ODDISEE & GOOD COMPNY, 18.03.2017, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Es scheint das Wochenende der Konzert-Flashs gewesen zu sein. Gigblog-Kollege Holger erlebt seinen in der Manufaktur bei TRAAMS, meinen hole ich mir im „Im Wizemann“ bei Oddisee & Good Compny ab. Der beginnt schon beim Support Olivier St. Louis. Es wird erst der zweite Song gespielt, als wir in den Saal kommen. Sicheres Zeichen, dass keine lange Aufwärmphase benötigt wird, das Publikum ist schon in Bewegung. Auf der Bühne steht ein großgewachsener Typ mit rauschendem Kinnbart. Mit einem Funkeln in den Augen singt er mit souliger Stimme, die auf der Scala von tiefer Basslage bis zum Falsett treffsicher alles zu bieten hat. Die Augen kurz geschlossen, scheint Olivier St.Louis jede auf seiner E-Gitarre gespielte Note genussvoll zu zelebrieren. Beim kurzen Vorabhören haben die Songs meinen Geschmacksnerv nicht so getroffen, zu soulig gepaart mit Break Beats erschien mir das ganze. Der Liveeindruck des Amerikaners mit haitianisch-kamerunischen Wurzeln begeistert mich und ich rudere ganz schnell zurück von meiner Vorabmeinung. Das Kantige der Breakbeats scheint sich aufgelöst zu haben.

Foto: Michael Haußmann

Alles befindet sich in einem großen Fluss bzw. Flow, allen voran das Spiel treibende Spiel von Bassist Dennis Turner. Auch die Übergänge zu Oddisee’s Auftritt ist fließend. Eine Umbaupause gibt es nicht. Die „Good Compny“ ist Vor-und Hauptband zugleich, so richtig trennen lässt es sich nicht. Fanfaren ertönen, Olivier St. Louis nimmt seinen Platz ein. Jetzt ist er der Gitarrist der nun fünfköpfigen Good Compny. Rapper/Produzent Oddisee alias Amir Mohamed el Khalifa aus Washington DC tänzelt schwungvoll auf die Bühne, legt gleich eine Energie vor. Klassische Bling-Bling Hip Hop Insignien sind nicht zu finden. Weißes T-Shirt, Jeans, als einziges Accessoire gibt es noch eine Wollmütze. „Things“ vom aktuellen Album „The Iceberg“ ist der Vorbote dafür, dass hier Party und Konzert zugleich stattfinden. Oddisee rappt sich um Kopf und Kragen, haut seine Lyrics raus, die sich weich fallen lassen können und von der Band aufgefangen werden. Kurz gibt es einen Break, nicht im Song, sondern weil Oddisee einen Dauerfilmer bittet nicht vor seiner Nase mit seinem Smartphone herumzufuchteln. Haken dran, das Party-Konzert geht weiter. Die Energie flaut nicht ab, die „Good Compny“ hat eine Menge davon. Es ist ein Genuss für Augen und Ohren, wie leicht und spielerisch diese Vollblutmusiker wirken, die mit einer Hingabe spielen, als würde jeder Note noch ein Luftkuss hinterhergeworfen werden. Von guten Vibes soll das Publikum auch etwas abhaben, immer wieder treibt Oddisee das Publikum zu Call and Response an.

Foto: Michael Haußmann

Man merkt, die Band und Oddisse sind gut aufeinander abgestimmt. Das Spiel zeigt sich im gegenseitigen Respekt, keiner stiehlt dem anderen die Show, die Band dient nicht als Staffage. Die Songs des Top-Albums „The Good Fight“ „That’s Love“ und „Counter-Clockwise“ klingen live präsentiert noch viel dynamischer. Es gibt immer wieder etwas zu entdecken in den Songs, good Feeling garantiert. Hip Hop-Beats werden von Funk-Jazz Melodien mitgerissen. Langsam bahnen sich Zeichen des Abschieds an. Drummer Jon Laine hat sich ein Handtuch über den Kopf gehängt. Auch hier ist wieder viel Energie im Spiel, der Bühnenabgang wird von der Band als Party zelebriert. Jeder hat noch sein respektvolles Solo bekommen. Es gibt es noch minutenlangen Applaus. Dieser Abschied fällt sehr schwer. Fotograf Micha, wie immer mit höchster Weisheit beschlagen, meint, man soll gehen wenn es am schönsten ist. Wir müssen Oddisee & Good Compny ziehen lassen, sie haben alles gegeben. Hinterlassen haben sie einen Cocktail an Rausch- und Glücksmomenten.

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