gig-blog.net http://www.gig-blog.net Konzerte und Zeugs Tue, 21 May 2013 18:13:09 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.5.1 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart http://www.gig-blog.net/2013/05/21/orchid-free-fall-troubled-horse-white-daze-17-05-2013-universum-stuttgart/ http://www.gig-blog.net/2013/05/21/orchid-free-fall-troubled-horse-white-daze-17-05-2013-universum-stuttgart/#comments Tue, 21 May 2013 18:03:13 +0000 Claus Kullak http://www.gig-blog.net/?p=20588 comp orchid 10 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart
Foto: Sue Real

Rob Zombie hat mal gesagt, dass jedes coole Riff schon mal bei Black Sabbath vorgekommen ist. Man könne es, so fährt er fort, vorwärts oder rückwärts, langsamer oder schneller spielen, aber jedes coole Riff hätten die Briten eben schon vorweggenommen. Der stilistische Stilmix der Bands, die heute im Universum auftreten lädt da quasi zur Probe aufs Exempel ein.

comp orchid 6 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Der erste Proband ist White Daze, unsere lokalen Blues Rock-Heroen. Ihr Auftritt ist gewohnt souverän wie bei ihrem Platten-Release oder dem Auftritt mit Graveyard im Jahr davor.

Machen wir also den Test anhand von „Nine Times out of Ten“, dem Abschlussstück dieses Sets, das vom Publikum sehr gut aufgenommen wurde, obwohl die Band für einen Freitag etwas früh am Start ist. Den Aufruf von Robby, Veranstalter des Konzertes und White Daze-Label-Chef, für die Band pünktlich vor Ort zu sein, haben dann doch einige befolgt. Aber hier in Stuttgart hat sich auch schon rumgesprochen, was man von den Jungs erwarten kann. „Nine Times out of Ten“ stammt von deren bisher einzigem Tonträger „Preflight“. Gleich vorneweg kann man sagen, dass da noch mehr kommen wird, denn das Material für das Full length-Album wird demnächst aufgenommen, wie mir Frontmann Marc Bauer erklärt.

Heute beginnt die Nummer mit einer abgedrehten Piano-Improvisation von Marcs Bruder Nico, bevor dieser zu den eerie Organ-Sounds übergeht, welche den Song tragen. Das Stück beginnt etwas schleppend, steigert aber nach der ersten Strophe das Tempo. Nicht nur bietet es mit seiner griffigen Hookline Gelegenheit zum Mitsingen. Die Brüder fegen sich auch spannende und vor allem sehr schnelle Lead-Melodien zwischen Gitarre und Keys hin und her. Der Aufbau des Stücks besteht aus vielen Teilen, die sich beim ersten Mal gar nicht wirklich erfassen lassen. Seien es die Doors-mäßigen Hammond-Sounds gegen Ende oder die Rainbow-mäßigen Läufe am Schluss. Live zeigen sich die Musiker hier wie gegenüber allem bislang veröffentlichten Material noch um ein Wesentliches spielfreudiger und beschenken uns noch mit dem einen oder anderen Lick. Am Ende des Sets hat man den Eindruck, dass sich so mancher Musiker gegenüber dem, was White Daze hier so vormachen, nochmal in den Proberaum zurückziehen sollte, bevor er mithalten kann.

Was jetzt den Black Sabbath-Riff-Test angeht, muss ich feststellen: Einerseits spielen Riffs hier ohnehin eine untergeordnete Rolle, weil sie nur eingesetzt werden, wenn ein anderes Instrument im Vordergrund steht. Andererseits sind die Riffs anders als die Leads zwar zurückhaltend, aber deswegen in der Regel nicht weniger cool, ohne deswegen irgendwie nach Black Sabbath zu klingen. Fehlanzeige also.

comp troubled horse 6 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Probieren wir es stattdessen mit den Schweden Troubled Horse als zweiten Probanden. Sie treten heute als würdiger Ersatz für die eigentlichen Headliner Witchcraft auf, die wegen gesundheitlicher Probleme von ihren Tour-Plänen zurücktreten mussten – oder jedenfalls teilweise, weil praktisch das ganze Line Up des Örebro-Fünfers aus aktuellen oder ehemaligen Witchcraft-Musikern besteht – mit Ausnahme des Sängers Martin Heppich. Die Jungs liefern wirklich ein Hammer-Set ab und bilden einen würdigen Ersatz für Witchcraft, auch wenn es wirklich Zeit wird, dass die mal wieder nach Stuttgart kommen!

Ein bisschen Witchcraft hört man freilich schon heraus, was daran liegt, dass John Hoyles, Ola Henriksson und dessen Bruder Jens beim Song Writing kräftig mitmischen, auch wenn John die Band unterdessen leider verlassen hat. Dementsprechend findet man hier auch eine Menge Pentagram-Einflüsse.

Hier nehmen wir mal zwei Songs in den Test: Ein eindrucksvoller neuer Song ist „I’ve Been Loosing“, den Martin mit den Worten ankündigt, er habe den Text dafür vor zehn Jahren geschrieben, als er dachte, er habe jetzt genug verloren, ohne freilich gewusst zu haben, dass er noch weit mehr verlieren würde. Zwei Sachen sind entscheidend anders als auf Platte: Einerseits müssen wir auf die abgedrehten Keyboards verzichten, andererseits ist dieses wie auch die anderen Stücke von der neuen Platte live wesentlich rockiger, weil der Sound um ein so Vielfaches voller, heavier ist und vor allem die Stimme wesentlich tiefer. Auch wenn hier immer mal wieder ein paar Kopfstimmentöne eingeflochten werden, ist Martin wesentlich kratziger, rockiger. Das tut der Sache gut und macht Druck nach vorne. So viel verlieren kann er heute freilich nicht, denn das Publikum ist echt begeistert. Troubled Horse wirken auch auf mich – ganz besonders bei einem mir nicht identifizierbaren Stück, in welchem Simon Solomon ein herrlich Jimi Hendrix-mäßiges Solo hinlegt, den Ball dann an den anderen Gitarristen weitergibt. Beide spielen äußerst kunstvoll, beide in völlig unterschiedlichem Stil, bei beiden sind es zarte, gefühlvolle Melodien. Dann steigert sich die Intensität der Rhythmusgruppe und wir bekommen noch ein volles Duett der Gitarren dazu.

Etwas Entscheidendes freilich haben Troubled Horse eingebüßt: Als ich sie vor einigen Jahren zum ersten Mal auf dem Roadburn sah, trat Martin noch in einem witzigen roten Hauskleid auf. Schade. Jetzt sehen wir ihn – noch etwas draller geworden – nur noch im schwarzen Hemd mit einer Art Polizeimütze und verstrubbeltem Bart.

Was jetzt den Black Sabbath-Riff-Test angeht, muss ich feststellen: Riffs spielen bei diesen rockigen Nummer eine sehr große Rolle, aber sie klingen bestenfalls gelegentlich nach Black Sabbath, am ehesten noch nach Pentagram, die ihrerseits sicherlich nicht gänzlich frei sind von Sabbath-Einflüssen, aber wie auch Troubled Horse durchaus in der Lage sind, sehr coole eigene Riffs zu schreiben. Weitgehend Fehlanzeige also.

comp free fall 8 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Als dritter Proband treten Free Fall an, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, wie sie hier ins Bild passen sollen. Denn anders als bei den drei anderen Bands treten hier die bluesigen Einflüsse zu Gunsten von späten 70ern und 80ern deutlich in den Hintergrund. Und diesen Einflüssen sind sie bis in die Oberlippenbärte verwurzelt. Jetzt wird reiner Hard Rock gespielt, mal schneller, sodass das Publikum kräftig mitgeht, mal langsamer in klassischer Balladenmanier. Auch Free Fall sind aus Schweden. Und wie Witchcraft und Orchid sind sie bei Nuclear Blast, was sie vermutlich in dieses Package gebracht hat.

Der Raum ist inzwischen subtropisch warm und feucht. Kim Fransson schwitzt so viel, wie er seine rauchige hohe Rock Stimme erklingen lässt. Stücke wie „World Domination“ (Testsong I) zeigen wo’s lang geht. Und während die Hookline „I want world domination“ stetig wiederholt wird, singen viele mit, inklusive Martin Heppich, der sich ins Publikum gesellt hat. Manch einer spielt Luftgitarre, während oben auf der Bühne Jan Martens Basshals beim Spielen vor und zurück geschwenkt wird, als wären wir hier auf einem Scorpions-Konzert. Klar, dass Mattias Bärjeds Gitarre da auch mal wie ein Gewehr ins Publikum gehalten wird. Ein bisschen viel Klischee für meinen Geschmack, aber den Leuten gefällt’s, und es ist allemal besser als die ja durchaus hoch gelobten Kissin’ Dynamite aus Oberschwaben.

