GURR, WOLF MOUNTAINS, 21.01.2017, Merlin, Stuttgart

POPFREAKS: GURR, WOLF MOUNTAINS, 21.01.2017, Merlin, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Irgendwie habe sie das Gefühl, dauernd in Stuttgart zu spielen. Andreya Casablanca, Frontfrau von Gurr, hat recht: Erst Ende Oktober erst spielten sie – ebenfalls im Doppelpack mit Wolf Mountains – in einem ausrangierten Baucontainer in Stuttgart-Nord. Ihrem Auftritt im Rahmen des Pop Freaks Festivals hat dies nicht geschadet, das Merlin ist bestens gefüllt. Eher im Gegenteil, ein großer Teil der Container-Zuschauer scheint wieder gekommen zu sein. Für Gurr hat sich in diesen wenigen Wochen allerdings einiges getan: Konzerte in England und Frankreich, Features im Guardian und in der BBC, Auftritte auf dem Eurosonic Noorderslag – dem renommierten und überaus karrierefördernden europäischen Showcase Festival in Groningen. Keine Frage, für Gurr geht’s gerade steil nach oben. Ihre Teilnahme am SXSW-Festival in Austin, Texas dürfte dieser Entwicklung noch mehr Schub geben. Insofern mal wieder ein gelungenes Booking beim Pop Freaks Festival.

POPFREAKS: GURR, WOLF MOUNTAINS, 21.01.2017, Merlin, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Wolf Mountains als Vorband war schon beim letzten Gurr-Gig eine gute Idee. Und hier und heute im Merlin natürlich auch. Die Band um Drummer und Klassenkasper Kevin „Hat-viel-zu-tun“ Kuhn zieht ihr eigenes Publikum. Und ihr noisiger Surf-Sound läuft einfach gut rein. Vor allem, wenn er inzwischen weit knackiger und professioneller dargeboten wird als früher.

Mit „First Wave Gurrlcore“ verdienen sich „Görr“ (so die korrekte Aussprache) schonmal einen Preis für die kreativste Genre-Einordung. Weniger Einfallsreiche würden es vielleicht als Riot Girl Pop bezeichnen. Egal: was Andreya Casablanca und Laura Lee Jones in ihrer wunderbar unbeschwerten Art auf die Bühne bringen, ist äußerst tanzbarer Garage Pop mit einem ordentlichen Schuss Sixties. Rotzig rausgespielt und mit frecher Girlie-Koketterie präsentiert, aber tatsächlich völlig selbstverständlich und mühelos dort platziert, wo sich ihre Riot-Grrl-Vorläuferinnen erst mühsam einen Platz erkämpfen mussten: mitten im Jungs-Business Rock’n’Roll.

POPFREAKS: GURR, WOLF MOUNTAINS, 21.01.2017, Merlin, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ihr Album „In My Head“ spielen sie praktisch in Gänze. Und das ist gut so, enthält es doch tatsächlich eine beachtliche Menge an starken Songs. (Nicht umsonst eines meiner Top-10-Alben 2016) Schwierig einzelne Highlights rauszupicken: „Yosemite“ vielleicht, mit einem Gitarrenlauf, den Motorama nicht schöner hinbekommen hätte, das punkige „Klartraum“, oder – als Konzerthöhepunkt mit Gwen-Stefani-Intro und Stage Invasion – „Rollerskate“.

Nichts kann man dieser ober-sympathischen Band übelnehmen. Nicht, dass sie in der Zugabe das für unkaputtbar gehaltene „Helter Skelter“ zerlegen. Und erst recht nicht, dass sie einem mit „Walnuss“ und dem Refrain „Wir nehmen Teil an der Belanglosigkeit“ einen nicht wieder loszuwerden Ohrwurm eingepflanzt hat.

POPFREAKS: GURR, WOLF MOUNTAINS, 21.01.2017, Merlin, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

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