JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

Foto: Michael Haußmann

Weihnachts-Oratorium oder Magnificat, aus der Feder von Barock Komponist J.S. Bach gibt es einige opulente Werke um sich besinnlich durch die Adventszeit zu manövrieren. Um uns besinnlich einzustimmen, gehen wir in der musikalischen Zeitleiste weiter, bevorzugen Baroque Pop, andere Instrumentierung mit mehr elektrischer Verstärkung. Mit voll besetztem Auto geht die Winterreise durchs Dunkle der Nacht nach Tübingen. Fotograf Micha hat ein gutes Herz und sammelt auf der Strecke Gig-Blog-B. und Gig Blog- J. mit Kumpel ein. Auf der Rückbank gibt es eine Nachbesprechung des Kraftwerk-Konzertes, die Musik von Jacco Gardner läuft im Auto bereits als Hintergrundmusik. Es erweckt fast den Eindruck, dass Tübingen noch der Hotspot für psychedelische Klänge für uns wird. Im Frühling ging es für Blogkollege L. zu The Vickers und New Candys nach Tübingen.

Auf dem Parkplatz des „Sudhaus Tübingen“ wehen uns Trommelklänge entgegen. Der Trommelkurs im Vorderhaus ist noch in vollem Gange, wir ziehen daran vorbei Richtung Hauptgebäude. Auf der Bühne des kleinen Saals ist noch Soundcheck, es bleibt uns noch Zeit den vielversprechenden Merch-Stand zu beäugen.

JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

Foto: Michael Haußmann

Der Kanadier Michael Rault und Band legen los und entpuppen sich nach den ersten Songs gleich als Neu-Lieblinge. Es scheint ein exklusives Konzert zu werden, eine überschaubare Zuschauerzahl hat sich zusammengefunden. Bei mir stellt sich eine leichte Co-Betroffenheit ein. Das halblange Haar hängt Michael Rault ins Gesicht. Zwischen verhuscht und Psychedelic-Rocker Appeal, gepaart mit leichtem Hüftschwung, bewegt er sich zu “Lovers Lie“ auf der Bühne. „Killer Beatles-Esque Rock n Rock“ steht in der Stilbeschreibung seines beheimateten Labels Burger Records. Das passt absolut. An manchen Stellen blitzen John Lennon und Harry Nilsson durch, der wiederum manchmal selbst wie John Lennon klang. Schon während des Sets steht fest, dass die CD „Living Daylight“ so gut wie gekauft ist. Für den längeren Solopart bei „Nothing Means Nothing“ setzt sich Michael Rault auf die Bassdrum des Drummers. Wissend, dass es wohl länger dauert, stellt der Gitarrist ihm den Mikrophon-Ständer schon mal hin. Es wird der letzte Song des Sets sein.

JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

Foto: Michael Haußmann

Es gibt noch einen Live-Soundcheck. Zwischenzeitlich sind noch paar Zuschauer hinzugekommen, weiter geht es mit Jacco Gardner. Für ihn ist es der zweite Teil seiner Europatournee in diesem Jahr. Mit seinem ersten Album „Cabinet of Curiosities“ war er bereits gelobtes Baroque Pop Wunderkind, sowie persönlicher Liebling auf meinem iPod. Das zweite Album „Hypnophobia“ ist mir irgendwie durchgerutscht, es gab so vieles anderes anzuhören. Ich setze auf das Konzert, um das Album aus der Warteschleife zu holen.

JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

Foto: Michael Haußmann

Mit Hypnophobia eröffnet das Set und setzt die psychedelische Traummaschine in Gang. Super-8-Visuals flackern im Hintergrund, abgestimmt zum Rhythmus der Musik. „Before The Down“ baut sich als langes instrumentales Wechselspiel zwischen den spinett-ähnlichen Klängen des Wurlitzer und des Basses auf. Sparsam mit Gardners halligem Gesang versehen, erinnert es an einen 60er Jahre Sci-Fi Score. Der Kreis der überschaubaren Zuschauerzahl ist verzückt. Im Publikum herrscht absolute Stille, es wird gar nicht geredet. Wenige Leute im Publikum können auch ein Korrektiv sein, nur das Stimmen der Gitarren ist zu hören. Ruhig und fokussiert spielt die Band ihr Set, jeder Zuschauer wird mal zum Blickkontakt-Partner der Musiker. Wieder sehr schön abgestimmt zeigen sich die expressionistisch angehauchten Visuals bei „Outsider Forever“, im Bühnenvordergrund schließen der Gitarrist und der Bassist die Augen beim Singen der harmonischen Melodien. Kleine Seitenentdeckung am Rande: Bassist Jasper Verhulst und Drummer Nic Niggebrugge spielen ebenfalls bei Eerie Wanda.

Eine gute Stunde dauert das Psychedelic-/Baroque Pop Cocooning. Insgesamt ein Abend mit schön anzusehenden und zuhörenden Musiker Boys. Am Merch gibt es noch einen kurzen Plausch mit Jacco Gardner. Er nimmt es gelassen hin, dass nicht so viele Besucher gekommen sind. Wir treten die Rückreise an, können es aber nicht lassen, uns vorher noch mit dem Kauf von CDs/EPs selbst zu beschenken.

JACCO GARDNER, MICHAEL RAULT, 01.12.2015, Sudhaus, Tübingen

Foto: Michael Haußmann

Jacco Gardner

Michael Rault

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