SEPULTURA, 09.03.2018, LKA, Stuttgart

SEPULTURA, 09.03.2018, LKA, Stuttgart

Foto: Alexander Ritz

SEPULTURA vs. Cavalera-Brüder (aka „Return To Roots„) – wer wird die bessere Show liefern?
Das war eigentlich mein Antrieb diese Show anzuschauen. Im November 50% der alten SEPULTURA (SEP) auf der Bühne, früh im neuen Jahr die anderen 50%, die Erinnerungen noch kaum verblasst, wo hat der Frosch die Locken? Nach der Trennung von Max Cavalera (Frontmann, Sänger), habe ich keine Sep-Show mehr gesehen. Obwohl ich oft genug die Möglichkeit gehabt hätte, in der Röhre, sogar im Uni glaube ich, oder in Reutlingen. Von Vorurteilen eingenommen, dass das unmöglich gut sein kann, selbst als Iggor Cavalera noch am Schlagzeug dabei war, wollte ich es mir ersparen, meine frühere Metall-Band #1 in einem traurigen Zustand in immer kleineren Klubs zu sehen. Dazu kommt, dass ich nicht viel Positives über die Shows mit dem Max-Cavalera-Nachfolger gehört hatte. Mit sehr niedrig gehängten Erwartungen also ins LKA, das ich für viel zu groß einschätze, für eine abgespeckte Sep-Version. ALLES FALSCH!

Sepultura

Foto: Alexander Ritz

Ich komme erst kurz vor dem Auftritt im LKA an, und stelle fest, dass richtig was los ist. Kann ja passieren an einem Freitag, selbst in Stuttgart. Es geht aber gleich weiter so – mit dem ersten Batsch auf der Bühne bekommen mein Kumpel und ich im vorderen Drittel eine Bierdusche ab, die den Namen verdient hat, sofort zünden die Metall-Mechanismen, es wird gehüpft und geschoben und umgefallen und wieder auf die Beine gestellt, mir fliegt das Smartie-Fon davon, und das in der ersten Minute, und ich kenne das schnelle Lied mit HC-Beat, das diese mir fremd gewordene Band spielt nicht mal.
Problemlos erkenne ich Gitarrist Andreas Kisser, den ich als Teenager schon verdammt cool fand. Hat sich kaum verändert. Im Nebenerwerb L’Oreal-Model könnte ich mir vorstellen. Die anderen 25% ursprüngliche Sep, Bassist Paulo Jr. hätte ich ohne den Zusammenhang ganz sicher nicht erkannt, kürzere Haare, grau und bärtig, optisch stark verändert. Den „neuen“ Sänger, der auf dieser Tour Zwanzigjähriges mit Sep feiert, kenne ich von Bildern nur mit langen Dreads. Derzeit trägt Derrick Green einen geschorenen Schädel – auch ihn hätte ich also nicht mit Sep in Verbindung gebracht, da ich mich wie gesagt für diese Band in den letzten 20 Jahren nicht mehr interessiert habe. Auch hier: FEHLER! Was ich noch mitbekommen habe, ist dass sie wie alles Bands im Bereich Heavy Metal, die einen Saal egal in welchem Land füllen können, bei Nuclear Blast veröffentlichen. Part brasilianisch, Part schwäbisch, wie der Verfasser dieses Textes.

Sepultura

Foto: Alexander Ritz

Die ersten drei Stücke, die ich als neueres Material identifiziere, einfach deshalb, weil ich das Alte in-und-auswendig kenne, werden schon mit einer Intensität gespielt, dass ich nur staunen kann. Was ist hier los, wenn die alten Hits kommen? Werden wir alle verbrennen? Von links nach rechts Paulo, Derrick und Andreas, alle eine dermaßen Präsenz, fast gleichberechtigt würde ich sagen, mit leichtem Vorsprung Andreas Kisser, Heavy-Metal-Star, keine Frage.

Dann wird es ernst. Am Schlagzeug-Intro schnell erkannt – „Territory“ (hier wieder die Setlist). Geht das? Gehört dieser Mega-Hit nicht Max Cavalera? Derrick Green klingt zumindest auf Platte gar nicht so arg unterschiedlich wie Max Cavalera, das habe ich vor der Show noch festgestellt. Bisschen in neues Material reingehört, mit Streicher-Parts und Synthies, muss man nach 30 Jahren sicher auch mal machen. Niemals wäre die Darbietung von „Territory“ mit den Cavaleras besser gewesen, haut mich echt um wie gut das klingt, selbst dieses Lead, das ich für gar nicht so einfach halte, klingt glasklar, Andreas Kisser, der Beste Mann in seiner KREATOR-Oberbekleidung. Luft brennt natürlich nach diesem Hammer! Nächstes Stück für die noch älteren Fans „Desparate Cry“ von „Arise“ meiner früheren Lieblings-Platte, nicht das liebste Stück, Tempo runter, aber trotzdem, freut mich. Die folgenden Stücke aus der neueren Ära, live zumindest treten diese kaum in den Hintergrund, wobei natürlich „Inner Self“ noch besser ankommt. Mir kommt es vor, als würde das LKA schwanken, ganz großer Sep-Hit, wenn auch auf Platte etwas dünn und der Text auch eher schlicht, ich glaube die Seps konnten damals (1989) noch nicht mal halbwegs Englisch, alles egal, jetzt hier live ein weiteres Highlight. Ich kann nur wieder diesen Kisser erwähnen, echt super. Obwohl nur ein Gitarrist auf der Bühne fehlt es an nichts. Vielleicht kann ein guter Basser das ausgleichen.

Das letzte Drittel nur alte Hits, „Arise“, und „Roots“ für mich herausragend. „Sepultura-Sepultura“-Rufe bis nach Hinten, Zugabe nach einer Minute, und die Ansage, dass dies die beste Show der bisherigen Tour ist, was man wirklich 100%ig glauben kann. Jetzt was ist da passiert? Einfach nur Glück gehabt? Alles gegeben beim Heimspiel nah an Nuclear-Blast? Sonst eher mau? Ich weiß es nicht, es hat alles gestimmt, Magic Moments, ich kann es möglichen Zweiflern nur empfehlen, den „neuen“ Sep mindestens live eine Chance zu geben. In dieser Form kommen sie ziemlich sicher wieder.

Sepultura

Foto: Alexander Ritz

Sepultura

Obscura

Goatwhore

Ein Gedanke zu „SEPULTURA, 09.03.2018, LKA, Stuttgart

  • 11. März 2018 um 22:41
    Permalink

    Cheers,
    ich habe Sepultura nur mit Derrick gesehen, 4 oder 5 mal. Geschuldet meinem Alter. Aber so gut wie am Freitag war das schon lang nicht mehr. Und im Vergleich zu Cannibal Corpse, fand ich, haben Sepultura die ungewohnt große Bühne (abgesehen von Festivals) komplett ausgefüllt und an allen Ecken Alarm gemacht.
    Schade, dass du Goatwhore verpasst hast? Die waren auch super und hätten meiner Meinung nach vor Sepultura spielen sollen und nicht Obscura, die etwas fehl am Platz gewirkt haben zwischen diesen beiden Bands.
    Alles in Allem, top Abend.

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