BEATSTEAKS, FATONI, 20.10.2017, LKA, Stuttgart

Beatsteaks (19)

Foto: Heiko Bendigkeit

Eine Hüpfburg in die Sauna stellen, wer macht denn sowas? Eine Frage die man sich jedes mal stellt, wenn die Beatsteaks in der Stadt sind. Und hat damit auch gleich die Antwort. Dem LKA wurde ein Aufguss der Glückseligkeit verpasst und nach über zwei Stunden hüpfen und schwitzen, singen und tanzen waren alle und alles glücklich und nass. Ein echter Fanservice, dass im Merchandise neben Platten, Beuteln und T-Shirts auch Handtücher angeboten werden.

Doch der Reihe nach und zurück zum Anfang, als der Hallenboden des LKA — kein intimer Club und doch für die Beatsteaks ein inzwischen vergleichsweise kleiner Rahmen — noch trocken war und die Leute gespannt und vorfreudig warteten.

Fatoni (9)

Foto: Heiko Bendigkeit

Die Beatsteaks hatten auch schon immer den Mut auf den ersten Blick nicht ganz so passende Bands mit auf Tour zu nehmen und Berührungsängste mit dem Hip-Hop hatten sie auch nie. So gesehen war der Münchner Rapper Fatoni keine überraschende Wahl. Aber ein gute. Denn Fatoni ist nicht nur ein guter Rapper und Songschreiber, er ist vor allem ein guter Entertainer. So bewegt er — nur begleitet von seinem DJ V.Raeter — eine beachtliche Anzahl an Leuten dazu die Hip-Hop-Hände in die Luft zu werfen. Er begeistert mit einem Improv-Freestyle über ihm aus dem Publikum gereichte Gegenstände und kriegt am Ende fast alle dazu bei seinem einzigen Gitarren-Lied mitzusingen. Dazwischen kokettiert er immer mit seiner Aufgabe als Support-Act („Jetzt kommt das beliebteste Lied jeder Vorband: das letzte“) und bringt natürlich immer wieder den Vorband-Stimmungsmach-Klassiker, auf die Hauptband hinzuweisen: „Habt ihr Bock auf die Beatsteaks?“.

Ja, Bock habe ich, Bock hatten alle. Und die Beatsteaks auch. Mit „Mrs. Right“ vom neuen Album wurde in den Abend reingegroovt um dann gleich mit „Hey Joe“ und „Frieda und die Bomben“ die weitere Marschrichtung vorzugeben. Die Frage „Wie kannst Du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?“ stellte hier niemand.

Auch wenn die letzten paar Alben mich gar nicht mehr so mitgerissen haben, die neuen Songs fügen sich erstaunlich gut in die Setlist ein. Aber live sind die Beatsteaks eh besser als auf Platte. Sage nicht nur ich, das sagt — mit einem zwinkern im Auge — Arnim Teutoburg-Weiß selber. Überhaupt Teutoburg, der mit seinem Anglerhütchen aussieht wie der LL Cool J vom Späti gegenüber, ist ja nicht nur Sänger und ab und zu Gitarrist. Er ist vor allem der Inbegriff der Rampensau. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen kann er die Menge um seinen kleinen Finger wickeln und beherrscht charmant das komplette Repertoire der großen Rockstar-Posen. Auf kleinen auf der vorderen Bühnenabsperrung montierten Trittbrettern tritt er immer wieder fast direkt ins Publikum und man hat das Gefühl er wolle jeden Augenblick springen. Er dirigiert und animiert die Leute, die eigentlich gar nicht weiter angestachelt werden müssen. Wechselgesänge im Stile eines Freddie Mercury münden kurz danach in eine ziemlich originalgetreue Coverversion von Queens „I want to break free“ und selbst hier sind alle Textsicher. Bei „Mietzi’s Song“ vom zweiten Album können alle mal ein wenig durchschnaufen, „Das war ganz schön sentimental. Sentimental aber Geil“, um dann zum großen Finale anzusetzen das in „Hand in Hand“ und dem Beastie-Boys-Cover „Sabotage“ mündet.

Ewige Liebe für diese Band und egal was da noch kommen werde, I don’t care as long as they sing…

Beatsteaks

Fatoni

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