MARTHA ROSE, JFR MOON, 28.08.2015, Merlin, Stuttgart

JFRMoon_Klinke

Foto: X-tof Hoyer

XL-Konzertabend in Stuttgart, Level 2. Nach dem Auftritt von Sea + Air (deren aktuelles Album „Evropi“ unterdessen in die Top 50 der deutschen Albumcharts eingestiegen ist) steht an diesem Freitag als nächstes ein weiteres Konzert der Klinke-Sommer-Reihe im Merlin auf dem Programm. Angekündigt sind Melvin Raclette, Martha Rose und JFR Moon.

Hinter Melvin Raclette verbirgt sich Kevin Kuhn von Die Nerven, JFR Moon steht beim geschmackssicheren Label Treibender Teppich Records unter Vertrag, Martha Rose ist mir bisher noch kein Begriff. Wegen euphorischer Reiseberichte des eben erst aus Italien zurückgekehrten C. (key word: Eis) müssen wir noch einen kurzen Zwischenstopp beim Eisladen einlegen und kommen gerade noch rechtzeitig zu Konzertbeginn im Merlin an.

MarthaRose

Foto: X-tof Hoyer

Mit gut vierzig Zuschauerinnen und Zuschauern ist der Laden locker gefüllt, es werden später noch mehr. Martha Rose in Karottenjeans und rotem Top steht alleine auf der Bühne, singt und begleitet sich selbst auf der E-Gitarre. Mensch plus Gitarre ohne alles andere kann ja leicht mal etwas eintönig werden. Wird es aber hier überhaupt nicht. Martha hat eine klare, helle, ausdrucksstarke Stimme, die sie vollständig unter Kontrolle hat und spielt sehr gut Gitarre. In Kombination mit ihrer Bühnenpräsenz (schüchtern/cool) und vor allem den ungewöhnlichen, überraschenden Songstrukturen überzeugt mich das sofort. Folk oder Singer/Songwriter-Einflüsse sind sicher vorhanden, aber gleichzeitig wirkt das auch sehr modern, komplex und besonders. Die nuancenreiche Stimme mit sparsam gesetzten Highlights und das dynamische Gitarrenspiel ersetzen quasi Synthiesounds und rhythmusgebendes Schlagzeug, was man sich sonst auch noch gut dazu vorstellen könnte. Unter anderem Joanna Newsom nennt sie als Einfluss auf ihrer Facebook-Seite und ohne jetzt Expertin für diese Art von Musik zu sein, kommt das sicher am ehesten hin. Ich tippe, dass Martha aus den USA oder Kanada kommt (wegen süßem Akzent), sie kommt aber aus Brighton in England, allerdings derzeit wohnhaft (?) oder zumindest irgendwie unterwegs in Stuttgart. Erwischt mich auf jeden Fall unvorbereitet und begeistert mich. Für das letzte Stück wird Martha Rose dann noch von einem Bassisten und Melvin Raclette/ Kevin Kuhn am Schlagzeug begleitet.

Der angekündigte Melvin Raclette Soloauftritt fällt dann allerdings aus (Grund wohl bissle Stress und Müdigkeit wegen Terminen mit Die Nerven und Wolf Mountains), da er aber bei JFR Moon ebenfalls quasi durchgehend am Schlagzeug sitzt, voll ok.

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Foto: X-tof Hoyer

JFR Moon habe ich Anfang des Jahres im Vorprogramm von Klaus Johann Grobe gesehen und war damals nicht so ganz überzeugt. War mir ein bisschen zu ruhig. Jetzt mit Band gefällt mir das sehr viel besser. Außer Kevin Kuhn und einem zusätzlichen Gitarristen ist auch Martha Rose mit wechselnden Instrumenten (Synthesizer, Violine, Gitarre, Bass, Percussion) plus Gesang Teil der Band. Der Großteil der Stücke ist sehr ruhig, getragen und hypnotisch. Auf der Suche nach einem Genre werde ich bei Jan Georg Plavec fündig, der JFR Moon hier sehr treffend beschreibt. Acid Folk, genau.

Der stets gut informierte F. erklärt mir später noch, dass das aktuelle JFR Moon Album „Honey I Can’t Concentrate I’m Collecting Minerals On My Body“ heißt, wobei jedes Wort bzw. Wortgruppe des Titels wiederum einen Songtitel konstituiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei mir obskurer Stuttgart-Kram (Martha Rose, JFR Moon) heute erneut etwas besser ankam als etwas weniger obskure Indie-Stars mit Charts-Ambitionen (Sea & Air) (vgl. ähnlich gelagerter Fall Torben Denver Band vs. Locas In Love). Insgesamt aber natürlich toll und lobenswert, wieviel interessante Musik man in der Stadt an ein- und demselben Abend trotz Sommerferien hören kann.

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Foto: X-tof Hoyer

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