Als das beste Stück empfand ich eigentlich die Ballade „Attila“ (Testsong II). Hier finden sich innerhalb des Sets noch am ehesten ein paar von den melodiösen und rhythmischen musikalischen Trade Marks, die man heute hier erwartet. Ganz leise fängt es an, fast zart setzt er da seine Rockröhre ein, rauchig, die Gitarren sind ruhig, spielen auch mal eine etwas melancholischere Melodie, schließlich schwillt auch hier langsam die Rhythumsgruppe an. „But it’s over now“, singt er dann, während zugleich mehr Crunch in die Gitarren und in seine Stimme kommt. So steigert sich das Stück fortwährend, was gar nicht schlecht gemacht ist, einen aber seltsam unberührt lässt. Ist wohl einfach nicht meins. Sue Real dagegen fühlt sich von Free Fall angesprochen. Zwischen den 80er-mäßigen Soli kann man dann schon noch mal ein paar minimal bluesigere Elemente raus hören, die aber auch schnell wieder verschwunden sind.

Was jetzt den Black Sabbath-Riff-Test angeht, muss ich feststellen: Ich höre kein cooles Riff, weder eines das nach Sabbath klingt, noch sonst eins. Naja, ganz so schlimm ist es auch nicht. Dennoch: Fehlanzeige.

comp orchid 1 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Last, but definitely not least stellen sich Orchid aus San Francisco dem Test. Als erstes muss gesagt werden, dass wirklich jeder hier drin die Band sehen will, denn es wird wirklich so voll vorne, dass Sue Real kaum noch eine Chance hat, seinen Job zu machen. Als zweites muss gesagt werden, dass hier mal wieder das Amerikanische-Profimusiker-Phänomen eintritt: Alles ist perfekt, der Sound, das Zusammenspiel, das Timing. Orchid ersetzen den dezenten DIY-Charm von Troubled Horse durch messerschafte Professionalität im Auftritt. Das hat viel für sich, könnte aber einer der zwei Aspekte sein, die bei mir am Ende doch ein etwas unbefriedigendes Gefühl zurück lassen, dass ich trotzdem nicht ganz erklären kann: Der Mob tobt nämlich, und auch ich finde den Okkult Rock mit der Hammer-Stimme richtig fett.

Der dicke Sound knallt gleich ziemlich rein, auch wenn die Akustik im Uni ja immer etwas fragwürdig ist, falls man zu weit hinten steht. Das Einzige, was bei mir, hier fast ganz vorne, noch stören kann, ist die menschliche Schallschutzwand: Nach dem ersten Song schreit einer „Lauter!“ und dann: „Wie früher.“ Gelächter. Doch schon setzt unser erster Testsong „Eyes Behind The Wall“ ein. Die Leute erkennen es schon am ersten Ton, sodass sofort Jubel einsetzt. Klar, der Song ist griffig, bleibt sofort im Ohr hängen. Er kann – wie auch so ziemlich jeder andere – als programmatisch herangezogen werden. Die erdigen Gitarren schleppen sich rhythmisch und heavy, sind angereichert mit netten kleinen Einfällen, mal ein gut gesetztes Vibrato, mal ein nettes Lick. Alles grooved. Breaks und Tempowechsel halten den Hörer gebannt. Und Theo Mindells hohe, warme Stimme liegt gepresst darüber. Dass sie hier nicht das Volumen gewinnen kann, das sie auf der Platte bekommt, weil dort jede Zeile mehrfach aufgezeichnet und parallel abgemischt ist, fällt nicht auf. Zu dicht ist das alles.

Das Stück dringt immer wieder aus dem Down- in den Uptempo-Bereich vor, die Gitarren-Leads von Mark Thomas Baker – heute ganz in schwarz – schrillen in hohen Lagen und schwanken zwischen ultra-langsamen und schnellen, psychedelischen Passagen. All das schiebt das Publikum an, das sich nicht lange bitten lässt. In den gesangfreien Momenten macht Theo – durch dessen offenes Lederhemd man ein seltsames Tattoo von einer Tierfratze mit einem Auge als Mund sieht – auch vor, wie das geht: Haare schütteln und dazu Luftgitarre oder noch häufiger -drums. Das schönste Riff hat dann natürlich „Eastern Woman“, der (Test-)Song, welcher die Band seit dem ersten Hören 2009 in mein Gehirn gebrannt hat – und nach dem Umstand zu urteilen, dass die Meute schon wiederholt nach dem Stück geschrien hat, geht das nicht nur mir so. Aber auch die Stimme ist einfach der Wahn. Könnte es geiler sein?

Was jetzt den Black Sabbath-Riff-Test angeht, muss ich feststellen: Nun ja, um ehrlich zu sein, es könnte geiler sein. Also geiler im Sinne von mehr Nummern wie „Eastern Woman“, Nummern mit eigenen coolen Riffs. Denn ansonsten gilt nun leider einmal, dass Orchid jedes coole Riff von Black Sabbath nehmen und es vorwärts oder rückwärts, langsamer oder schneller spielen und damit wahnsinnig cool klingen. Aber eben nur wegen der Mannen um Tony Iommi, der sich das alles schließlich teilweise schon vor vierzig Jahren mal ausgedacht hat. Und so perfekt und cool, wie das alles bei Orchid dann klingt, hinterlässt das eben doch einen schalen Geschmack.

Fazit also: Die coolsten Riffs haben zwar Black Sabbath, doch deswegen sind Orchid nicht weniger sehens- und hörenswert. Den überzeugendsten Auftritt aber hatten heute Troubled Horse.

comp free fall 9 ORCHID, FREE FALL, TROUBLED HORSE, WHITE DAZE, 17.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Sue Real

Troubled Horse:

Free Fall:

Orchid:

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DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart http://www.gig-blog.net/2013/05/16/dagobert-14-05-2013-goldmarks-stuttgart/ http://www.gig-blog.net/2013/05/16/dagobert-14-05-2013-goldmarks-stuttgart/#comments Thu, 16 May 2013 12:18:09 +0000 bertramprimus http://www.gig-blog.net/?p=20569 20130515 dsc02981 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

„Dagobert – Schnulzensänger aus den Bergen“

Jetzt habe ich den Kopf so voll mit Feuilleton-Artikeln, mit der Expertendiskussion vor und nach dem Konzert über die Dagobert-Legende und deren Rezeption, mit der Authentizitätsdebatte, mit dem Hype über das Hipster-Schlager-Phänomen, dass sich mir die Frage stellt: Bitte wie soll ich da unbefangen über das Konzert schreiben? Da hatte es mir Rummelsnuff am vergangenen Freitag schon deutlich leichter gemacht.

Halten wir uns an die Fakten: Etwa 100 Leute im Alter von 30 bis 50 wollen Dagobert im Goldmarks sehen. Er steigt in den Abend ein mit dem SM-Verstörer

Ich lass das mit dem Zarten, ich hol Dich mit Gewalt

Der Schweizer trägt dazu einen mattglänzenden Lederanzug. Die Musik steuert er von einem daumengroßen mp-3-Player. Halbplayback. Allein. Was folgt, ist ein wunderlich-schönes, cool-romantisches Kitsch-Kunst-Konzert. Dagobert singt selbstverfasste Schnulzen, die er für verflossene oder nie gewordenen Lieben schreibt. So die Legende. Ich würde es Elektro-Chansons nennen.

Trostlos, alleine,
So dass ich sing wie Klaus Meine

Er liebt die Scorpions und die Flippers. So die Legende. Diese Legende wird in einem unterhaltsam-seltsamen Portrait via Youtube verbreitet. Er habe in einem Probenkeller einer Metal-Band gelebt, einen Musikpreis gewonnen und das Geld in Berlin verprasst, dann lebte er abgeschieden fünf Jahren in den Bergen in Panix, um danach mitohne Geld seine ersten Auftritte in Berlin zu feiern. Diese Story wird derzeit in den Feuilletons der SZ, Jetzt, SPON, DerFreitag, Tagesspiegel usw. rauf und runter nachgeschrieben.

20130515 dsc02921 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Stuttgart, habt Ihr auch so viel Spaß wie ich?

Dabei lächelt er nicht. Dann der Tremolo-Walzer „Hast Du Auch So Viel Spaß“.

Ich gebe mal den Stefan Niggemeier (Bildblog) für den Feuilleton: Liebe Kulturjournalisten. Dagoberts Geschichte ist hübsch, sie lässt sich trefflich nacherzählen. Dazu noch der ernsthafte Kitsch, angenehm ironiefrei und irgendwie authentisch, das scheint der neue Trend der Zehnerjahre zu werden. Mich irritiert allerdings, dass alle Eure Artikel diese Geschichte [weitestgehend] unreflektiert widergeben. Das muss wohl heißen: Ist die Geschichte gut genug, sind die kulturkritischen Geister eingelullt und hinterfragen nicht mehr die Mechanik der PR? Da gibt sich Dagobert so viel Mühe mit der Chiffrierung seiner Person und seiner Vita und keiner macht sich die Mühe, sie zu entschlüsseln? Vielleicht ist aber auch alles echt und es gibt nichts zu entdecken, kann ja auch sein. Aber wo bleibt denn der journalistische Ehrgeiz?

20130515 dsc02967 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Das alles tut jedenfalls der Schönheit der vorgetragenen Romantik keinen Abbruch. Man darf sich geistig zurücklehnen und genießen. Die blondierte Perlohrringträgerin vor mir knutscht mit ihrem Freund jedenfalls lauter als die PA, während ich direkt dahinter ober-uncool Notizen mache. Cooler dagegen ist SPEX in Coop mit Dagoberts Label Buback, die unter der Überschrift „Dear Dagobert“ Coverversionen online stellen. Eine wirklich besonders intensive Interpretation des Songs „Hast Du Auch So Viel Spaß“ kommt von Sizarr.

