SCHNIPO SCHRANKE, 19.04.2016, Merlin, Stuttgart

Schnipo Schranke

Foto: Steffen Schmid

Das Merlin meldet „ausverkauft“, Abendkasse Fehlanzeige. Gut so, da scheinen sich noch genügend Leute an das Debut-Album „Satt“ des Duos Schnipo Schranke zu erinnern, das im Herbst letzten Jahres erschien. Im Café wird das stimmige Vorher-Nachher-Platten-Auflegen weitergeführt und die schon anwesende bunte Schar an Gästen mit dem heißesten Scheiß des Stuttgarter und sonstigem angesagten Sound versorgt. Vor der Bühne tummeln sich schon früh die textsicheren und ein wenig verliebten Fans – hier fühlen wir uns als gig-blog-Duo gut aufgehoben. Eine Erwartungshaltung ist bei mir eigentlich kaum vorhanden. Klar, an „Pisse“ kam man schon 2014 kaum vorbei und in meiner Erinnerung fand ich es eingängig mit einem witzigen Text, aber wirklich eingehend habe ich mich dann doch weder mit dem Album noch mit der Band beschäftigt. Spannend ist jedenfalls jetzt schon die Rezeption der Band, des Albums und ihrer Konzerte. Hier sei der interessante Beitrag von Linus Volkmann zu empfehlen, der die „Männersprache“ im Popjournalismus kritisiert.

Schnipo Schranke

Foto: Steffen Schmid

Vom Band kommt das „Intro“ des Albums und im Zuge dessen betreten Daniela Reis, Friderike „Fritzi“ Ernst und „Ente“, wie die Verstärkung auf der Bühne genannt wird, die Bühne und spielen den „Schnipo-Song“. Dabei frage ich mich als erstes, warum ich mir das Album eigentlich nicht intensiver zu Gemüte geführt habe, denn da sind einige Komponenten vorhanden, die mir sehr gut gefallen. Die Musik bewegt sich mit dem einfachen Schlagzeugspiel und den Klavier- und Synthieklängen irgendwo im Bereich NDW, wobei die Melodien meistens sehr eingängig sind. Die Stimmen von Daniela Reis und Fritzi Ernst passen sehr gut zusammen, da sie sich nur um eine Nuance unterscheiden, was mir hervorragend gefällt. Und schließlich die Texte, die ich im Laufe des Abends intensiver als bei vielen anderen Bands verfolge, was daran liegt, dass ich sie als äußerst vielschichtig empfinde und dass es mir ein großes Vergnügen bereitet, ihnen zu folgen. Die leicht mysteriöse Fantasie im Song „Schrank“ wäre da zu nennen oder auch ihr Hit „Pisse“, was vielleicht eines der besten Lieder über Trennung ist und dazu ein Ohrwurm par excellence. Das ist kein expliziter Feminismus (wonach die beiden in Interviews immer wieder gefragt werden), das sind einfach selbstbewusste Texte mit viel, teilweise hintersinnigem Witz und gewürzt mit frivolem Vokabular. Damit beschreiben die beiden Szenen und Begebenheiten des alltäglichen Beziehungs- und Trennungschaos, aber auch gesellschaftliche Phänomene, z.B. in „Cluburlaub“, dem weiteren Ohrwurm des Abends.

Schnipo Schranke

Foto: Steffen Schmid

Wenn ich diese Komponenten zusammennehme und die an sich nicht so wichtige des Outfits der beiden hinzufüge (zwei einfache, unschuldig aussehen lassende Kleider und verschmierter Lippenstift), dann ist das für mich im Prinzip Punk, nur eben mit Tasten, statt Gitarren. Neben Rainald Grebe und Kurt Krömer, die immer wieder als Referenzen genannt werden, erinnert mich vieles an Die Ärzte in ihrer Frühphase. Und wie das so bei Punk ist, ist die Musik von Schnipo Schranke keine Neuerfindung und oft relativ simpel gehalten. Mein Eindruck an diesem Abend ist, dass das durchaus zum Konzept der Band gehört und die Gäste an diesem Abend überzeugt.

Schnipo Schranke

Foto: Steffen Schmid

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