VERNISSAGE „WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM“, 15.09.2017, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart

WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Foto: Michael Weiss

Das Aufplöppen von Bierflaschen ist zu hören, „doch kein Hansa-Bier“ ruft eine Stimme, hier und da ertönt ein großes Wiedersehens-Hallo, ein Iro lugt aus der Menschenmenge hervor. Die Ausstellungseröffnung zu „Wie der Punk nach Stuttgart kam“ im Württembergischen Kunstverein ist in vollem Gange und ähnelt einem klassen- und generationenübergreifendem Treffen.

WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Foto: Michael Weiss

Zuerst gab es das Buch (erschienen bei der Edition Randgruppe) von den Machern Simon Steiner, Norbert Prothmann, Barny Schmidt, dann kam die Idee einer Ausstellung dazu. Reden und Danksagungen gibt es heute. Das Handmikrophon, in das Hans D. Christ, Direktor des Württembergischen Kunstvereins, spricht, transportiert seine Worte im abgehackten Telegrafenstil. Zum besseren Verständnis wird an das Mikro des Rednerpults gewechselt. Simon Steiner freut sich sehr über das zahlreich erschienene Publikum. Ausstellungseröffnung und Stagediving geht normalerweise nicht so zusammen. Was ist schon normal, hier geht alles. Uli Schwinge von der Edition Randgruppe steht erhöht auf einem Podest. Er versucht mehr Besucher zu animieren, näher zu kommen, damit sein Stagediving auch gelingt, so dass er auch weich auf den tragenden Händen der Leute landet. Die ältere Dame neben mir wundert sich: „Was versucht der denn, sind wir dafür nicht zu alt?“ Vielleicht ist die Zurückhaltung der Sorge des nächsten Bandscheibenvorfalls geschuldet.

WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Foto: Michael Weiss

Die Luft wird immer biergeschwängerter. Punkmusik wird aufgelegt, laut, blechernd und dem Drei-Akkorde-Schema treu. Punk-Devotionalien gehören nicht in Glasvitrinen. Um die die guten Ausstellungsstücke angemessen zu präsentieren, sind sie auf zusammengebauten Euro- Paletten zu bestaunen. Damit die Kassetten, LPs, Fanzines etc. schön an ihrem Platz bleiben, ist Maschendrahtzaun darüber gespannt. Der Fokus im Buch sowie in der Ausstellung umfasst die Zeit zwischen 1977 – 1983 und ist in zehn Themenbereiche aufgeteilt. Man schmunzelt über die Bilder, die Treffs der Szene aus vergangenen Tagen. Hier wird jeder seine eigene Zeitreise gerade durchleben. Szene lebt auch über Subjektivität. Ganz im DIY Stil, können Interessenten jeden Themenbereich mit ihren eigenen Bildern, Flyer an den Wänden mitgestalten. Ganz hinten in der Ecke ist aus einem Fanzine der „Psycho – Test: Bist Du ein echter Punk?? zu finden: Seit wann stehst Du auf Punk? seit 1978- 80/ seit 1975-77/seit meiner Geburt.

WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Foto: Michael Weiss

Wie die Ausstellung zeigt, Städte verändern sich, Szene und Subkulturen auch – hinter all den Fassaden muss es nicht immer perfekt und glatt sein – Punk im Herzen geht immer. Die Ausstellung im Württembergischen Kunstverein kann man sich noch bis zum 08. Oktober 2017 ansehen.

WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Foto: Michael Weiss

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