WEDNESDAY 13, 09.11.2017, Das Cann, Stuttgart

WEDNESDAY 13, 09.11.2017, Das Cann, Stuttgart

Foto: Sue Real

Fuck! Schon wieder habe ich Alex verspochen, mit ihm auf ein Wednesday 13-Konzert zu gehen, damit er fotografieren kann. Aber warum sollte ich mir einen Text aus den Fingern ziehen? Niemand könnte es besser wissen, als Alex selbst!

Claus: Das ist heute Dein 46. Konzert mit Wednesday 13. Bis zu Deinem 30. Geburtstag nächste Woche wirst Du es aber nur auf 49 schaffen. Schämst Du Dich nicht, ein so schlechter Fan zu sein?

Alex: Ja, es ist tatsächlich etwas schade, dass der Abschluss dieser Tour nicht an meinem Geburtstag mit dem 50. Konzert endet, dafür hätten wir vor zwei Wochen den Auftakt in Amsterdam mitmachen müssen. Es fiel dann aber die Entscheidung, das nächstes Jahr in London das große Jubiläum stattfinden soll.

Unter seinem eigenen Namen hat Wednesday 13 immer eher Schock Rock gemacht, während die Murderdolls seine harte Band waren. Jetzt klingt Wednesday 13 selbst sehr nach Metal. Wie siehtst Du diese Veränderung?

Das erste Album der Murderdolls “Beyond the Valley of the Murderdolls“ war noch eine ziemlich rotzige, punkige Angelegenheit, da die meisten Songs dieser Platte Neuaufnahmen von Wednesdays damaliger Punk-Band „ Frankenstein Drag Queens From Planet 13“ waren. Gefühlt mit dem zweiten Album „Women and Children last“ wurde auch der Sound von Wednesdays Soloprojekt härter und findet nun mit der aktuellen Platte „Condolences“ in einem ziemlich soliden Metal-Album.

Ich glaube, es würde erst beginnen mich zu stören, wenn auch der Gesangsstil eine Wandlung durchschreiten würde, da dieser ja das Aushängeschild ist und für den unverwechselbaren Sound sorgt.

Neben diesen beiden Bands unterhält Wednesday 13 noch das Country-Projekt Bourbon Crows sowie Gunfire 76. Welche der Bands magst Du am liebsten?

Leider haben es Bourbon Crow noch nicht nach Deutschland geschafft, jedoch hatte ich die Gelegenheit, bei Wednesdays Akkustik-Show in Manchester dabei zu sein. Wie er seine Stücke dort gespielt hat, war ja nicht sehr weit entfernt von den Sachen, die er mit Bourbon Crow macht. Das war ein sehr gemütlicher Abend in einer gemütlichen Runde – fernab von der durchgestylten Rockshow, die es auf Tour zu sehen gibt.

Gunfire 76 halte ich bis heute für ein Projekt, dass nur zu Stande kam, weil Wednesday nicht wusste, wie es weitergeht mit der Musik. Es hielt auch nur für ein paar Konzerte in England und dann gab es die Reunion von den Murderdolls.

WEDNESDAY 13, 09.11.2017, Das Cann, Stuttgart

Foto: Sue Real

Du bist ja total versessen auf diesen Musiker. Was macht ihn für Dich aus?

Ich war schon immer ein großer Fan von Alice Cooper und mochte die Vermischung von Musik und den Horror-Figuren, welche man aus den Filmen kennt, die einem die Eltern früher verboten haben. Doch mir war Alice immer ein bisschen zu seicht – ist halt Classic Rock. Und Wednesday hat die Verarbeitung und Einbindung all der Horror-Ikonen noch mal auf ein anderes Level gehoben. Natürlich ist Alice Cooper einer der größten Einflüsse, die auf die Musik von Wednesday 13 einwirken, aber dennoch finde ich, dass er den Altmeister mittlerweile in den Schatten stellt.

Du hast ja sehr viel Erfahrung: Wann und wo hast Du die beste Wednesday 13-Show gesehen und was hat sie ausgezeichnet?

Die beste Show für mich war 2008 in München in einem kleinen Club, der sich 59:1 nannte. Das war mein zweites Konzert von Wednesday und sollte auf einer ganz kleinen, niedrigen Bühne stattfinden. Es war so unglaublich eng und stickig. Als die Band auf die Bühne kam, gab es in der Menge kein Halten mehr, und Moshpits starteten an allen Ecken. Die Band war schon eine gewisse Zeit auf Tour, und durch die unmittelbare Nähe auf dieser kleinen Bühne, hat man das auch gleich olfaktorisch wahrgenommen. Es waren die ganzen Hits dabei, aus einer Mischung von Murderdolls, Dragqueens und den beiden Soloplatten, die er bis dahin veröffentlich hatte. So ein Konzert hat es anschließend tatsächlich nicht mehr geben.

