KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Soll ich es wagen? Einfach Setzers Artikel von 2011 hier rein kopieren? Merkt sicher keiner. Gucken ja eh alle nur die schicken Bilder an. Und wenn es doch einer lesen sollte, er würde wohl kaum merken, dass hier nix neues steht. Kitty, Daisy & Lewis haben wohl, wenn ich mal das Gelesene mit dem Erlebten abgleiche, ziemlich genau den gleichen Gig wie anno 2011 abgeliefert.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Ok, ganz genau natürlich nicht. Schließlich ist das dritte Album der Durham-Geschwister, das der Anlass für die aktuelle Tour ist, erst 2014 erschienen. (Produziert übrigens von Clash-Legende Mick Jones) Und ähnlich wie „Smoking In Heaven“, das mit der Tour 2011 beworben wurde, erweitert es das musikalische Spektrum des Trios nochmals ein wenig. Der traditionelle Rhythm’n’Blues, mit dem drei 2008 Furore machten, ist inzwischen mit Soul, Ska und Rocksteady und diversen anderen Retro-Stilen ergänzt worden. Vielleicht ein Grund dafür, warum sich hier im halbvollen LKA kaum typische Rock’n’Roller mit Schmalztolle und so rumtreiben. Kitty, Daisy & Lewis sind mit der Abkehr von der ganz harten Retro-Schiene im Mainstream angekommen. Kurioserweise wird dann als Einlauf-Musik ausgerechnet der Synthesizer-Klassiker „Popcorn“ gespielt. Humor scheinen die drei zu haben.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Natürlich werden sie wieder von ihren Eltern begleitet. Mutter Ingrid Weiss spielt den Bass, Vater Graeme Durham drückt sich im Hintergrund mit der zweiten Gitarre herum. Wichtige Botschaft übrigens für Eltern, die ihren Sprösslingen sündhaft teuren Musikunterricht und Instrumente finanzieren: Mit viel Glück zahlt sich das später mal aus und sichert viele gemeinsame Familienreisen und die Alterversorgung der Eltern. Musikalischer Generationenvertrag quasi.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Rein klamottenmäßig hat sich seit dem letzten Auftritt auch etwas geändert: Die Mädels treten nicht mehr in braven Kleidchen auf, sondern in glitzernden Catsuits. Auch optisch also weg vom Fünfziger-Jahre-Stil. Musikalisch bewegt sich alles im erwarteten Rahmen. Solide gespielte Rock’n’Roll-Nummern, mit wechselnden Besetzungen an den Instrumenten. Besonders am Schlagzeug pflegt jeder seinen eigenen Stil, Lewis extrem elegant und eher zurückhaltend, Kitty mit dem präzisesten Punch, Daisy mit schon fast drollig anzuschauendem, hüpfenden Körpereinsatz.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Als alter Ska-Fan freue ich mich natürlich auf „Turkish Delight“, diesen frech aus Versatzstücken alter Ska-Klassiker zusammengebastelten Titel vom aktuellen Album. Als Gaststar kommt dazu der 82-jährige jamaikanische Trompeter Eddie „Tan Tan“ Thornton auf die Bühne. Ein Sprössling der legendären Alpha Boys School und Mitschüler der Ska-Legende Don Drummond. Der Senior ist allerdings etwas übermotiviert und versemmelt nicht nur diesen Titel, sondern auch gleich noch den nächsten. Ganz anders als damals bei „Got To Get You Into My Life“, wo er 1966 für die Beatles die Trompete blies.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Den restlichen Abend haben Kitty, Daisy & Lewis dann allerdings im Griff. Routiniert und ohne allzu großem Glamour – manchmal sogar mit gewissen Längen – spielen sie sich durch ihr Set. Nach 55 Minuten endet der Pflichtteil mit ihrem Hit „Going Up The Country“ und Daisy am Steh-Schlagzeug. Erst in der Zugabe drehen sie dann noch etwas mehr auf und mit einem extralangen, schon fast psychedelischen Instrumentalteil – und einem weiteren tollen Einsatz von Kitty an der Mundharmonika – bringen die drei dann doch noch richtig Bewegung in den Laden.

KITTY, DAISY & LEWIS, 02.11.2015, LKA, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.