisten besteht. Die beiden sind eigentlich wieder eine andere Band namens Big Business. Zu viert geht es dann temporeich weiter, zwischendurch kommt noch eine Nummer ziemlich bluesy daher, der Name fehlt mir allderdings, bei einer schier unüberschauberen Veröffentlichungsflut der Band hoffentlich verständlich. Es kommt jedenfalls vom letzten Studioalbum „Nude with Boots“ das Stück „Billy The Fish“, von der aktuellen Veröffentlichung der Band wird nichts gespielt – logisch – handelt es sich doch um ein Remix-Album, auf dem sogar der Deutsche Exzentriker Panacea Hand anlegen durfte . Wie diese Zusammenarbeit zustande kam würde mich ja schon interessieren. Zu Deutschland haben die Melvins, was das Artwork angeht, jedenfalls schon lange einen Bezug, zieren doch Singles, Picture-Disks, Schriftzüge und wie heute Abend T-Shirts am Merch, gerne  Symbole aus dem Dritten Reich. Schmoudi und ich waren uns sofort einig, dass dieses angebotene Shirt in Deutschland keinesfalls außerhalb der eigenen 4 Wände getragen werden könne, und auch da nur Inside out. Trotzdem hat es sich gar nicht so schlecht verkauft. Die Melvins sind jedenfalls von „rechts“ so weit weg wie vom Mainstream. Das ist Melvins-Humor.

Besonders schön fand ich dann noch, wie der sonst wortkarge Buzz noch richtig ins Plaudern kommt (ca. 4 Sätze), weniger erbaulich war der Anblick des ziemlich in die Breite gehenden Dale bei der Vorstellungsrunde im knappen Rock zu sehen. Rock im Sinne von Stoff.

Kaum glauben kann ich dann noch, dass neben zwei Krachern aus den neueren Studio-Alben tatsächlich „Hooch“ von der „Houdini“ kommt, die heavieste Nummer überhaupt, und ich meine jetzt nicht was den Melvins-Katalog angeht, sondern insgesamt: ein Monster von einem Lied.  Als dann noch „Night Goat“ und „The Bit“ kommen, ist endgültig klar, dass sich die Melvins  geöffnet haben, und eingängigere Nummern aus den Zeiten, als sie beim großen Label Atlanic unter Vertrag waren wieder gespielt werden. Traumhaft, das hatten sie die Jahre davor nicht gemacht, da ging es noch deutlich sperriger zu.

Die Meinungsführer waren sich nach dem Konzert einig: Es war das beste Melvins-Konzert ever, bis sie nächsten Winter wieder nach Schorndorf kommen, und es noch besser machen.

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Fotos: Steffen Schmid

Natürlich gibt es noch mehr Fotos von Melvins und Porn.

4 Gedanken zu „MELVINS, 05.12.2009, Manufaktur, Schorndorf

  • 7. Dezember 2009 um 08:40
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    Melvins rule and Buzzo is the king! Hoffentlich bald wieder in Schorndorf, da ich dieses Mal krankheitsbedingt ausgefallen bin und mich leider nur mit Lesen dieses Berichts begnügen muss. Sauber abgeliefert, Toxic, nur Recht(s)fertigung für die Reichsadler-Shirts (lt. Nachbar Tobi) war etwas überflüssig.

  • 7. Dezember 2009 um 13:19
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    danke für die fotos! auch der auftritt in münchen 1 tag zuvor war grandios (OVEN!), buzz ebenso redselig (hat sich u.a. nach einem texthänger mit einem kleinen liedchen entschuldigt).

  • 8. Dezember 2009 um 21:01
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    Hallo, sehr schöne Kritik….

    Ich war auch bei dem Konzert in München. des war ebenfalls der Hammer, wie hnswrst schon sagt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass des bluesig getränkte lied, „Suicide in progress“ is, in München ham sie des zumindest gespielt. Mich hat noch sehr gefreut, dass sie „With Teeth“ gespielt haben. Das wars auch schon wieder. ciaoi

  • 8. Dezember 2009 um 23:54
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    An Pooredward: „With Teeth“ kam in Schorndorf auch, ich sollte mal wieder die Lysol anhören…
    Danke.

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