Auch olfaktorisch … brrr … Aber wenn Du meinst … Sofern man den Luxus genießt, mehrere Konzerte einer Band nacheinander zu sehen, merkt man ja, dass jedes Konzert anders ist, auch wenn sie jedes Mal dieselben Songs in derselben Reihenfolge spielen. Was ist Dir auf fünf Wednesday 13-Konzerten, welche Du letzte Woche gesehen hast, aufgefallen?

Das erste, was mir auffiel, ist die Tatsache, dass immer alle Songs gespielt wurden. Sonst setzt ja nach einer gewissen Zeit der Verfall ein und man lässt mal den einen oder anderen Song weg, weil die Lust nicht mehr so da ist. Ansonsten liegt mein Fokus immer wieder auf einem anderen Musiker aus der Band und ich betrachte ihn und sein Tun intensiver. Es ist auf dieser Tour alles viel professioneller gehalten, vom Ablauf der Show bis hin zum durchgehend guten Sound.

Was mir immer wieder ins Auge sticht, ist, dass Gitarrist Roman Surman nicht mehr so leicht und locker auf der Bühne wirkt, weil er sich fast schon verbissen auf seine Solos konzentriert und dann immer mal wieder vor sich hin flucht, wenn etwas schief geht. Man könnte sagen, wir haben seine Entwicklung über die Jahre vom Bühnen-Clown zum professionellen Musiker und versierten Gitarristen miterlebt.

WEDNESDAY 13, 09.11.2017, Das Cann, Stuttgart

Foto: Sue Real

Was ist heute Abend das Besondere an dem Konzert gewesen?

Erstmal haben wir vor dem Konzert Gitarrist Jack versorgt mit Säften und Tees, weil er sich gerade erkältungsbedingt eher von Konzert zu Konzert schleift. Dann waren die Bedingungen für die Band anders, als in den Clubs zuvor, wie ebenfalls Jack nach der Show berichtete. So hatten die freiwilligen Helfer im Club Cann den Soundcheck gemacht – und dieser ging wohl so lange und im letzten Endes schief, dass einer der Jungs vom Support „Diablo Blvd“ den Soundcheck nochmal machte.

Das schien sehr ärgerlich gewesen zu sein, weil sich auch Leute vom Nuclear Blast angemeldet hatten, da möchte sich Wednesday 13 natürlich von seiner besten Seite zeigen, wenn man gerade frisch gesigned wurde. Zum anderen hat endlich das Solo von Roman beim Song „Condolences“ geklappt.

Viele Musiker stehen beim Konzert mit dem Rücken zum Publikum – aber Wednesday dürfte der einzige sein, der sich einen Abguss seines eigenen Gesichtes auf den Hinterkopf bindet, damit es nicht so auffällt. Ist das nicht ein bisschen peinlich?

Ich fand das schon vom ersten Moment an, als ich es auf Konzertbildern aus Amerika gesehen habe eine total coole Idee. Er trägt diese Maske ja während des Songs „Ghost of Vincent Price“ und durch diese wirren und unnatürlichen Bewegungen die dadurch entstehen mit dem Gesicht am Hinterkopf ist das sehr unterstützend für diese Hommage an einen seltsamen aber grandiosen Schauspieler. Wenn das irgendwann wieder in Vergessenheit gerät, werden wir das für unsere eigenen Shows [bei Pest Empire – CRK] klauen.

Neuerdings wechselt Wednesday 13 mehrmals während der Show sein Kostüm. Was hat sich bei der Band über die Jahre im Allgemeinen optisch verändert?

Optisch war die Band früher sehr nahe beim Punk. Verrissene Band-Shirts, Patches, bunte Haare, Nieten hier und da. Das hat sich sehr geändert. Es wurde im Laufe der Zeit Alles düsterer und vor allem Wednesday legt mittlerweile sehr großen Wert auf die Wirkung seiner Bühnen-Outfits, bei jedem einzelnen Song. Selbst wenn mal nur ein Zylinder für den nächsten Song dabei ist oder die Maske aus dem vorangegangen Song mit Schwarzlicht bestrahlt wird, um eine andere Atmosphäre zu erzeugen.

Das ist für den Fan vor der Bühne auf der einen Seite natürlich etwas cooles, da auch optisch immer wieder für Abwechslung gesorgt wird, auf der anderen Seite nimmt es auch immer ein bisschen den Fluss, weil zwischen den Songs dann meist Samples abgespielt werden, um das Umziehen zu überbrücken.

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Foto: Sue Real

Musikalisch war die Band schon immer sehr professionell, nun wirkt auch der Performanz-Aspekt der Shows durchgestylter. Wie bewertest Du das?