Zwischenzeitlich sing Dagobert seinen flippers-artigen Song mit echten Elektro-TomToms. Der Song hat es nicht aufs Album geschafft. Dabei fällt mir der sagenumwobene Satz der Mutter eines Freundes ein, die einen der drei Flippers besonders toll fand und vor Jahren aufs Konzert ging. Auf die Frage, ob sie eben jenen nach dem Konzert ansprechen wolle, bemerkte sie sehr treffend und sehr schwäbisch: Der hoat a Frau OND a Freindin, do stell i mi doch ned da noa!

20130515 dsc02928 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Zum Abschluss schmettert Dagobert seinen derzeitigen Hit „Ich Bin Zu Jung“. Der Saal sing gefühlt geschlossen mit. Über die Zugabe wird mit dem Publikum diskutiert, zuerst „Für Immer Blau“, dann zum Ende „Hochzeit“:

Du bist viel zu schön, um auszusterben
Lass deine Kinder deine Schönheit erben
Es muss weitergehn mit Menschen so wie du und so wie wir
Ich will ein Kind von dir

Ein wirklich schönes und angenehm ernstes Kitsch-Konzert!

20130515 dsc02944 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ich würde seine Musik gerne mal burt-bacharach-artig orchestriert erleben dürfen. Doch halt: Herzschmerzfrüherkenner Uwe Schenk hatte Dagobert schon lang vorm Hype im Januar 2012 in seiner TV-Povera-Show „Uwe Schenk Trifft“. Weise hatte Uwe Streicher geladen, Respekt! Hier anschauen.

Im anschließenden Interview (hier auf der Uwe-Schenk-Facebook-Seite) erzählte Dagobert u. a., dass er bald in einem Klaus-Lemke-Film sich selbst spielen wird. Allerdings mit der Fähigkeit, per Gedankenübertragung Frauen den Orgasmus ihres Lebens verpassen zu können. Immer in der Rolle bleiben, lieber Dagobert!

20130515 dsc02879 dagobert DAGOBERT, 14.05.2013, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid
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QUESTIONS & ANSWERS – der gig-blog-Fragenkatalog: Folge 70 mit DAGOBERT http://www.gig-blog.net/2013/05/12/questions-answers-der-gig-blog-fragenkatalog-folge-70-mit-dagobert/ http://www.gig-blog.net/2013/05/12/questions-answers-der-gig-blog-fragenkatalog-folge-70-mit-dagobert/#comments Sun, 12 May 2013 18:01:19 +0000 bertramprimus http://www.gig-blog.net/?p=20473 dagobert presse QUESTIONS & ANSWERS – der gig blog Fragenkatalog: Folge 70 mit DAGOBERT

Foto: Promo

Dagobert beglückt uns mit Liebesliedern. Der Schweizer, der – so die Legende – nach einer selbstgewählten Isolation in den Schweizer Bergen nun im Hinterzimmer eines kleinen Cafés in Berlin lebt, tourt derzeit durch Deutschland und präsentiert seine Elektro-Chansons mit einer angenehmen Ernsthaftigkeit . Die möchten wir uns gern am Dienstag, den 14. Mai im Goldmarks in Stuttgart anhören. Dagobert war so frei, uns bis dahin unsere Fragen zu beantworten.

Was war dein schönstes Konzert?
The Cramps, München, 2003.

Wo würdest du gerne mal spielen?
Auf dem Mond.

Was war dein schlimmstes Erlebnis im Studio?
Hab ich verdrängt.

Was für Musik würdest du machen, wenn es Elvis nicht gegeben hätte?
Wolfsgeheul.

Das Buch, das dich am meisten berührt hat, heisst…
Donald dreht durch (LTB 66).

Welchen Klingelton nutzt du?
Body Count’s in the house.

Das schönste Liebeslied heißt…
Hochzeit.

Welchen deutschsprachigen Schlager kannst du komplett mitsingen?
“Echte Frauen” von den Flippers.

Boxer oder Schlüpfer?
Schlüpfer.

Welchen Beatles-Song würdest du gerne anständig covern?
Keinen.

Welche Fernsehsendung ist unverzichtbar?
Jede mit David Hasselhoff.

Bitte erzähl uns deinen Lieblingswitz.
Was haben ein Eichhörnchen und ein Gartenschlauch gemein? Beide sind aus Gummi. Außer das Eichhörnchen.

Beschreibe das perfekte Bühnenoutfit.
Nosferatu meets Darth Vader.

Was ist deine Lieblings-Süßigkeit?
Erdbeermund.

Was wäre aus dir geworden, wenn es nicht zum Musiker gereicht hätte?
Guru in Afrika.

In welcher Band (außer deiner eigenen) würdest du gerne mitspielen?
Schlagzeuger bei den Scorpions.

Was ist dein Lieblingsmusikinstrument?
Das Stimmband.

Das größte musikalische Genie (lebend oder tot)?
Hank Williams.

Die schönste Frau im Showgeschäft?
Immer noch Doris Day.

Was würdest du mit einem unerwarteten Geldgeschenk von 1000 Euro anfangen, wenn du es nicht für Alkohol, Zigaretten, Drogen, oder Urlaub ausgeben dürftest?
Eine Tonne Reis kaufen.

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PRAG, 10.05.2013, Sudhaus, Tübingen http://www.gig-blog.net/2013/05/12/prag-10-05-2013-sudhaus-tubingen/ http://www.gig-blog.net/2013/05/12/prag-10-05-2013-sudhaus-tubingen/#comments Sat, 11 May 2013 22:14:53 +0000 Madame Psychosis http://www.gig-blog.net/?p=20520 5346990 1403058 PRAG, 10.05.2013, Sudhaus, Tübingen

Foto: Patrick Grossien

Dass Schauspielerin Nora Tschirner musikgeschmacktechnisch eine von den Guten ist konnte man, wenn man einigermaßen genau aufpasst, schon seit geraumer Zeit mitverfolgen (Blur, PulpShakira). Umso toller, dass sie jetzt selber Musik macht und noch besser, dass sie das im Rahmen einer Band betreibt, die so ungefähr alles beinhaltet, was man hier im Gig-Blog-Pop-Department zu Recht extrem gut findet: Sechziger-Jahre-Einflüsse, Streicher & Bläser, fröhlich/traurige Texte, Begeisterung für französische Teenager-Kino-Stars der 80er Jahre usw. Nicht nur optisch ähneln die Prag-Co-Frontpersonen Erik Lautenschläger und Tom Krimi zudem auffällig der ebenfalls sehr geschätzten Gruppe Erdmöbel.

Entsprechend groß war die Freude, als feststand, dass Prag auf ihrer ersten Tour auch in unsere Nähe kommen. Mit geschätzt zweihundert Zuschauern ist das Sudhaus in Tübingen gut gefüllt. Das Publikum besteht aus nett aussehenden Menschen, die altersmäßig eher über als unter dreißig sind, Männer- und Frauenanteil ungefähr ausgeglichen. Die zufällig angetroffene freundliche Arbeitskollegin E. und ich haben uns ein Beispiel am Band-Line-Up genommen und kreuzen jeweils in Begleitung von zwei befreundeten Herren auf.

5346990 1403038 PRAG, 10.05.2013, Sudhaus, Tübingen

Foto: Patrick Grossien

Wir stehen vom Publikum aus gesehen links vorne, vor uns ein Mikrofon-Ständer, um den ein Stück weiße Spitze gewickelt ist und ein mit Glitzerstoff behängter Keyboardständer, auf dem diverse Glockenspiele aufgebaut sind. Im Hintergrund nimmt die Begleitband Aufstellung, ein Trompeter, Bass, Schlagzeuger, Keyboard, Cello, zwei Geigen. Die sympathischen Bandmitglieder sind adrett in schwarz-weiß gekleidet, das hat ein bisschen was von Schulaufführung (toll!!) und erinnert auch an die wundervolle Band The School aus Cardiff. Sowieso sind Gig-Blog-Lieblingskollege Lino und ich uns einig, dass Prag auch hervorragend zum spanischen Indie-Pop-Label Elefant Records passen würden (das Label, auf dem The School veröffentlichen), die müssen wir unbedingt verkuppeln.

Nacheinander betreten Erik Lautenschläger, Tom Krimi und Nora Tschirner zum zarten Instrumental-Opener „Leisestreichler“ die Bühne. Nora trägt ihr fantastisches Trademark-Matrosenkleid (knielang), schwarze, blickdichte Strumpfhosen, flache weiße Schnürschuhe, die Haare locker hochgesteckt, hellblau manikürte Fingernägel, Sixties-Lidstrich. Verdammt, ist die schön. Die Jungs aber auch in ihren absichtlich nachlässig angeknitterten Retro-Anzügen und akkurat frisiert.

