MUSIC AWARD REGION STUTTGART 2015, 30.09.2015, Im Wizemann, Stuttgart

MUSIC AWARD REGION STUTTGART 2015, 30.09.2015, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

„Kreativwirtschaft, Wirtschaftsförderung, Anteil am Bruttosozialprodukt, Erwähnung in der Musikwoche“ hier, „Arsch aufreißen, Eier haben, scheiß viel Arbeit“ dort. Die Wortwahl von Peter James und Michael Setzer könnte nicht unterschiedlicher sein. Und beide reden vom Music Award Region Stuttgart. James in seiner Funktion als Leiter des Popbüros, Auslober des Preises und Organisator des Abends, Setzer als Musiker, Szene-Auskenner, Silberrücken aller „Stuggi“-Blogger und Moderator der Award-Show.

Wir sind – zum vierten Mal in drei Wochen – im Wizemann. Heute bei der Vollversammlung der Stuttgarter Musikszene zur Preisverleihung des MARS. Familientreffen mit einem Hauch von Grammy: blauer Teppich, Fotowand, Stehempfang und Sekt.

MUSIC AWARD REGION STUTTGART 2015, 30.09.2015, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Wie bei den großen Awards: Preis-Kategorien, Nominierte, Laudatoren und Show Acts. Das ganze im kleineren Wizemann-Club. Einige müssen stehen, der Andrang ist größer als erwartet. Bei der geradezu rituellen Dramaturgie von Award-Shows droht Langeweile. Nicht aber, wenn Michael Setzer durchs Programm treibt. Schlag auf Schlag werden die Kategorien abgearbeitet, Laudatoren auf die Bühne geholt, Nominierte benannt und die Preisträger in kurzen Video-Einspielungen verkündet. Danksagung, Händeschütteln, Foto. Der nächste bitte.

MUSIC AWARD REGION STUTTGART 2015, 30.09.2015, Im Wizemann, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Die Jury, besetzt mit Musikschaffenden aus der Region, hat gute Arbeit geleistet. Das Goldmark’s als bester Club geht voll in Ordnung, das Komma oder den Keller Klub hätte ich mir hier auch vorstellen können. Ähnlich bei der besten Veranstaltung: dem vom Winde verwehten Stuttgart Festival mit dem Preis (Achtung, Kalauer) etwas Rückenwind zu geben, ist gut. Das ESxSW oder das Klinke Festival hätten den Preis aber auch verdient. Der Zukunftspreis für Unternehmen/Organisiationen geht an die Initiative Refugees, Welcome to Stuttgart, die davon Instrumente für die musikalische Arbeit mit Flüchtlingen beschaffen sollen.

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Foto: X-tof Hoyer

Pikant sind die Preise für die beste Musikproduktion und der Zukunftspreis Künstler. Mit den Nerven und Human Abfall werden hier – völlig korrekt – die beiden aufregendsten Acts der letzten Jahre prämiert. Beide haben aber zur öffentlichen Musikförderung kein oder ein gespanntes Verhältnis. Insbeson­dere bei den Nerven ist das Unbehagen, hier nun einverleibt zu werden, deutlich zu spüren. Julian Knoth kriegt aber noch die Kurve: „Wir danken auch dem Popbüro. Wenigstens hatten wir da etwas, worauf wir wütend sein konnten“. Der mit 5.000 Euro dotierte Zukunftspreis sichert jedenfalls die Produktion des neuen Human Abfall-Albums. Es wird – wie das der Nerven – bei Ralv Milberg entstehen. Insofern bleibt das Geld – das dürfte die Förderer freuen – im Stuttgarter Wirtschaftskreislauf.

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Foto: X-tof Hoyer

Der eigentliche Anlass für unseren Besuch ist aber nicht nur die Berichterstattung: wir sind für den Kulturpreis nominiert! Aber genau in dieser Kategorie sind einige, die ihn weit mehr verdient haben: Moritz Finkbeiner vom FFUS zum Beispiel, oder auch das Umsonst & Draußen Festival. Bekommen hat ihn dann der Veranstalter „Stuttgart Rock Promotion“, sprich: Micha Schmidt, der unermüdliche Streiter für Underground-Gigs in Stuttgart. Die wohl meistbeklatschte Preisverleihung, ein paar erheben sich sogar von den Stühlen. Zu recht.

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Foto: X-tof Hoyer

Den undankbaren Job, vor einem Saal voller Branchen-Profis zu spielen, übernehmen mit je zwei Titeln Loisach Marci, Antiheld und Motherbeast. Ersterer wirkt mit seinem brachialen Pseudo-Alpen-Techno etwas deplatziert, Antiheld liefern aus dem Stand ein solides, aber auch sehr gefälliges Power-Pop-Set und Motherbeast sind – so raunt mir Kollege Christian zu – „ein klarer Fall für Donzdorf„.

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Foto: X-tof Hoyer

Man kann sich natürlich fragen, welchen Wirkungsgrad eine Musikförderung in Form einer Gala-Veranstaltung hat. Ob sie in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen wird und was sich dadurch verändert. Und ob die Beschaffung von Proberäumen oder das Abschaffen bürokratischer Hürden für Club-Betreiber nicht letztlich mehr bewirken. Sei’s drum, Spaß hat’s trotzdem gemacht.

Die komplette Liste der Preisträger findet sich übrigens bei den Kollegen von Kessel.TV.

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