MALKY, 24.01.2017, ClubCann, Stuttgart

MALKY, 24.01.2017, ClubCann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Die Referenzen hätten kaum schlechter sein können, welche den Ausschlag gaben, an einem kalten Dienstagabend das Jugendhaus Cannstatt aufzusuchen und dem Gastspiel der Band „Malky“ beizuwohnen. Ihr letztes Jahr erschienenes Album mit dem Titel „Where is Piemont“ ist das Nachfolgewerk der fünfköpfigen Band nach ihrem Debüt „Soon“. Die Referenzen? Drei bisherige Auftritte in Stuttgart innerhalb von zwei Jahren (unter anderem beim seligen PopNotPop-Festival 2014 und beim Marienplatzfest ein Jahr später), ein durchaus lobender Bericht des Kollegen Lino und beinahe schwärmerische Worte unseres Fotografen Micha, der es sich nicht nehmen ließ, auch dieses Mal wieder mitzukommen.

Die drei Auftritte in der Stadt müssen Eindruck hinterlassen haben, denn das Cann ist wirklich gut besucht und die Stimmung ist von Anbeginn formidabel. Gleich beim Eröffnungsstück des Abends bin ich drauf und dran dieser Grundstimmung auf alle Fälle zu folgen: Ein fast schon sakraler Beginn mit schönen Sound des Keyboarders und Band-Mitbegründers Michael Vajna bereiten einen wunderbare Basis für die starke und klare Stimme des durchgehend präsenten Frontmanns Daniel Stoyanov. „The Only One“, auch der Auftakt des aktuellen Albums, überzeugt mich vollends, als Gitarrist Micha Lorenz mit einem richtig guten und vor allen Dingen passenden Solo am Ende noch eine weitere Ebene mit einbringt. Toll, denke ich. Das klingt vielversprechend und falls nach dem Gitarrensolo noch ein cheesiges Saxofon einsetzen sollte – auch das wäre in Ordnung.

MALKY, 24.01.2017, ClubCann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Doch so stark dieser Abend beginnt, so stark lässt er nach. Während des Konzerts bemerke ich es kaum, doch irgendwann ertappe ich mich dabei, wie ich die verbliebenen Songs auf der Setliste abzähle und innerlich seufze, als noch eine Handvoll übrigbleiben. Den Rest des Abends suche ich nach den Gründen für diese einsetzende Enttäuschung. Es ist doch eigentlich alles vorhanden: Eine gute, facettenreiche Stimme und technisch und spielerisch starke Musiker, die eine in sich funktionierende, eingespielte Band ergeben. Micha und Lino schrieben und erzählten von gut arrangierten, nicht zu vollen, souligen, Nummern. Und bei diesem Punkt finde ich eine Antwort: Es liegt an den Songs und den Arrangements. Da wird viel zitiert und es werden zahlreiche Genre-Stilmittel eingesetzt – was an sich nicht schlecht sein muss. Für meine Begriffe sind die Songs dadurch allerdings in einer Art und Weise überladen, dass nur an wenigen Momenten des Konzerts den musikalischen Kern des jeweiligen Songs erkennbar wird. Überzeugend und gelungen sind dabei „Trouble“ (vom ersten Album) sowie vor allem das Stück „Play“. Hier bricht die Band hinter Charmeur Stoyanov endlich einmal aus dem Korsett der Radiotauglichkeit aus und Malky zeigen, dass sie interessantes und vielschichtiges Songwriting, Soul und eine eingängige Melodie vereinen können.

MALKY, 24.01.2017, ClubCann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Manche Nummern sind hörbar durch den Soul geprägt und transportieren diesen auch in einer tanz- und hörbaren Art und Weise. Häufiger als mir persönlich lieb ist, drängen sich uns jedoch über den Abend hinweg Assoziationen auf, die zu viel des Guten sind. Songs, deren Struktur und Sound nach Spandau Ballet, George Michael (beides für sich genommen gar nicht so verkehrt), Tina Turner oder Stevie Wonders 80er-Produktionen klingen. Mein Problem gegen Ende des Konzerts ist, dass ich nicht weiß, auf was die Band hinaus will – aber nicht auf eine kunstvoll irritierende, sondern in unseren Ohren beliebige Art und Weise. Diese ganzen Irritationen vereinen sich schließlich im Lied „Lampedusa“, dessen gute Absicht unzweifelhaft vorhanden ist, sich mir allerdings im leichten Pop- und Mitsingcharakter musikalisch überhaupt nicht erschließen will. Der Großteil des Publikums ist im Gegensatz zu uns offenkundig begeistert von diesem Abend und applaudiert anhaltend für eine Zugabe. Während diese angestimmt wird, begeben wir uns in das leere Foyer, immer noch heftig rätselnd über diesen für uns so seltsamen Konzertabend.

MALKY, 24.01.2017, ClubCann, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

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