UDO LINDENBERG, 28.05.2016, Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

„Was ich lustig finde, dass so ein Typ wie ich noch lebt nach den ganzen Rock-n-Roll-Exzessen“, so äußerte sich Udo Lindenberg jüngst in einem Interview. Berichte gab es in der Online- und Printpresse in den letzten Wochen in Hülle und Fülle. Udo Lindenberg ist schlanke 70 Jahre alt geworden, nahm sein aktuelles Album „Stärker als die Zeit“ auf und ist auf seiner Tournee, die schlichtweg „Keine Panik“ heißt.

Sehr, sehr viele Menschen (40.000 an der Zahl) pilgern an diesem Samstagabend Richtung Mercedes-Benz Arena. Abgetastet werden, Rucksack öffnen, den richtigen Aufgang finden und belohnt werden mit einem beeindruckenden Blick von der Tribüne. Heute ist alles sehr im Superlativ gehalten. Gepaart mit Neugierde fühle ich mich wie ein Zaungast, möchte gerne reinspicken in den Udo-Lindenberg-Kosmos. Das Publikum ist generationsübergreifend sehr bunt gemischt, Fans der ersten Stunden, die mit den Platten mitgewachsen sind bis hin zu Super-Fans, die ihrem Idol vom Style sehr nah sind. Die Sonne scheint, der grollende Nachmittags-Donner ist weitergezogen.

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

Nach dem Vorprogramm von Daniel Wirtz werden die ersten Fans nach einer Weile unruhig. Schlag 20 Uhr geht es los. Begleitet von klassischer Musik schwebt Udo Lindenberg in einer Stahlkabine übers Publikum auf die Bühne zu. Große rote Opern-Vorhänge leuchten an den beiden seitlichen Videoleinwänden, die Nebelmaschinen geben ihr Bestes, der Schalter im Publikum hat sich von Ungeduld umgelegt in tosenden Applaus. Der Auftakt ist gelungen!

Mit „Odyssee“ und „Einer muss den Job ja machen“ wird das Stadion auf Betriebstemperatur gebracht. Meine ersten Bedenken sind verflogen, musikalisch gesehen ist es nicht so mein Tässchen Tee, aber als visuelles Live-Paket überzeugt es mich. Das große LED-Spektakel nimmt seinen Lauf. „Mach mein Ding“ zieht bereits zwei weibliche Fans von den Sitzplätzen, ausgestattet mit passendem Fan-Shirt, teilen sie sich schunkelnd einen kleinen Lindenberg-Schal.

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

Kurze tröstende Worte von Lindenberg zum Abstieg des VfB, der „grad mal eine Ehrenrunde dreht, passiert halt mal“. Dem Publikum wird gedankt für den bombastischen Applaus und es erhält die Auszeichnung „Temperament-Zäpfchen“ vom Panik-Rocker höchstpersönlich. Was man wirklich sagen muss, für seine amtlichen 70 Jahre sitzen die Bewegungen sehr flüssig, von peinlichen Alt-Herren-Rocker-Gesten keine Spur, die Posen gekonnt und Lindenberg bewegt sich geschmeidig über die Bühne. Da passt es „Coole Socke“ zu singen, zwei aufgeblasene neonfarbende Riesensocken am Bühnenrand gibt es visuell auch noch gleich dazu.

Als „beständige Größe in den Zeiten des Werteverfalls“ dankt Udo Lindenberg seinem Panik-Orchester. Ebenfalls von Beständigkeit gekennzeichnet ist sein Style, dem er treu bleibt. Die Markenzeichen sind die verlässliche schwarze Röhrenhose inklusive Zierstreifen, Nietengürtel, Neonsocken, dunkler Stetson in Marlon-Brando Manier. Die Hits dürfen in dieser Show natürlich nicht fehlen. Daniel Wirtz kommt zum Duett für „Cello“ dazu, eine wunderschöne Liebeserklärung, welche mit dem rotleuchtenden Cello, das plötzlich auf die Bühne schwebt, komplettiert wird.

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

Den großen Gesten wird weiterhin treu geblieben, lässig schwingt Udo Lindenberg das Mikrophon-Kabel bevor mit Pathos die ruhigeren Klänge von „Schwere Zeiten“ gesungen werden. Klar und schnörkellos geben die Texte einen Problemkosmos wieder, in dem sich jeder irgendwann einmal wiederfinden kann. „Wozu sind Kriege da“, mit Unterstützung eines reizenden Kinderchores, „Bunte Republik Deutschland“ decken wieder den Hitbereich ab, und der Klassiker „Horizont“ verwandelt das Stadion in ein Lichtermeer, in dem das Publikum ohne zu zögern mitsingt.

Auf der Bühne gibt es keinen Stillstand, alles ist in Bewegung, nicht nur die Künstler sondern auch die gekonnt in Szene gesetzten Visuals. Udo Lindenberg ist umringt von Tänzerinnen mit kreisenden Hüften und schwingenden Haaren. Die Songs werden größtenteils mit Duett-Partnerinnen, stets mit Inbrunst gesungen – danach gibt es immer das wohlverdiente Künstler-Küsschen. Der technisch perfekte Gesang der Damen konnte mich allerdings nicht von der Assoziation zum Musical abhalten. Davon, dass Udo Lindenberg die Puste ausgehen könnte, ist keine Spur. Er kommt über den Bühnensteg gelaufen, stets im flotten Takt mit den Tänzerinnen, der „Sonderzug nach Pankow“ peitscht noch mal richtig nach vorne. Angetrieben von den phantastischen Musikern an Saiten- und Blasinstrumenten des Panik-Orchesters.

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

Nach über 2 ½ Stunden musikalischer Achterbahnfahrt durch die Diskographie Udo Lindenbergs endet die Show mit Glitzer, Konfetti und einem Feuerwerk. „Ich schwöre, ich schwöre, wenn’s drauf ankommt, bin ich da“ wird zum Abschied gesungen. Ein Raumanzug wird angezogen, Lindenberg steigt wieder in die Gondel mit der er gekommen ist und fliegt wieder zurück in seinen Kosmos.

Wir hingegen bahnen uns den Weg vorbei an den Menschenmassen zu unseren Fahrrädern. Es geht zurück in Richtung Stadt. Die letzte Currywurst ergattern wir noch bei „Udo Snack“ und verarbeiten damit ganz stilgetreu die Eindrücke des Konzerts. Ganz nach dem Motto „Keine Panik“.

Udo Lindenberg

Foto: Steffen Schmid

Ein Gedanke zu „UDO LINDENBERG, 28.05.2016, Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart

  • 31. Mai 2016 um 12:59
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    Sehr, sehr schöne Bilder!
    Das war wirklich eine schöne Sache, die Show und erstaunlich wie fit Udo tatsächlich ist.

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