ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Berichte von den Konzerten des In Die Wohnzimmer e.V. machen wir ja mit schöner Regelmäßigkeit. Die exzellent kuratierte Konzertreihe hat dieses Jahr schon einige Highlights gehabt und nun bietet sie wieder mal ein Event außerhalb der eigenen vier Wände. Claudia und Christine haben die kalifornische Art-Folk-Künstlerin Eliza Rickman für ihren zweiten Stuttgarter Auftritt in die Fluxus-Filiale des Second-Hand-Ladens Øbscür eingeladen. Und wir sind gespannt: kann das funktionieren? Feinsinniger, leiser Art-Folk in der trubeligen Hipster-Mall an einem Freitagabend?

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Rund vierzig Zuschauer haben sich in den stimmungsvoll hergerichteten Laden eingefunden und offensichtlich auch sofort die „Pssst!“-Schilder wahrgenommen. Denn mit Konzertbeginn ist es mucksmäuschenstill. Und das ist auch gut so, denn Eliza Rickman tritt ohne jegliche technische Verstärkung an. Mit ihrer an Kate Bush erinnernden Sopran-Stimme und diversen ungewöhnlichen Instrumenten wie einer Autoharp, einem Kinderklavier und diversen Glocken gibt sie ihre filigranen Songs zum Besten. Eine schon fast besinnliche Atmosphäre breitet sich aus, die Zuschauer setzen sich auf den Boden.

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Wenn sich da nicht der gegenüberliegende Craftbeer-Laden ausgerechnet für diesen Abend einen DJ eingeladen hätte, der die Passage – und damit auch das Øbscür – mit seinem Techno-Umtz-Umtz zu beschallen beginnt. Und da bei Eliza Rickman gerade mal ein Metronom als Rhythmus-Instrument dient, ist der Beat von außen natürlich nicht zu überhören. Eliza nimmt’s mit Humor und versucht – ganz die mit allen Wassern gewaschene Ex-Straßenmusikerin – ihre Coverversion von „Moonriver“ auf den Techno-Beat anzupassen.

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Ihr Set besteht aus einer losen Folge von Titeln ihrer beiden Alben und en passant klärt sie mal eben die ewige Frage, warum das zweite Album das schwierigste sei. Für ihr erstes habe sie ja 28 Jahre Zeit gehabt, quasi ihr ganzes bisheriges Leben hineingepackt, während sie das zweite in nur drei Jahren produzieren musste. Ansonsten erzählt die leicht exzentrische Musikerin amüsante Episoden aus dem Tour-Alltag und trägt ganz unprätentiös ihre angenehm altmodisch klingenden Songs vor. Der Abend vergeht jedenfalls wie im Flug und endet mit einer zweiten Cover-Version, dem „Ring of Fire“. Ganze stilgerecht auf der Autoharp, auf der auch die Urheberin June Carter ihren Klassiker gespielt hat.

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Aber Rickmans Vortrag ist nicht jedermanns Sache: während einige im Anschluss ganz beseelt den Abend Revue passieren lassen, sind andere weniger euphorisch. Zu eindimensional sei ihre Musik. Und die Stimme – hier greift wieder der Vergleich mit Kate Bush – kann man lieben, oder halt gerade nicht. Kurzum: ein musikalischer Vortrag, an dem man sich reiben kann und der wohl doch nicht so gefällig ist, wie er auf den ersten Blick erschien. Umso schöner, dass das Experiment trotz der manchmal etwas schwierigen äußeren Umstände gelungen ist. Über weitere Konzerte im Øbscür würden wir uns jedenfalls sehr freuen.

ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

2 Gedanken zu „ELIZA RICKMAN, 11.12.2015, Øbscür, Fluxus, Stuttgart

  • 17. Dezember 2015 um 13:07
    Permalink

    Mich haben die Trinkgeräusche vom Holger voll gestört (Beweis s. Bild 1)

  • 18. Dezember 2015 um 09:37
    Permalink

    Das tut mir leid, Niko. Ich befürchte, du leidest unter Misophonie. ;)

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