CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Im nachhinein muss ich mich schon fragen: Wie kann es sein, dass ich eine Künstlerin wie Candice Gordon, die angeblich bereits zum siebten Mal in Stuttgart spielt, nicht früher wahrgenommen habe? Ok, auch der umtriebigste Konzertgänger kann nicht alles kennen, aber wenn nur einer der Konzertkumpels bei einem der vorigen Gigs war, hätte er doch davon erzählen müssen. Oder waren die nicht so beeindruckend wie der heutige im Merlin?

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Die Bedingungen sind jedenfalls ausgezeichnet. Ein kleines Feierabendbier im frühsommerlichen Biergarten bereitet auf das Wochenende vor. Und als wir gegen neun den Saal betreten, steht – als unangekündigter Support – ein schlaksiger Sänger mit Gitarre auf der Bühne. Erst durch nachträgliches Googeln finde ich heraus, dass es sich hier um den irischen Songwriter A.S. Fanning handelt. Und der schafft es, binnen weniger Minuten das plaudernde Publikum durch seinen Auftritt zu fesseln und zu aufmerksamen Zuhörern zu machen. Mit seiner markanten Baritonstimme croont er sich durch wunderbar melancholische Songs. Und der Titeltrack seines Albums „Carmelita“ ist ein veritabler Hit. Mit seinem irischen Akzent und dem delikaten Gitarrenspiel ist er eine echte Entdeckung.

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Wenige Minuten später steht er wieder auf der Bühne, diesmal am Bass von Candice Gordons Band. Im klassischen Dreier-Setup aus Gitarre, Bass und Schlagzeug treten sie auf, kurioserweise haben sie sich im maximalen Abstand an den äußersten Enden der Bühne postiert. Sympathisch bescheiden, aber auch etwas seltsam, da Candice Gordon eine wahrhaft beeindruckende Frontfrau ist, die die Bühnenmitte verdient hätte. Mit wem ist sie nicht alles verglichen worden? Patti Smith, PJ Harvey, Siouxsie Sioux, Anna Calvi… Und schon die ersten Songs beweisen: Das ist tatsächlich nicht zu hoch gegriffen. Mit finsteren Blicken und einer gewaltigen Stimme wirft sie sich in ihre Songs. Des finstere Opener „Hive Mind“ bestimmt die Stimmung des Sets. Repetitive Gitarrenläufe, eruptiver Gesang, dystopische Textzeilen.

We are the machine, not the operator!

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Den größten Teil ihres Programms bestreitet sie aus ihrem aktuellen Album „Garden of the Beast“, das sehr vielfältig zwischen Dark-Folk, Postpunk und poppigeren Tracks wie „I Belong to the Night“ changiert. Große Geste wechselt mit zornigen Ausbrüchen, da wird gewispert, geschmettert, gekiekst und geschrien. Stimmlich ist Candice Gordon absolut mitreißend.

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Der Spannungsbogen ist geschickt aufgebaut, das Tempo zieht an und bei ihrer aktuellen, punkigen Single „The Kids Are Alt-Right“ kommt auch Bewegung ins Publikum. Die Stimmung auf und vor der Bühne ist bestens, Gordons Beteuerung, dass es ihr in Stuttgart besonders gut gefalle, ist glaubhaft. Der Abend endet mit ausgiebigem Geplauder am Merchstand, wo die Band nicht nur ihre gute Beziehung zum lokalen Publikum vertieft, sondern auch so ungewöhnliche Produkte wie das zum gleichnamigen Song komponierte Parfum „In Golden Dreams“ anbietet. Solchermaßen beduftet freuen uns wir uns schonmal auf den achten Besuch in Stuttgart.

CANDICE GORDON, A.S. FANNING, 20.04.2018, Merlin, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Setlist

Hive Mind (Automaton)
The Sound Of Horns
Nobody
Fairytale Of Love & Betrayal
I Belong To The Night
Freedom, A Beautiful Illusion
The Child
In Golden Dreams
The Laws Of Nature
Smoking Like The Barrel Of A Gun
The Kids Are Alt-Right
Cannibal Love
The Great Divide
Destiny

Candice Gordon

A.S. Fanning

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