ROOSEVELT, JOSIN, 09.04.2017, ClubCANN, Stuttgart

Roosevelt

Foto: Steffen Schmid

„Hey Stuttgart, seid ihr noch bei uns“ fragt Marius Lauber aka Roosevelt das Publikum in der Hälfte des Konzertes. Ja, das ist es, von Beginn an, vielleicht zwischendurch mal abgetaucht in die Sphären der Glückseligkeit. Ausverkauft ist das Konzert im Club DasCann. Händeringend wurden letzte Versuche über soziale Netzwerke gestartet, um noch eine Karte für das Konzert des jungen Wahlkölners zu ergattern. Das Publikum ist jung und gemischt. Töchter mit Müttern sind gekommen (oder umgekehrt, je nachdem wer wen musikalisch beeinflusst hat). Gemein ist ihnen, alle wollen Tanzen. Tanzen kann man bereits bei den elektronischen Beats der jungen Hamburgerin Josin, die auf der Bühne vor ihrem Keyboard kniet. Müßig zu erwähnen, aber so ist es mal wieder, je lauter es wird und das Tempo ihrer Songs anzieht, desto lauter wird hinter mir und vor mir gequatscht. Also, Positionswechsel.

Roosevelt

Foto: Steffen Schmid

Plötzlich tauchte Roosevelt vor ein paar Jahren auf, die EP „Elliot“ versüßte die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers und wurde gleich hochkarätig u.a. in der Rubrik „Music of the Week“ des Guardian besprochen.
Das Konzert beginnt bereits mit einer perfekten Dramaturgie. Loops laufen und die im Bühnenhintergrund hängenden Leuchtbuchstaben in Form des Roosevelt-Schriftzugs werden miteingebunden. Mit jedem Loop erleuchten jeweils die Buchstaben, bis der komplette Schriftzug erleuchtet ist, betreten Marius Lauber mit Bassist und Schlagzeuger die Bühne. Die Bandbekleidung ist einheitlich in adrettem Zahnarztweiß gehalten.
Die Eröffnung des Sets gleicht einem Raketenstart, „Wait up“ und „Elliot“ lassen die Raumtemperatur gleich um einige Grad nach oben schnellen. Die Tanzfläche ist eröffnet.
In Interviews sagt Marius Lauber treffend, „Roosevelt ist Elektro im Bandgewand“. Ein bisschen wird der smarte Roosevelt auch wie ein Posterboy gehandelt. Die jüngeren Damen der vorderen Reihen sind ganz entzückt und halten diese Momente auf ihren Smartphones fest. Ein 80s-Filter wird nicht benötigt. Dafür sorgt das Bühnenlicht welches analog wie das Albumcover, durch poppige Neonschattierungen wechselt.

Roosevelt

Foto: Steffen Schmid

Die Stimmung ist weiterhin gut, das Publikum jubelt. In den Songs „Colours“ und „Moving On“ wie überhaupt im ganzen „Roosevelt“ Album ist beste Gute-Laune-Rezeptur. 80er Jahre Synthie-Sound wird aufgelockert mit Chillwave und Dreampop-Anleihen und immer dabei, der (schweiß-)treibende Discobeat mit verhalltem Gesang. Die Kommunikation mit dem Publikum ist sehr zurückgenommen, aber dafür gibt es ja die Musik. Roosevelt wechselt zwischen E-Gitarre und seinem Synthesizer und wieder zurück, stellenweise kommt noch der gute alte Schellenkranz zum Einsatz. Live werden die Songs aufgefrischt durch längere Beatpassagen.
Schwitzen und Tanzen ist weiterhin angesagt. Selbst das Handtuch, mit dem Marius Laubert seinen Schweiß abwischt, findet noch einen glücklichen Abnehmer im Publikum.
Roosevelt und Band werden weiter ziehen auf große Festivals, schön sie hier noch mit einem knackigen einstündigem Set gesehen und gehört zu haben. Falls ich mich am Roosevelt Album stattgehört habe, gibt es zur Abwechslung noch Roosevelt-Remixe.

Roosevelt

Foto: Steffen Schmid

Roosevelt Setlist:
Wait up
Elliot
Belong
Colours
Fever
Moving on
Hold on
Montreal
Sea
Night Moves
Z1 Close
Z2 Teardrops

Roosevelt

Josin

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