Als Fotograf finde ich es natürlich super, dass sie jetzt ihre eigenen Moving-Heads und damit ihre eigene Lichtshow dabei haben, die vom Tourmanager „Black Manager“ gesteuert werden. Ja, auch er muss dazulernen und sein Aufgabenfeld hat sich erweitert. Aber das ist finde ich auch wieder eine super Arbeit für den Fan, weil es in kleineren Clubs ja oft nicht so prickelnd ist, was Sound oder Licht angeht.

Ich spiele ja selbst auch in einer Band [nämlich erwähntem Pest Empire – CRK], und da überlegt man sich natürlich, was wann bei der Performance passieren könnte, wer wann wo steht. Ein wenig Durchstrukturierung finde ich prinzipiell immer toll. Ich mag es nicht, wenn Bands auf der Bühne stehen und sie neben dem Halten und Spielen ihrer Instrumente nicht wissen, was sie tun sollen. Man geht ja unter anderem auch auf ein Konzert, um visuell unterhalten zu werden …

… solange sie keine Tanzchoreografien vorführen wie im Pop. Diese Professionalisierung also geschieht zeitgleich mit dem Wechsel von Wednesday 13 zu Nuclear Blast und einem Wechsel im Sound. Das hat man auch bei Bands wie Witchcraft schon beobachten können. Tut Nuclear Blast diesen Bands eher gut oder eher schlecht?

Darauf, was dieser Wechsel bei Wednesday nach sich ziehen wird, bin ich sehr gespannt. Das aktuelle Album „Condolences“ entstand ja noch vor dem Wechsel und war praktisch die Bewerbung, mit der es klappte, den Deal an Land zu ziehen.

Man hört und sieht ja immer wieder, dass bei einem Label wie Nuclear Blast die Veröffentlichungen oft sehr gleich klingen und ich hoffe natürlich, dass man sich da nicht in zukünftige Produktionen reinquatschen lässt. Ich habe aber erfahren, dass zumindest bis jetzt die Unterschrift noch keine markanten Vorteile für die Band gebracht hat. Dennoch ist die Promo besser: Früher hat hier eben niemand Plakate für Wednesday aufgehängt.

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Foto: Sue Real

Wenn wir gerade von Optik reden: Auf Deiner Brust hast Du ein Tattoo von Joey Jordison, dem Gitarristen der Murderdolls und Schlagzeuger von Slipknot. Hast Du da nicht den falschen Musiker gewählt?

Nein. Joey Jordison hat mir als 11-Jähriger den Auslöser geliefert, fortan das Schlagzeug zu verprügeln und Metal zu hören. Es war wirklich ein toller Moment, als ich ihn 2010 getroffen habe und er als erstes zu mir meinte, ich sehe aus wie ein Drummer. Außerdem hat Wednesday ja auch schon den Weg unter meine Haut gefunden in Form einer Comic Version der Frankenstein Drag Queens.

Warum ist Wednesday 13 die einzige Metal-Band, die in Stuttgart mehr Frauen im Publikum hat als Männer?

Wahrscheinlich, weil sie neben der grandiosen Musik auch noch ganz passabel aussehen. Es ist ja nicht ganz einfach, Make-up zu tragen und dennoch männlich zu wirken. Ich denke, das bekommen sie ganz gut hin.

Warum muss ich da gleich wieder an das denken, was Du über den Geruch der Band gesagt hat? Na ja, weiter im Text: Sind nicht die old school-Songs wie “I Walked With a Zombie”, “I Love to Say Fuck” und “Bad Things”, die alle in der Zugabe gespielt werden, die eigentliche Stärke von Wednesday 13? Weinst Du da nicht den alten Zeiten nach?

Wir alle warten doch bei Konzerten unserer Lieblingsbands auf die Songs, die uns zu dieser Band gebracht haben. Aber wir hören diese Songs dann 1-2 oder eben 50 mal und der Musiker muss ihn 200-300 mal im Jahr spielen. Der Wandel wird eben oft nicht akzeptiert. Wie kann ein Musiker plötzlich etwas anderes machen, als das, was ich von ihm hören will? Und die Setlist von diesem Jahr beinhaltet wirklich viele Klassiker, bei denen man merkt, dass auch die Band Lust hat, diese noch zu spielen.

Und wer hat den definitiv coolsten Regenschirm im ganzen Business?

Joseph Poole, 12. August 1976, Landis, North Carolina. Born and raised.

Lieber Alex, danke für dieses Gespräch. Ich muss schon eingestehen, dass es sich wieder gelohnt hat, zu Wednesday 13 zu gehen – schließlich gilt ja für uns alle: I love to say Fuck!

WEDNESDAY 13, 09.11.2017, Das Cann, Stuttgart

Foto: Sue Real

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