GRAILS, MAJEURE, 15.03.2017, Komma, Esslingen

Grails, Komma Esslingen, 2017

Foto: Michael Weiß

Seit Monaten freue ich mich auf dieses Konzert. GRAILS! – aus Portland, sind Helden des Musik-Untergrunds. Man muss sich schon für obskure Bands interessieren, um über das Kollektiv aus den USA zu stolpern. Obwohl das kaum verständlich ist, denn es gibt eine solche Masse an extrem guten und auch leicht zu verdauenden Liedern, dass sich die Alben mindestens hundertausendfach verkaufen müssten. Eigentlich. In einer besseren Welt. Oder in den 1970ern. Denn vieles von GRAILS wirkt aus der Zeit gefallen, vom Artwork, über die Kollektivhaftigkeit, über die Lieder in Überlänge mit Einflüssen aus aller Welt. Alle Stücke sind allerdings instrumental, was nicht unbedingt zur Popularität beitragen dürfte. Eine super Soundtrack-Band wären sie. Jedenfalls dürfen wir uns glücklich schätzen, dass ins Komma immer wieder Bands in diesem speziellen Bereich geholt werden, wozu ich z.B. MASERATI oder Barn Owl zählen würde.

Majeure, Komma Esslingen, 2017

Foto: Michael Weiß

Vorprogramm heute auch mehr als berichtenswert: MAJEURE, a.k.a. Anthony Paterra, die Hälfte der zu obigen Bands artverwandten ZOMBI (ebenfalls intrumental) welche meines Wissens die einzige Synth/Kraut/Elektro-Band auf dem Metall-Label Relapse sind. Das ca. zwanzigminütige Solo-Set beginnt schon mal sehr, sehr stark. Auf die Bühne schleichen, und unvermittelt auf das Schlagzeug eindreschen, da wird man wach, wenn man nicht damit rechnet. Die Halbplayback-Show ohne Gesang sieht folgendermaßen aus: Paterra trommelt interessante Beats zu Elektroklängen vom Player, die teilweise an die Chemical Brothers, teilweise an die schweren klassischen ZOMBI-Sounds erinnern. Mir gefällt das sehr gut, absoult tanzbar, hätte locker noch eine Stunde weitergehen können. Ich sollte mal wieder das ZOMBI-Vinyl ziehen. Problem: Steht naturgemäss ganz ganz hinten im Schrank.

Grails, Komma Esslingen, 2017

Foto: Michael Weiß

GRAILS spielen heute zu fünft. Ich erkenne von früheren Shows gerade mal einen Typen wieder. Band entweder ausgetauscht, oder es liegt an mir. Einfach zu beschreiben, ist der Sound nicht. Psychedelische Spaghettiwestern-Band, pink-floyd-esque, doomy, orientalische Einflüsse, Krautrock – und noch mehr. Größtes Können an den Instrumenten, die im fliegenden Wechsel zwischen den Fünf wechseln. Begleitet wird der Musik-Trip von schickigen Filmchen aus dem Kunst-und Erotik-Berich. Bei Instrumental-Stücken ist leider der Wiedererkennungswert ziemlich gering. Ungefähr die Hälfte der Stücke kommt mir schon bekannt vor, weil einiges an Vinyl im Schrank. Ganz offensichtiche Hits wie „All The Colors Of The Dark“, „The Burden Of Hope“ oder „Almost Grew My Hair“ sind ziemlich sicher nicht dabei, was ich nicht ganz verstehe. Wahrscheinlich kommen vom kürzlich erschienenen neunten Album „Chalice Hynmal“ einige Lieder, die ich noch nicht kenne. Zusammenfassend: Mir und dem erfreulicherweise zahlreich erschienen Publikum, hat die Show sehr gefallen, kurzweilig, trotz langer Stücke, sehr trippy. Ich rechne schon nicht mehr mit einer Zugabe, aber der Schwabe lässt nicht locker, und wir bekommen noch ein Stück, welches ich tatsächlich noch erkenne: „Silk Rd“, starkes Zugabenmaterial vom 2007er „Burning Off Impurities“. Schön war’s.

Majeure

Grails

Ein Gedanke zu „GRAILS, MAJEURE, 15.03.2017, Komma, Esslingen

  • 18. März 2017 um 11:13
    Permalink

    Von Chalice Hymnal haben Grails an dem Abend nur Pelham gespielt, der Rest war eine Auswahl aus allen älteren Alben. Die Zugabe war Origining, nicht Silk Road.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.