5346990 1403032 PRAG, 10.05.2013, Sudhaus, Tübingen

Foto: Patrick Grossien

Das erste Stück nach dem Intro ist „Zeit“. Nora, Erik und Tom stehen von links nach rechts aufgereiht im Vordergrund, Erik in der Mitte singt ausdrucksstark aber schön unprätentiös, Nora spielt Gitarre und singt Background. Und dann passiert’s, Gig-Blog-Fotograf P. hat Probleme mit seiner Kamera, das entgeht Frontfrau Nora nicht. „Ich spüre doch, wenn Verzweiflung herrscht,“ spricht sie charmant, nimmt dem verdutzten jungen Mann die Zweitkamera aus der Hand, fotografiert inzwischen mal das Publikum („wichtig, dass man das macht, bevor der Saal leer gespielt ist“) und gewinnt P. so ein bisschen Zeit zur Lösung der technischen Probleme. Später post sie noch mal extra fröhlich zu uns rüber. Soviel Charme und Empathie, wenn wir nicht eh schon verliebt wären, wären wir es jetzt, völlig alternativlose emotionale Reaktion.

Weiter geht’s mit „Sophie Marceau“ und Nora Tschirner „an der größten Mundharmonika der Welt“ (Ankündigung von Erik Lautenschläger). Nora spielt außerdem mit lässig auf den Rücken gehängter Gitarre eine Art Zither.

„Ende“ ist ein sehr langes Stück mit vielen großartig klingenden Trompetenparts, Erik singt hingebungsvoll, Nora spielt Gitarre, Glockenspiel und Triangel, Tom Krimi strahlt glücklich. Generell wird auf dieser Bühne viel gestrahlt und in alle Richtungen gelächelt und augengezwinkert, auf arrogante Unnahbarkeit hat hier keiner Bock.

Achtzehn Stücke inklusive Zugabe spielen Prag. Linos Favorit ist „Argumente tausendfach“, meiner „Einfach“. Live funktioniert das toll instrumentierte und arrangierte Album perfekt, echte Bläser und Streicher klingen einfach wunderschön.

Zum Schluss holen wir uns noch Autogramme und knipsen Fotos, die professionelle Distanz ist dahin, was soll’s. Tolle Band, wundervolles, extrem hörenswertes Album, diese Gruppe soll es bitteschön für immer geben.

5346990 1403066 PRAG, 10.05.2013, Sudhaus, Tübingen

Foto: Patrick Grossien
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RUMMELSNUFF, 10.05.2013, Komma, Esslingen http://www.gig-blog.net/2013/05/12/rummelsnuff-10-05-2013-komma-esslingen/ http://www.gig-blog.net/2013/05/12/rummelsnuff-10-05-2013-komma-esslingen/#comments Sat, 11 May 2013 22:13:31 +0000 bertramprimus http://www.gig-blog.net/?p=20529 rummelsnuff 12 RUMMELSNUFF, 10.05.2013, Komma, Esslingen

Foto: Christoph Hoyer

Wir beginnen besinnlich, merkt Ihr das nicht.

Aye aye Käpt´n, da wollen wir 50 Passagiere auf der MS Komma Esslingen im kleinen Saal nicht widersprechen, schließlich haben wir Rummelsnuff vor uns, einen Berg aus Muskeln, trainiert an der Hantelbank und an der Tür vom Berghain in Berlin.

Guten Abend, liebe Mädel und Buben.

An Bord wird deutsch gesprochen, soviel ist sicher.  Und besinnlich wird es erst wieder am Ende der Fahrt, denn was der Sachse Roger Baptist alias Rummelsnuff mit seiner Mannschaft macht, nennt er selbst treffend Derbe Strommusik. Musikalisch ist das Electronic Body Music, Electro-Punk oder wie man es nennen will, die Beat-Turbinen rumpeln also ziemlich brachial. Und dazu brummt der Käpt´n seine Texte, die sich am liebsten um die Seefahrt drehen, aber auch – sagen wir mal – autobiographisches aufarbeiten wie in den Liedern „Schrauber“ oder „Türsteher“ vom neuen Album „Himmelfahrt“.

Du willst rein
Der Türsteher sagt NEIN
Sauer bist du
Aber du gibst schnell Ruh
Denn DIESEN Mann wirst du NICHT angreifen!
Der Kerl is’n Panzer
Du wirst dir’s verkneifen!

Ein rilkesches Reimemonster wird aus Rummelsnuff in diesem Leben wohl nicht mehr. Auch die verstörend-monotone Eleganz von DAF aus den alten Achzigern erreicht Rummelsnuff mit dem Lied „Machen Wir Den Tanz“ nicht ganz.

Rummelsnuffs Hingabe zum Muskelzeigen und sein Spaß an der Inszenierung des männlichen Archetypus des Seemanns tragen den Abend. Rummelsnuff sieht aus, als wäre er aus August Sanders Gesellschaftsportraits der Weimarer Republik „Das Antlitz des deutschen Menschen“ entsprungen. Das Spielen mit Versatzstücken aus der gesamtdeutschen jüngsten Geschichte gehören für ihn zur Inszenierung dazu (DDR-Flagge hängt vom Keyboard runter, Frakturschrift, deutschtümelnde Sprache bis hin zum „T-Hemd“-Verkauf). Als queer-faschoid hat das alles zusammen mal jemand sehr treffend genannt. Dazu passen auch sein Coverversionen von Devo („Mongoloid“), Boney M („Daddy Cool“), Gilbert Bécaud („Nathalie“), Rammstein („Seemann“) und Conte/Celentano („Azzurro“).

Salzig schmeckt der Wind
hol die Buddel aus dem Spind

Des Käpt´ns Mannschaft besteht heute Abend aus seinem 1. Offizier Christian Asbach, der mit Volksmarinemütze in allen Sprachen der Weltmeere singt (Englisch, Französisch, Russisch). Asbach verdingt sich allerdings nicht nur bei Rummelsnuff, kürzlich hat er für den polnischen Singer-Songwriter-Techno-Act Tekkno Polo ein Video gedreht. An der Gitarre schrabbelt Rajko Gohlke, der auch bei Knorkator basst. Am Keyboard ruft Kraftsportler Eisenkumpel die Sequenzen auf. Er darf auch zeigen, dass er limitfrei einarmige Liegestützen kann. Eisenkumpel trägt viele Hautbildchen, u. a. hat er seinen Künstlername Eisenkumpel in Frakturschrift im Halbkreis um seinen angedeuteten Bierbauch stechen lassen. Auf der Schläfe trägt er das Bildchen eines On-Off-Kippschalters. Er ist auf „on“ geschaltet. Klabautermann sei´s gedankt.

rummelsnuff 11 RUMMELSNUFF, 10.05.2013, Komma, Esslingen

Foto: Christoph Hoyer

Gegen Ende schaltet Rummelsnuff voll und ganz auf Seemann und croont seine Shanties „Trägt Die Woge Dein Boot“, „Hammerfest“, „Salzig schmeckt der Wind“ und natürlich „Halt Durch“.

Halt durch – die Meere sind weit!
Gefahr von überall!
Halt durch und bring dein Schiff in Sicherheit!
Ein Käpt’n gibt nie auf…

Und tatsächlich erzeugt er diese seltsame Art von gemütlicher Wehmut. Die Passagiere ergreift es auf seltsame Art und Weise, sie fangen an zu schunkeln. Als Zugabe stehen dann alle vier Matrosen mit Frauen in den Armen und Rummelsnuff singt Hans Albers „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Herrlich!

Jetzt erst mal eine Prise Schnupftabak.

Oh, falscher Dampfer, da ist mir nach all dem Seemannsgarn der Räuber Hotzenplotz dazwischengerutscht, dessen Geschichten ich gerade zu Hause vorlese.

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http://www.gig-blog.net/2013/05/12/rummelsnuff-10-05-2013-komma-esslingen/feed/ 1
ASAF AVIDAN, 08.05.2013, LKA, Stuttgart http://www.gig-blog.net/2013/05/09/asaf-avidan-08-05-2013-lka-stuttgart/ http://www.gig-blog.net/2013/05/09/asaf-avidan-08-05-2013-lka-stuttgart/#comments Thu, 09 May 2013 18:01:21 +0000 Carsten Weirich http://www.gig-blog.net/?p=20483 gigblog 0048 ASAF AVIDAN, 08.05.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Özlem Yavuz

Jesses, was ein Scheiß mit dem Verkehr in Stuttgart. Sämtliche Abkürzungen und schlauen Kniffe auf dem Weg nach Wangen entpuppen sich als völliger Quatsch. Ich komme mal wieder zu spät. Nur gut, dass mein Bruder – auch wie immer – ebenfalls zu spät kommt. Vor dem LKA ausnahmsweise mal keine leeren Flaschen und Bierdosen und auch keine aufgedrehten, halb bis total besoffenen Kids. Reiferes Publikum heute, die machen sowas nicht. Während ich also warte, höre ich von drinnen schon Frauengesang. Also doch eine Vorband, denke ich so bei mir. Wird sich natürlich gleich als totaler Blödsinn herausstellen. Sollte ich eigentlich wissen, dass der gute Asaf mit seiner hellen Stimme geschlechtertechnisch nur vom Hinhören schwer einzuordnen ist. “Die neue Janis Joplin kommt aus Israel” titelte mal ein Musikmagazin.

