BLACK CAPRICORN, KRÖWNN, 23.02.2018, Keller Klub, Stuttgart

Black Capricorn, Keller Klub, Stuttgart, 23.02.2018

Foto: Michael Weiß

Italienische Sause zu Beginn des Wochenendes. Und was gehört zu einer richtigen Bilderbuch-Klischee-Amore-Amore-un-Asti-Cinzano-Spumante-per-favore-Italoparty alles dazu? Genau! Zwei italienische Doom-Metal Bands mit schwarzen Ziegenbockköpfen auf dem Plattencover, tiefergestimmten Gitarren und unheilverheißenden Umlauten im Bandnamen. So waren sie halt schon immer diese Abende für die italienischen Momente im Leben. Warum sollte das heute Abend auch anders sein?

Die letzten 7 Tage waren ja so Weltkarma-mäßig mit #Denizfree und viel Julian-Reichelt-#miomiogate überdurchschnittlich positiv, da bringt man die innere Ruhe und Geduld für sehr wenige Beats per Minutes mit, und man hat sich so ein gemütliches in das Wochenende reindoomen auch verdient.

KRÖWNN, Keller Klub, Stuttgart, 23.02.2018

Foto: Michael Weiß

Recht pünktlich um kurz nach 20:30 kommen die zwei schwarzen Damen und der eine schwarze Herr von Kröwnn aus Venedig auf die Bühne. Ein Trio also wie mehrmaliges Nachzählen ergibt. “Traditional Doom” kommentieren sie am Merchstand ihre eigene Musik, und das trifft es doch sehr genau. Relativ überraschungsfrei, aber mit sehr hoher Intensität walzt sich ihre Musik durch das Set. Im Verlauf des ersten, noch rein instrumentalen Songs wird mal wieder klar, Doom ist nicht nur ein Genre, sondern auch ein Zustand, in den man bestenfalls unmerklich reingewummert wird.

Irgendwann nickt der Kopf also sehr langsam, und der düstere Gesamtsound umgibt einem wie eine schützende, wohlig-vibrierende Decke. So vibrierend, dass zweimal während des Sets Getränke vom Tresen runterwandern und auf den Boden krachen. Blickfang der Band ist Bassistin Silvia, die sehr ernst in ihrer Musik aufzugehen scheint. Venedig ist eben nicht wie viele denken nur unbezahlbarer Espresso auf dem Markusplatz, James Bond, der im Motorboot Gondeln umfährt oder Rondo Veneziano, sondern auch morbider Karneval, Klaus Kinski und fiese, kleine, alte Frauen mit Hackmesser.

KRÖWNN, Keller Klub, Stuttgart, 23.02.2018

Foto: Michael Weiß

Was mir ein wenig fehlt auf Dauer ist, nerdy nerdy, ein besseres Schlagzeugspiel. Gerade bei diesem Genre, lassen die vielen Räume in der Musik Platz für potenziell sehr spannende Drummerei. Ein weiteres kleines Fragezeichen hinterlassen manche schnelleren Parts. Klingen die mit Absicht so noisy, oder ist es doch ein wenig mangelnde Tightness? Sei es wie es sei, fühl mich gut unterhalten.

Als gegen 21:45 Uhr Black Capricorn beginnen, ist der Kellerclub mit mIttlerweile 50 bis 60 Leuten recht okay gefüllt. Ungewöhnlich, genau wie bei Kröwnn bedienen die Frauen der Band Schlagzeug und Bass. Scheint ja fast schon italienische Doom-Tradition zu sein. Im Unterschied zur Vorband haben die Sarden aber noch einen zweiten Gitarristen an Bord, wenn anscheinend aber nur für Liveauftritte. Analog zu Kröwnn wird mit einem ausgedehnten Instrumentalstück begonnen. Im Doom hat man Zeit. Manche gehen zum Yoga, ich gehe zum Doom. Aber es scheint schon durch, dass mir die Sarden noch besser gefallen werden als Kröwnn. Einen Ticken zwingender, tighter, abwechslungsreicher, irgendwie besser, ohne es genau sagen zu können an was das liegen könnte.

Beim zweiten Stück wird es schon klarer. Der zweistimmige Gesang gibt der Musik etwas rituelles. Nicht umsonst ziert ein Bockkopf im Pentagram das Bandlogo, und die facebookseite heißt www.facebook.com/pg/BlackCapricorn666. Mehr Atmosphäre also, bisschen satanisch-okkulte Vibes, und insgesamt etwas besser klingende Ideen bei ähnlicher Intensität. Die oft mit geschlossenen Augen trommelnde, und dabei einer düsteren Madonna (also nicht die Popikone, sondern die Mami von Jesus) gleichende Rachela, unterstreicht auch visuell den Sound sehr schön. Leadsinger Fabrizios Stimme gefällt mir richtig gut, und die zweite Gitarre stopft Löcher bei Gitarrensoli.

Faszinierend noch: orignal drei knutschende Bussipärchen nutzen die düstere Beschallung als romantic feature. Bekanntermaßen Top 3 Orte für Knutschiknutschi: Sonnenuntergang auf dem Strand, vorm Eifelturm, beim Doomkonzert.

Die knappe Stunde Auftritt von BC vergeht somit recht kurzweilig, auch wenn es nicht an mein all-time-high Doomkonzert von Sleep letzten Jahres beim Primavera rankommt, aber das war eh nicht von dieser Welt. Die Sarden haben’s aber definitiv drauf, und haben sich damit ihre Zugabe auch allemal verdient.

Black Capricorn

KRÖWNN

Ein Gedanke zu „BLACK CAPRICORN, KRÖWNN, 23.02.2018, Keller Klub, Stuttgart

  • 26. Februar 2018 um 22:55
    Permalink

    Was haben Sie mir gefehlt, die Rezensionen vom Kollegen Lino. „Ins Wochenende reindoomen“, „Knutschiknutschi“. Worte für die Ewigkeit. Mille grazie.

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