ROMANO, 04.11.2017, Im Wizemann, Stuttgart

Romano

Foto: Steffen Schmid

Copy, copy
Copy-, Copy-, Copyshop
Die Kopie von der Kopie von der Kopie von der Kopie

Heute Abend steht das Original auf der Bühne: Romano, der Tausendsassarapper aus Köpenick. Etwa 400 sehr gut gelaunte Leute im kleinen Wizemann-Saal wollen den Blondbezopften sehen – und werden ansagefrei mit dem Titelstück seines kürzlich erschienenen Albums „Copyshop“ begrüßt. Die Stimmung ist sofort im oberen Drittel, dort bleibt sie auch weitestgehend. Sie wird allerdings auch kaum darüber hinaus gehen.

Romano

Foto: Steffen Schmid

Tausendsassa deshalb, weil Roman Geike a. k. a. Romano in seinem musikschaffenden Leben zwischen Drum and Bass, Elektro, Techno, Schlager und Rap oszilliert und dabei seine Liebe zum Metall bekennt – siehe „Metalkutte“, sein Rap-Durchbruch 2015, eine Hommage an eben dieses Kleidungsstück, in welches die Metaller all ihre Hingabe aufnähen. „Metalkutte“ ist schon ein verstörend lustiges Stück HipHop, eingängig und inhaltlich verschränkt zu gleich. Die Feuilletons stürzten sich damals auf ihn. Romano mit seinem oben genannten Musik-Portfolio, gleichzeitig bodenständig aus Köpenick (und nicht aus Friedrichshain, aber eigentlich zugezogen aus … Ostwestfalen-Lippe z. B.) gibt so viel Futter zum Schwadronieren über  postsozialistische Crossover-Gegenwartskultur in ZEIT und WELT, ein Geschenk für jeden Journalisten. Dieser Inszenierung fürs Intellekt stellt Romano hochwertig produzierte und visuell großartige Videos zur Seite, allem voran „Copyshop“.  Das ist eher eine Kurzgeschichte, in HongKong gedreht, in knalligen Farben, mit Fake-Interviewsequenzen und einem kantonesischen Rapper namens MastaMic. Wirklich beeindruckend unterhaltend… Zusammenfassend: Medial macht Romano ne ziemliche Welle. Kann er das auf der Bühne vermitteln?

Romano

Foto: Steffen Schmid

Der Schatz im Müggelsee

Romano tritt mit Schlagzeuger, Keyboarder und Percussionist/2. Rapper auf. Seine Beats, Bässe und Synthi-Tunes erfahren dadurch einen ordentlichen Livecharakter. Neben dem üblichen HipHop-Aufruf zum Armeschwenken lässt er das Publikum beim Song „Metallkutte“ alle die Pommesgabel machen, gefolgt von Ich will alle Eure Ringfinger sehen bei „Ja Ich Will“ (richtig, das geht´s ums Heiraten). Danach soll man seinen Anwalt anrufen (Song „Anwalt“) und dann im pseudo-sozialkritischen Track „Brenn Die Bank Ab“ eben jene Geldinstitute ihrer neuen Form zuführen. In „Karl May“ (n)ostalgiert Romano über seine Kindheit und dem im Osten weit verbreiteten Indianerkult.

Romano

Foto: Steffen Schmid

Mir persönlich wird das alles zu sehr zu einer Nummernrevue, in der Themen aneinander gereiht werden und über den reinen Unterhaltungswert der pfiffigen Texte und fetten Beats nicht hinauskommt. Das machen Romano und seine Bühnengefährten sehr gut, aber die genialen (oder genial daneben) Momente, die auf einem Deichkind/Fettes Brot/Fantastische Vier-Konzert zu erleben sind, kommen für mich heute Abend nicht auf, es bleibt in gewisser Weise begrenzt. Es entsteht für mich kein wirklicher Flow, kein übergeordnetes Ganzes. Kurz und gut: Für mich löst Romano seine medial gegebenes Versprechen von Hipster-Vielschichtigkeit und cooler Ostberlinerei nicht ganz ein. Ist aber vielleicht auch gar nicht möglich und ist vielleicht auch egal.

Romano

Foto: Steffen Schmid

Lediglich beim Reggae-Track „Malboro Mann“, in welchem das Rauchen verherrlicht wird, bricht Romano kurz durch diese unsichtbare Decke hindurch, die aus einem guten Konzert ein geniales machen: Er fordert das Publikum auf, zu rauchen, er hätte das abgeklärt, er steckt sich eine an. Und tatsächlich fangen viele an zu rauchen, die links und rechts von der Bühne aufgehängten Rauchen-Verboten-Schilder und die Nichtraucherschutzgesetze aus dem Jahr 2005 missachtend. Künstler und Publikum verbinden sich durch die gemeinschaftliche Ordnungswidrigkeit. Das ist in der Tat sehr launisch – und verrät viel über unsere Zeit…

Wir ziehen Freiheit auf Lunge
Von 0 auf 100 in einer Sekunde

Romano sprechsingt über die abgehalfterte Vorstadt-Unterschichten-Mutti, über das verstörende Freiheitsgefühl nach der Wende, über Kirmesbesuche, über seine Kindheit, über dies und das in einer frischen, direkten und unverkrampften Art, dargebracht mit coolen Beats. Eigentlich könnte man ihn einen Liedermacher über das Leben nennen. Und er schließt den Abend mit „Jenseits Von Köpenick“, seiner Heimathymne. Die wird vom Stuttgarter Publikum prompt mitgesungen. Heimat wird überall verstanden, und Romano kann das offensichtlich in Songs packen – das kann nicht jeder, Respekt!

Romano

Foto: Steffen Schmid

 

Die Set-List:
Copyshop
König der Hunde
Mutti
Champagner Bar
Raupe
Ufo Joe
Metalkutte
Ja, ich will
Anwalt
Brenn die Bank ab
Klaps auf den Po
Marlboro Mann
Karl May
Tourizocke
Immun
 
Zugabe:
Der schöne General
Straße
Cornerboy
Köpenick

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