Wir sind jetzt auch endlich drin und eilen zu den sanften Klängen von “Different Pulses”, dem Titelsong seines neuen Albums, an die Bar. Trockene Kehle und so. Das LKA ist schätzungsweise nur zu zwei Dritteln ausverkauft, was mich beim stolzen Abendkassenpreis von 36 Euro aber auch nicht wirklich verwundert. Ist das der Wankelmut-Zuschlag? Egal, jetzt nicht groß rumzicken. Hab ja eh nix bezahlen müssen. Ohne großes Durchgequetsche kommen wir relativ weit nach vorne und ich konzentriere mich auf die Musik. Viel Tammtamm scheint Asaf Avidan nicht zu brauchen, denn ein paar bunte Scheinwerfer sind alles was auf der Bühne aufgeboten wird. Der junge Israeli steht da mit seinem Strubbel-Iro, geschlossenen Augen und seiner Gitarre und singt einfach nur wahnsinnig innbrünstig. Seine vier Bandkollegen, das müssen dann wohl die Mojos sein (obwohl, ist da sonst nicht nur eine Frau dabei?), tun es ihm nach. Asaf Avidans Stimme ist extrem gewöhnungsbedürftig und dadurch ja auch irgendwie sein Markenzeichen. Ich schätze mal man mag sie einfach oder auch nicht. Ich tue ersteres, weil sie immer klingt als ob er alles aus sich herausholt was da eben drin ist, allen Schmerz und alle Leidenschaft. Hab gelesen, dass er in Israel mal die Schlümpfe synchronisiert hat. Haha.

gigblog 0018 ASAF AVIDAN, 08.05.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Özlem Yavuz

Bei “Setting scalpels free” erinnert er mich ein bisschen an Bob Marley. Asaf Avidan schüttelt den Kopf hin und her, klopft sich mit der Faust auf die Brust und marschiert zu langsamen Reggae-Klängen auf der Stelle. Ja gut, ist ja als Diplomatensohn unter anderem auch in Jamaica aufgewachsen. Und das hört man immer wieder heraus. Seine Stimme kratzt und beißt und lässt tiefe Sehnsucht erahnen:

In the skies there is a whisper
In the trees there is a wind
On the sands the waves are rolling
Battered hopes are floating in

In your veins the tide is turning
And the ships are sailing home
In your knees there is a trembling
With the thought they’re free to roam

Is it going to last

Was stört ist der infernalische Rülpser, der mich aus meiner Verzückung reißt. Bin da sonst nicht so etepetete, aber gerade jetzt… Welches Schwein?… Ich schau mich um, kann den Missetäter aber nicht ausmachen. Vielleicht auch besser so, denn dem Klang nach zu urteilen, muss das Ferkel etwa zwei Meter groß sein und Trucker oder so. Da hätte ich eh schlechte Karten. Also wieder auf die Musik konzentrieren.

Zwischen seinen Songs erzählt er viel und manchmal schon svavaresk von deren Entstehungsgeschichte und auch von sich. “Beggar” beispielsweise nach einem Vollrausch in Paris entstanden. Asaf Avidan hatte einen wirren Traum von Nutten und Affen. “What the fuck is wrong with me?”, dachte er am nächsten Morgen (meinem Bruder fällt auf, dass “Fuck” wohl eines seiner Lieblingswörter ist – sollte man mal zählen, nur so zum Spaß). Sein Psychotherapeut hat ihm dann geraten das Ganze niederzuschreiben. Hätte er besser nicht machen sollen. Denn auch wenn der Israeli hier die vielfältigen Facetten seiner Stimme voll herausholen kann, ist mir das alles zu bluesig und zu frickelig. Hab’s da lieber eingängig poppig.

Wo ich mich jetzt so umschaue sehe ich, dass echt haufenweise Pärchen da sind. Männergruppen finde ich jedenfalls fast keine. Die beiden Paare vor mir üben scheinen beispielsweise für einen Synchron-Knuddel-Contest zu trainieren. Beide die Freundin vor sich, zärtlich von hinten umarmt und den Pulli pfiffig über die linke Schulter gelegt. Haha.

gigblog 0021 ASAF AVIDAN, 08.05.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Özlem Yavuz

Zum poppig-rockigen “Hoist up the colors!” sollen wir mitklatschen. Nö, mach ich nicht. Die meisten anderen schon. Sogar mein Bruder. Vielleicht doch nur adoptiert? Die Stimmung im Publikum ist jedenfalls gut. Asaf Avidan erklärt uns, dass er kein lineares Konzert machen will weil es das Leben eben auch nicht ist. Sollten wir also feststellen, dass fröhliche und extrem traurige Lieder wild durcheinander wechseln, liegt das nicht daran, dass er ein Depp ist. Hat auch keiner behauptet.

Die wirklich sehr hübsche Blondine vorn auf der Bühne scheint Expertin für seltsame Kleininstrumente zu sein. Sie schüttelt die Rassel und das Tamburin, bläst zu “613 shades of sad” sogar eine Kinderpfeife und klopft auf merkwürdigen Holzdingern rum. Hat sie von einem Altmeister in Peru gelernt, einem buddhistischen Mönch. Erzählt Asaf zumindest. Jetzt müssen sie beide lachen. Buddhistischer Mönch in Peru und so. “Oh my God, three people clapping for such a shitty story”, sagt Asaf und lacht wieder. Überhaupt lacht er recht viel. Klingt sympathisch und lustig. Wie seine Stimme. Viel charmanter könne er sein, beteuert er. Es gibt nur ein Problem: “Fuck, I’m drunk.”

Trotzdem singt er seinen “truely depressing” song “My latest sin” mit ganz viel Gefühl. Das LKA wippt langsam von einem Fuß auf den anderen. Und gerade als es am Traurigsten und Schönsten wird, drehen sich die beiden verhältnismäßig jungen Mädels links von mir um und fragen charmant und ladylike: “Ey, wo ist hier das Scheißhaus?”. Leute, echt! Ich zeige hinter mich und die beiden ziehen Leine. Schnell wieder an was Schönes denken. Eines meiner absoluten Highlights ist “Small Change Girl”, ein wirklich wunderschöner Song. Tolles Video auch, sollte man sich mal auf Youtube anschauen.

Um 21.30 Uhr kündigt Asaf Avidan seinen letzten Song an. “Yeah I know you’re just here because of this fucking remix”, kommentiert er den Wunsch seiner Fans nach dem “Reckoning Song”. Naja, immerhin hat ihn der hierzulande bekannt gemacht. Hat er aber auch nicht so gemeint, hoffe ich zumindest. Immerhin hat er ja auch selbst gemerkt, dass im Vergleich zu seinem letzten Auftritt in Stuttgart deutlich mehr Fans gekommen sind. So ist das halt mit dem einen großen Hit: Fluch und Segen in einem. Spielen tut er aber “Love it or leave it”. Macht nix, ist auch schön. Die Fans grooven gepflegt vor sich hin und klatschen noch mal ordentlich mit.

gigblog 0042 ASAF AVIDAN, 08.05.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Özlem Yavuz

Asaf und seine Mojos verlassen die Bühne, selbstverständlich nur um ein paar Minuten später nochmal zurückzukommen. Und jetzt gibt es ihn als erste Zugabe unter riesengroßem Applaus doch noch, den “Reckoning Song”. Handys werden in die Luft gehalten um den einen großen Hit auf Video zu bannen. Mein Bruder präsentiert stolz seine Gänsehaut und das LKA

No more tears, my heart is dry
I don’t laugh and I don’t cry
I don’t think about you all the time
But when I do I wonder why

You have to go out of my door
And leave just like you did before
I know I said that I was sure
But rich men can’t imagine poor

One day Baby, We’ll be old
Oh Baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told

Ist aber auch ein klasse Song. Bei der zweiten Zugabe “Her Lies” röhrt es plötzlich wieder wie Schwein in altbekannter infernalischer Tonlage aus dem Publikum. Diesmal finde ich den Unruhestifter aber sofort: die beiden Scheißhausmädels! Sie lachen wie frisch aus der Klapse entkommen, die eine rülpst gleich nochmal und dann gießen sich beide vergnügt grunzend ihr Bier über den Kopf. Ernsthaft, ich kann Zeugen benennen. Jesses! Aber immerhin: ihrem wilden Veitstanz nach scheinen sie mächtig Spaß zu haben, auch wenn sie wohl irgendwie auf dem falschen Konzert gelandet sind.

“Hangwoman” ist der letzte Song des Abends. Nach zwei Stunden geht das schnörkellose und wirklich sehr schöne Konzert zu Ende. Und vielleicht ist das LKA ja bei der nächsten Tour ausverkauft auch ohne schicken Umzumz-Remix einer seiner Songs.

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BARN OWL, 07.05.2013, Komma, Esslingen http://www.gig-blog.net/2013/05/09/barn-owl-07-05-2013-komma-esslingen/ http://www.gig-blog.net/2013/05/09/barn-owl-07-05-2013-komma-esslingen/#comments Thu, 09 May 2013 17:52:08 +0000 Tox http://www.gig-blog.net/?p=20478 barn owl BARN OWL, 07.05.2013, Komma, Esslingen

Foto: Tox

BARN OWL, “San Francisco” und “Thrill Jockey Records” lautet die Werbung für das Konzert im Komma. Selbst wenn ich sie nicht schon gesehen hätte, würde mich diese Ankündigung magisch anziehen. Aber wie gesagt, ich kenne die Band schon ein paar Jahre, und habe auch einiges an Vinyl des Duos zusammengetragen. Für Zuhause sehr brauchbare Musik, ohne Beats, Soundtrack zum Lesen oder Entspannen. File under: Ambient, Drone, Krautrock. Aus Interviews weiß ich, dass die Band im Letzteren ihre großen Vorbilder sieht, und klingen will, wie die Quintessenz aus ihren Lieblings-Kraut-Platten. Für uns Spätgeborene gibt’s daher heute eine Show, die nicht nur optisch aussieht wie eine Harmonia Show Anfang der 70er Jahre.

