DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Nach einem ereignisreichen Wochenende stehe ich leicht reizüberflutet in einer mir neuen Off-Location, wohin heute Abend das InDieWohnzimmer die Londoner Band Desperate Journalist eingeladen hat. Vier, sehr hübsch anzusehende, junge Leute kommen auf die Bühne und nach den ersten drei Takten von „Control“ fällt alles von mir ab. Ich bin wieder 14, es fühlt sich an, wie es sich anfühlte, als ich das erste Mal ein Lied von The Smiths gehört habe. Es ist offensichtlich, welche Platten diese Band so anhört, und das ist gut so. Sie haben sich aus der Fülle bedient und einen Sound kreiert, der gleich­wohl bekannt und neu ist. Wenn ich schreiben müsste: „für Fans von“, wäre The Organ, The Smiths, Joy Division und The Cure zu lesen.

DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Die Bühne ist sehr klein und ihr Hintergrund ist karg gehalten, es gibt nicht einmal den üblichen Band-Wandteppich. So könnte ich mich wunderbar auf die Band konzentrieren, aber ehrlich gesagt kann ich meine Augen nicht von der Sängerin, Jo Bevan, lassen. Sie hat eine beneidenswerte Präsenz und Kraft, ihr starker und leidenschaftlicher Gesang zieht mich in seinen Bann. Ich ermahne mich später dann doch, mal die anderen zu beachten. Hinterm Glitter-Schlagzeug sitzt eine Frau, das ist immer sexy. Der Bassist erinnert mich stark an jemanden, aber ich komme nicht drauf und der Gitarrist lehnt sich immer mal wieder mit dem Rücken an die Wand, ohne dabei gelangweilt oder abgelenkt zu wirken, er mag es vielleicht einfach gemütlich. Das Publikum ist konzentriert, es wird kaum geplaudert oder mitgesungen, möglicherweise hören viele diese Band zum ersten Mal und sind dankbar, sie in einem so kleinen Rahmen zu erleben.

DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ansagen gibt es quasi keine, die Sängerin bittet uns jedoch zwischendurch, von ihr wegzubleiben, weil sie wahrscheinlich nicht mehr so angenehm riecht. Aber ich bin sicher, wir sind alle in der gleichen Lage, inzwischen herrscht Gewächshausklima in diesem kleinen Bauwerk. Jetzt kommt das erste ruhige Stück, das mit der gleichen Intensität dargeboten wird, wie die druckvollen Songs. Es gibt kurze Momente, in denen ich glaube, dass sie zweistimmig singt. Das nächste Lied beginnt mit einer grandios gesungenen Interpretation des ersten Verses von „Elizabeth My Dear“ der Stone Roses – was wiederum eine Interpretation des Simon & Garfunkel-Hits „Scarborough Fair“ ist – und dann geht es bis zum letzten Schlag nur noch ab. Jo Bevan verabschiedet sich kurz, die Band geht ins „Offstage“, Backstage gibt es hier nicht, ist aber nach kurzer Zeit für einen letzten Song zurück.

DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Die Zugabe steht nicht auf der Setliste, ob das bescheiden ist oder die Zugabe stets spontan gewählt, wird, weiß ich natürlich nicht. Ich glaube zu verstehen, dass der Song “The Kitten” heißt, aber gar nichts damit zu tun hat. Und jetzt bin ich ganz kurz wirklich überrascht, denn die ersten Gitarrenklänge erinnern mich an White-Metal-Balladen oder so was in der Art, kehren dann aber wieder zum Sound der Band zurück. Alle Achtung, das kommt echt gut! Und jetzt zeigt Jo Bevan auch noch eine weitere Facette ihrer Stimme und schreit ihre vielleicht höchsten Töne raus.

DESPERATE JOURNALIST, 03.04.2016, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Setliste:

Control
O
Leave home
Remainder
Wait
Nothing
(A Phase)
Eulogy
Heartbeats
Happening
Cristina
Distance
Organ

Kitten

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