Um 21 Uhr sieht das ganze noch beunruhigend aus. Im ersten Moment denke ich, dass die Bühne noch nicht aufgebaut ist, aber die weißen Rechtecke vor der eigentlichen Bühne erweisen sich als Matratzen, und aus den fünf Leuten die anfangs anwesend sind (zwei davon Band), werden gegen später wenigstens zweiundzwanzig Hand gezählte.

Die Show vor einigen Jahren in Karlsruhe sah ungefähr so aus: Band sitzt am Boden über vintage Equipment und Samplern, nach einer Weile sitzt auch der Rest im Saal. Heute stehen die beiden, und das Publikum ist gleich eingeladen, sich auf den Matratzen oder gepolsterten Bühnenteilen bequem zu machen. Kollege Claus wird sogar ein Sessel gebracht, nachdem die Abliegplätze alle belegt sind. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen, wir sollten öfter ins Komma.

Vorgetragen wird ohne Unterbrechung, Musik die zum Entspannen und Wegfliegen einlädt, die aber kein bisschen langweilig wird. Im Gegenteil, Jon Porras and Evan Caminiti, die Zwillinge sein könnten, sind auch beschäftigt ohne Ende. Bis zum Schluss wird gedreht, gesteckt, gedrückt und abgespult. Ich habe schon Daft Punk und die Chemical Brothers live gesehen, Brüder zumindest im Geiste, zwei Männer stehen vor kleinen Maschinen mit vielen Kabeln, aber geschafft wie Barn Owl haben die Herren Multimillionäre nicht.

Es geht sehr in Richtung Tiefenentspannung. Vielleicht ist die Lautstärke auch deshalb bei “eleven”, weil sonst die Leute, die großteils mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegen, nicht wegpennen. Laut ist’s und wie es sich bei einer Drone-Band gehört, es dröhnt auch teilweise dergestalt, dass man die Performance auch spürt. Vereinzelt segeln bunte Papierfetzen zu Boden. Anfangs schnalle ich noch nicht, wie das jetzt zur Show passen soll, und überhaupt, wo kommen die Teile her, bis es klar wird: Es dröhnt so krass, dass die Schnipsel, die von einer früheren Veranstaltung auf den Scheinwerfern und im Gebälk liegengeblieben sind, jetzt runtergeblasen werden.

Nach ca. 30 Minuten kommen tatsächlich ein paar Beats aus den Maschinchen, wie sie sich auch auf der aktuellen Platte “V” befinden sollen, die Tiefenentspannung wird langsam verlassen, und es geht immer noch beeindruckend gut Richtung Wachzustand. Habe ich in dieser Form bei den grob Artverwandten Sunn O))) erlebt, eine Show die man gar nicht anschauen muss oder kann (Nebel bei Sunn O))), Blick zur Decke bei Barn Owl), dafür aber körperlich spürt. Dem kleinen Zirkel von Connaisseurs hat’s gefallen.

Am Freitag sind wir wieder an gleicher Stelle bei Rummelsnuff.

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CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart http://www.gig-blog.net/2013/05/09/cult-of-luna-the-ocean-lo-06-05-2013-universum-stuttgart/ http://www.gig-blog.net/2013/05/09/cult-of-luna-the-ocean-lo-06-05-2013-universum-stuttgart/#comments Thu, 09 May 2013 17:47:31 +0000 Claus Kullak http://www.gig-blog.net/?p=20487 20130506 dsc 4547 CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Neulich habe ich auf Deutschlandfunk ein Interview mit dem Elektro-Musiker Robag Wruhme gehört, in welchem dieser andeutet, dass Kollegen ihm immer wieder mitteilen, dass er so viele Ideen in ein einzelnes Stück packt, dass man daraus ebenso gut auch drei machen könnte. In der Tat kann man dem Interviewer Sascha Verlan Recht geben, dass es in Wruhmes Musik kaum Takte gibt, die sich wiederholen, weil beständig neue Klänge und Geräusche aufkommen. Aber das stimmt leider auch nur, wenn man den Umstand außen vor lässt, dass diese elektronische Musik aus völlig stereotypen, sich gleichförmig ins endlose fortsetzenden Rhythmen besteht, ohne irgendwelche Schwankungen in Geschwindigkeit oder Lautstärke, ohne irgendetwas, wodurch sie einen Ausdruck oder irgendeine Form von Emotionalität gewänne.

Ohne solche Musik jetzt abwerten zu wollen – Gleichförmigkeit und Monotonie sind nicht per se schlecht –, muss ich sagen, dass ich da schon froh bin, The Ocean oder Cult of Luna hören zu können, Bands, bei denen in jedem Stück so viele Ideen stecken, dass andere daraus ein ganzes Album (oder eine ganze Diskographie) machen würden, Bands, die beständig abwechslungsreich, unvorhersehbar und originell sind, ohne dabei den Zusammenhalt der Stücke aus den Augen zu lassen, ohne beliebig zu klingen, Bands, die eben immer auch Ausdruck und Emotionalität transportieren.

20130506 dsc 4273 CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Diese Emotionalität ist zum Teil durchaus schwer zu greifen, weil sie genauso komplex ist, wie die Musik, über welche sie transportiert wird. Als erstes fällt mir das im Uni bei den Openern Lo! auf, die zwar mit den ersten beiden Stücken noch als plumper Prügel-Sludge daherkommen, sich dann aber einem durchaus abwechslungsreichen Post-Hardcore zuwenden. Das ist auch gut so, denn ich scheine nicht der Einzige im Publikum zu sein, welchem das Gerumpel etwas zu einseitig ist: Die Australier legen anfangs einen Ziegelstein aufs Gas und langsamer wird’s höchstens, wenn bei Vollgas zugleich kurz an der Handbremse gezogen wird. Trotz all des Gebrülls von Jamie-Leigh Smith klingt die Musik weniger nach Wut, Frust oder Verzweiflung als schlicht melancholisch. Einer Melancholie freilich, die mit Vollgas auf einen hereinbricht. Das mag an der heiseren Note in der Jamies tiefer und Carl Whitbreads seltener auftretenden leicht höheren Brüllstimme liegen und verstärkt sich noch, wenn die späteren Stücke des Sets vielseitiger werden, ungewöhnliche, verspulte Lead-Gitarrenmelodien aufweisen oder zwischen ganz ruhigen, nur von Carls Gitarre oder nur von Adrian Shapiros Bass getragenen Passagen und dem vollen Brett wechseln. Zwischendrin doomed es auch mal ein bisschen.

Ganz zum Schluss des Sets kommt überraschend noch einer der beiden The Ocean-Sänger, auf die Bühne. So schreien sie sich dann zu dritt die Seele aus dem Leib, bevor es in eine kurze Umbaupause geht und wir auf die nächste Band treffen, die ich bislang genauso wenig kenne wie Lo!.

20130506 dsc 4259 CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Während dieser Umbaupause versucht Björn Springorum mich schon mal kräftig und ohne zurückgehaltene Begeisterung auf die nächste Band The Ocean einzustimmen. Nicht unzutreffend muss ich sagen, denn diese begeisterte Verbalrezension über das neue Album „Pelagial“ unterstreichen die Ex-Berliner und Jetzt-Schweizer mit einem Set, das bis auf zwei ältere Stücke fast nur aus den nun aber auch wirklich phantastischen Kompositionen vom neuen Album besteht.

Los geht es mit den Eröffnungsstücken des Konzeptalbums über eine Reise in die Tiefen der Ozeane: „Epipelagic“ und „Mesopelagic“. Der erste, instrumentale, nach der obersten, 200 Meter dicken Meeresschicht benannte Track ist leicht und plätschernd. Die leichte Gitarre und das Klaviergeplänkel führen dann direkt in das zweite Stück über, wo zunächst sanfter Klargesang auftritt, der gemeinsam mit den Gitarren und den heute sehr heftigen Drums in eine klangvolle Heavyness bis hin zum Post-Hardcore-Geschrei übergeht.

Abwechslungsreiche Riffs, verwirrende Leadmelodien, vertrackte Breaks und Rhythmuswechsel, schöne Klaviermelodien und Synthesizer-Effekte, die leider alle vom Rechner stammen, griffige zentrale Passagen, die man mitgrölen könnte, hätte man die Texte schon mal gehört. Alle Überbleibsel von Songstrukturen werden aufgelöst, originelle Passagen reihen sich aneinander, etwa, wenn irre gefrickelte Gitarrensoli in die Breaks der anderen Musiker hineinschießen. Aus der Erinnerung heraus scheint mir das „Bathyalpelagic II – The Wish in Dreams“ zu sein. Selbst falls ich mich irren sollte: Reinhören lohnt sich! Auch wenn sich die Stücke im Charakter immer mehr zur Härte steigern, werden beständig musikalische Themen aus vorherigen Stücken eingeflochten, sodass diese Verbindung aus unüberblickbar vielen musikalischen Ideen immer schlüssig und nicht willkürlich wirkt.

Man kann sich ganz hineinfallen lassen, hin und her getrieben durch die häufigen Wechsel und neuen Impulse, welche die Aufmerksamkeit fesseln. The Ocean führen einen da durch ruhige musikalische oder pelagische Zonen, durch wilde und durch turbulente Zonen. Sie steigern mit der Intensität von Rhythmus und Geschwindigkeit, mit dem Schwanken zwischen lauten und zurückgenommenen Passagen die emotionale Involviertheit des Publikums. Nach allem fangen sie einen mit fast schon episch-atmosphärischen Melodien und ohrwurmverdächtigen Melodien wieder auf. Mal mitreißend, mal besänftigend ist das. Mithin am eindrucksvollsten finde ich, wie vielseitig und präzise Loïc Rossetti, der hinter den Saiteninstrumenten und zumeist vom Publikum abgewandt steht, seine Stimme einsetzen kann: Von der fast kindlich weich klingenden Kopfstimme über eine warme, sehnsuchtsvolle Singstimme und ein versoffenes Röcheln bis hin zum Geschrei, mal auch einzelne Kopfstimmennoten einbauend. Er macht sich das gar nicht leicht. Aber wie bei allem an The Ocean bringen sie auch das perfekt rüber: Druckvoll, stets überraschend, anspruchsvoll, emotional.

20130506 dsc 4448 CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Leider beginnt damit der emotional etwas zweischneidige Teil des Konzertes: Nachdem The Ocean ihren Slot deutlich überzogen haben, eilt die Uhr bereits auf die Elf zu. So mischt sich in die Vorfreude auf Cult of Luna nun auch einiges an Nervosität, wie viel wir von dieser Band wohl noch zu sehen bekommen würden, bevor die letzten Bahnen fahren. Für einige wird das sehr wenig sein, nachdem die Schweden erst um sieben vor elf auf die Bühne gehen. Soweit ich das überblicken kann, hat keiner der Leute die ich hier kenne, das Konzert bis zum Ende gesehen. Schade. Wirklich schade.

Nach dem Auftritt von The Ocean hätten die meisten Bands wohl verloren gehabt, aber Cult of Luna wären nicht Cult of Luna, wenn sie uns nicht eine ungeheuerliche Wand rein schieben würden. Das fängt ja schon bei der Besetzung an. War The Ocean-Bandleader und Pelagial Records-Betreiber Robin Staps noch mit vier Mitstreitern aufgetreten, stehen jetzt sieben Mann auf der Bühne. Die mussten wahrscheinlich vor dem Gig ausatmen, denn Cult of Luna haben es geschafft zudem die beiden Schlagzeuge von Magnus Lindberg und Thomas Hedlund auf die nicht besonders große Bühne des Universums zu pressen. Vor dem rechten steht Anders Teglund mit seinen Keyboards. Auf dem Rest der Bühne tummeln sich die drei Gitarristen Johannes Persson, Eric Olofsson und Fredrik Kihlberg und Bassist Andreas Johansson. Wie die Band es schafft, in dieser bedrängten Enge auch noch voll abzugehen, ist mir schleierhaft. Glück gehabt aber, dass Cult of Luna geschrumpft sind: Auf dem Roadburn vor ein paar Jahren waren sie beispielsweise zu neunt aufgetreten …

Am Anfang dauert es ein wenig, bis ich mich mit der Musik akklimatisiert habe. The Ocean waren schon eine Macht. Aber Cult of Luna lassen das nicht lange auf sich sitzen. Das fängt mir ihrem speziellen Gitarrensound an, der sowohl unterkühlt, als auch druckvoll dicht daher kommt. Interessanterweise verändert dieser Gitarrensound im Nachklang seinen Charakter und wird seltsam warm. Auch sonst ist alles drin: Gebrüll wie Lotte, gerne auch mal mehrstimmig, Klargesang, Vocoder, Percussions, ultra langsames Klavier. Zugleich wird die dickste Lightshow aufgefahren, die ich je im Uni gesehen habe. Eingehüllt in dichtem Neben sieht man die Musiker, wenn man nicht gerade ganz vorne steht, zumeist nur als Schattenriss im Geflacker von Stroboskop und Moving Heads. Der Beleuchter weiß, was er tut, gibt er doch der winzigen Bühne durch das Aufbauen mehrerer Farbschichten Kontrast und Tiefe. Sieht gut aus, macht aber erst richtig klar, wie eng es da oben ist.

Soweit ich die Stücke gut kenne, stelle ich nebenbei bemerkt auch fest, dass die Live-Versionen von der Studioaufnahme in einigen originellen Elementen abweichen. Vor allem von den Keyboards kommen immer wieder überraschende Töne und Fills. Das geschieht in der Regel an den heftigen, aufgepeitschten Stellen. In ihren ruhigeren Passagen hat die Musik dagegen etwas Schwelenden, Schwerendes. Auch hier steckt wieder ganz viel Melancholie drin, wie in den frühen Crippled Black Phoenix-Platten. Aber dann bricht die Musik wieder los wie ein Manisch-Depressiver in der Hochphase: Stücke wie „Finland“ erfüllen einen einfach mit Kraft, so mächtig kommen sie daher. Die synchron von zwei Schlagzeugen gespielten und damit irgendwie ungewohnt klingenden Rhythmen sind kräftiger den je. Alles verdichtet sich wie ein Muskelkrampf. Wir sind wieder bei Gebrüll aus tiefer Kehle angekommen.

Die Stücke sind so voll von Ideen, dass man sich gar nicht mehr an alles erinnern kann, wenn sie enden, so voll von Ideen, dass es einem so vorkommt, als können sie unmöglich weniger als eine halbe Stunde gedauert haben, auch wenn es sicherlich weit weniger war. So kann man aber trotz der dahin tickenden Uhr noch möglichst viel von Cult of Luna aufnehmen.

Irgendwo in den ruhigen Passagen eines Stückes vom neuen Album möchte ich mich in den schönen Melodien verlieren. Aber auch ich muss jetzt gehen. Selbst wenn das Konzert überwältigend ist. Letzter Bus. Der Wecker klingelt erbarmungslos um fünf. Draußen schüttet es. Je weiter ich in die U-Bahn-Station unter dem Uni gehe, desto mehr hört man von Cult of Luna nur noch den langsamen Herzschlag der Drums: Bumm, Bummbumm, Bum, Bummbumm. Als ich am anderen Ende des Charlottenplatzes nach oben gehe, ist der Herzschlag verklungen und man hört nur noch das gleichförmige, sich ins endlose fortsetzende Rauschen des Regens. Bewegend.

20130506 dsc 4631 CULT OF LUNA, THE OCEAN, LO!, 06.05.2013, Universum, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

The Ocean:

Cult of Luna:

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JUNIP, 03.05.2013, Karlstorbahnhof, Heidelberg http://www.gig-blog.net/2013/05/05/junip-03-05-2013-karlstorbahnhof-heidelberg/ http://www.gig-blog.net/2013/05/05/junip-03-05-2013-karlstorbahnhof-heidelberg/#comments Sat, 04 May 2013 22:30:18 +0000 Lino http://www.gig-blog.net/?p=20451 20130503 dsc 3810 JUNIP, 03.05.2013, Karlstorbahnhof, Heidelberg

Foto: Michael Haussmann

Hilft ja alles nix, ich muss mit der Tagesaktualität anfangen: Jeff Hanneman ist tot, viel zu früh mit 49 Jahren abgetreten. Wer weiß, wie viele böse Riffs und atonale Soli des “just a californian punk” noch gekommen wären. Sicher ist, dass er mit “Reign In Blood”, welches zu Großteilen auf seine Heineken-Kappe geht, aber eh schon sein musikalisches Statement für die Ewigkeit hinterlassen hat. Dass die Todesursache evtl. (Zeitpunkt jetzt noch totale Spekulation) die Nachwirkungen eines Spinnenbisses sein könnten, passt vom ganzen Slayer-Ding dann leider auch irgendwie. Mit Junip heute Abend hat das natürlich null komma nix zu tun.

Pickepackevoll ist es im Karlstorbahnhof. In Internetversandhäusern würde stehen, wenn Ihnen das gefällt, mögen Sie bestimmt auch „Berufspendeln in Tokyos U-Bahn“ oder „Totgetrampelt werden beim Schlussverkauf“. Völlig unüberraschend viele junge Studenten, aber nicht so wie aus Stuttgart gewohnt die grobe Maschinenbauer-Abteilung vorwiegend maskuliner Zusammensetzung, sondern auffallend großer Frauenanteil. Anmutige Sache, denkt man gerade so, bis man gefragt wird „Für wen schreiben SIE denn?“. Der Fotograf kommentiert das sichtlich zufrieden mit „gig-blog in der Demografie-Falle“. Dann eben Revanchefoul meinerseits: Was in Gottes Namen ist der Grund unfassbar sperrige Taschen mit gefühltem Inhalt für eine Woche Urlaub auf ein Konzert mitzuschleppen, und damit den verbliebenen Restraum noch komplett zuzusperren?

20130503 dsc 3987 JUNIP, 03.05.2013, Karlstorbahnhof, Heidelberg

Foto: Michael Haussmann

Vorprogramm ist derweil James Mathé, aka Barbarossa. Solo auf der Bühne, begleitet von elektronischem Rhythmen und selber Synthies live spielend, bekommen wir eine halbe Stunde ruhigen, getragenen Electro-Pop zu hören. Sein Gesang erinnert mich etwas an The Ruby Suns, die Musik an eine Art melancholischen R’n’B-Pop. Das hat dann durchaus so seine atmosphärisch schönen Momente, aber auch Stellen, an denen man sich ertappt, dass man gerade darüber nachgedacht hat, was für eine schöne Rückhand Longline man vorher beim Tennis doch geschlagen hat. Vielleicht eine Spur zu ruhige Musik als Vorprogramm für so eine volle und recht große Venue. Das Terence Trent D’Arby -Cover von „Wishing Well“ ist dann aber sehr nett.

20130503 dsc 3856 JUNIP, 03.05.2013, Karlstorbahnhof, Heidelberg

Foto: Michael Haussmann

Jose Gonzalez’ Junip kommt, diesmal im Sextett, gegen 22 Uhr auf die Bühne. James Mathè ist auch dabei und wird rhythmisches, sowie schöne zweite Stimmen beitragen. Was gleich mal auffällt: das große Reh als Bühnenhintergrund und das schöne Licht. Unterstreicht sehr die Farbe von Junips Musik, die ja immer sehr warm und wohlig klingt. Schön auch die reichhaltige Instrumentierung, mit wabbernden Analogsynthies, Bongos etc.

Das erste Drittel ist dann auch sehr nett, aber irgendwie auch ein bisschen zu unspannend. Vor drei Jahren im Schocken hatten diese ruhigeren Momente im dortigen intimeren Ambiente besser funktioniert. Hat bestimmt aber auch was damit zu tun, das man ruhigere Musik entspannter genießen kann ohne Handtasche in der rechten Rippe, und Leuten, die einem ständig auf die Zehen steigen.

Geboten wird ein guter Mix aus Junips bisherigem Schaffen, wobei die zweite Hälfte dann, trotz manchmal übersteuernden Basses, sehr viel aufregender wird. „Rope & Summit“ ist so ein Beispiel, bei dem zu den üblichen Zutaten des Junipschen Sounds, noch eine krautrockige Komponente hinzukommt, die dem Stück schön Dynamik hinzufügt, und zu einem sehr tollen, gesteigerten Ende führt. Weiteres Beispiel: „Far Away“ mit seinem „Neu!“ inspiriertem, treibendem Rhythmus. Großartig!

20130503 dsc 3853 JUNIP, 03.05.2013, Karlstorbahnhof, Heidelberg

Foto: Michael Haussmann

Der Höreindruck des neuen Albums bestätigt sich übrigens auch live. Ein Bruch zum bisherigen Stil stellen die neuen Stücke nicht dar, fügen sich eher nahtlos und harmonisch in das bisherige Gesamtwerk ein. Aber richtig rausragen tut so im ersten Moment auch keines.

Höhepunkt des Abends für mich ist dann „Tide“, das sich zu einem finalen Crescendo steigert, bei dem einem das ein und andere Mal eine Gänsehaut überzieht. Das ist dann so ein Moment, in dem diese Mischung aus gezupfter, folkiger Gitarre, Joses charakteristischer Stimme, und reichhaltiger Instrumentierung eine perfekte Liaison mit Dynamik und Rhythmik eingehen. „Tide“ eben, wie eine Flut, die alles mitnimmt, so ist dann auch die Musik. Alleine für diese Minuten hat sich die Anfahrt schon gelohnt. Eine Zugabe gibt es auch noch, aber nach „Tide“ braucht man eh nix mehr. Wir können zufrieden im Mai-Monsun nach Stuttgart zurückfahren.

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QUESTIONS & ANSWERS – der gig-blog-Fragenkatalog: Folge 69 mit FOREIGN BEGGARS http://www.gig-blog.net/2013/05/03/questions-answers-der-gig-blog-fragenkatalog-folge-69-mit-foreign-beggars/ http://www.gig-blog.net/2013/05/03/questions-answers-der-gig-blog-fragenkatalog-folge-69-mit-foreign-beggars/#comments Fri, 03 May 2013 05:56:21 +0000 gig-blog http://www.gig-blog.net/?p=20362 Foreign Beggars Presse QUESTIONS & ANSWERS – der gig blog Fragenkatalog: Folge 69 mit FOREIGN BEGGARS

Foto: Promo

Wer seine Mutter als schönste Frau im Showbusiness nennt, kann kein schlechter Mensch sein. Sie kommen aus England und machen eine gute Mischung aus HipHop und Dubstep. Am 7.Mai. treten die Foreign Beggars im Rocker auf.Wir verlosen 2×2 Karten. Email mit Namen an info@gig-blog.net.

1. What was the most wonderful gig you ever played?
Most ‘wonderful’ would have to go to Karlsoy festival, in the north of Norway, its in the Arctic circle and the sun doesn’t go down at the time of year they have it..
Its a  very unique place, and very peaceful, except for the 1 hour when we make a racket..

2. Where would you absolutely love to play?
Festival – Coachella, also would love to play in South Africa, we’ve never been there.
Also Burning Man.

3. Please describe your worst studio experience.
I went to DJ Vadim’s studio once, around 2006 and he offered me some Russian Vodka. I went to get a glass from the washing up and accidentally knocked a beautiful teapot on the floor. He just said “That was a wedding present”. I wanted to disappear!

4. What would your music sound like if Elvis had never existed?
Would rap music have panned out differently if Elvis hadn’t existed? Pav’s hairstyle would probably be less acceptable.

5. The title of the book that touched you most is…
Walk to Freedom by Nelson Mandela – it epitomises what conviction and hard struggle can achieve in extreme circumstances.

‘The Colour Purple’ and ‘Possessing The Secret Of Joy’, both by Alice Walker. The Colour Purple is probably the one book i feel i’ve truly disected and understood and the stories of the characters there really showed the struggle of black americans emerging from the horrible times of slavery.

Also its sequel ‘Possessing The Secret Of Joy’, which focussed on the issue of Female Genital Mutilation, a subject i know a lot about because my mother did a lot of work to bring this kind of human rights abuse out of the realm of ‘taboo’ in the West. Alice is a great, great writer. And humanitarian.

6. Which ringtone do you use?
Crazy Frog for the Alarm, Margaret Thatcher memorial speech for the ringtone, Sasha Grey whispering for the text alert.

7. The most beautiful love song ever is called…
Anything by Al Green or Bill Withers..

I dont do love songs, only break ups.

8. Which song (except your own songs) do you know by heart?
Everything Rihanna has ever written, and about 1/3 of MF Dooms bars

Not sure i even fully know our own by heart, let alone anybody else’s. Possibly Ghetto “The Mountain”.

9. Boxer shorts or briefs?
Boxer briefs, they provide support yet let you breathe..

Both. Sometimes i feel breezy, sometimes i want ‘support’.

10. Which Beatles song deserves a decent cover (by you)?
I wanna hold (the palm of ) your hand.

11. Which TV show is essential?
Game of Thrones.. the others have started watching series 3, but I gotta wait til its all done so I can rinse the whole series in 2 days. This series is gonna be extra good cause our friend, rapper and actor  Ed Skrein, who appears on Mind Out on Asylum Speakers), is in it.

12. Please tell us your favourite joke.
Charlie Sheen.

13. Describe the perfect stage outfit.
At the moment I’m into patterns and digital prints a lot. Something that looks stylish but also very ‘showman’.

14. Your favourite candy?
Don’t really eat many sweets anymore, more like cakes and cookies (Bens Cookies is the SHIT) and every country we go to I gotta try the Chocolate milk – I  think Switzerland is the best.

White chocolate Lion Bar has been an addiction in recent months.

15. What would you be today if you had not become a pop star?
Pop star ahahah.. urm, scientist or drug dealer..

I don’t consider myself a pop star so a rapper/producer, of which i am both.

16. In which band would you like to play (except your own)?
Wanted

Hanson or S Club 7

17. What’s your favourite instrument?
Keyboard – Analog synth. Or Drums. Or Drum Machines.

18. The greatest musical genius (dead or alive)?
Prince, Quincy Jones, D’ Angelo, Kendrick Lamar, Thom Yorke, Nina Simone, Michael Jackson, James Brown, Justin Bieber.

19. The most beautiful woman in show business?
My Mum, (she makes my sandwiches so strictly speaking is ‘in’ show business)

Nonames’s Mum. What, bruv. She is buff…

20. How would you spend an unexpected gift of 1000 Euro (you’re not allowed to invest in alcohol, cigarettes, drugs, holidays or prostitution)
No hookers, jeez.. give it to charity- we work with YouthNet who are an umbrella charity for a bunch of young peoples charities and do a lot of good things for underprivileged kids in the UK.

Buy some $wag or a Drawmer 1968 Mercenary Edition Compressor. Or a Rhodes Chroma Polaris. Or take it to Vegas – All on red.

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