LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

LaBrassBanda im Rahmen der KSK Music Open im Schloss Ludwigsburg. Da gibt’s gleich zwei Gründe dabei zu sein: zum einen die ober-sympathische Blaskapelle aus dem Chiemgau, die live (fast) nie enttäuscht und zum anderen das gigantische Barockschloss mit seinem imposanten Innenhof, der schon Kollegen Carsten kürzlich bei Casper beeindruckt hat.

Dieser Hof ist schon am frühen Abend gut gefüllt. Die Vor-Vor-Band Die Grüne Welle haben wir infolge eines typischen Sommerbaustellen-Staus leider verpasst. Inzwischen spielen auf der riesigen Bühne die Lokalmatadoren Spicy Roots. Allerwelts-Ska, der mich nicht fesseln mag. Da bleibt Zeit sich umzuschauen. Und ich stelle fest: der hintere Teil des Hofes gleicht mit mit seinen vielen Essens- und Getränkeständen eher einer Kirmes. Und das Hype-Thema „Street Foot“ hat offensichtlich den Weg nach Ludwigsburg auch noch nicht gefunden.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Im Laufschritt stürmen LaBrassBanda punkt dreiviertelneun auf die Bühne und legen unmittelbar mit Ihrem Hochtempo-Brass-Techno los, der uns durch den ganzen Abend treiben wird. Frontmann Stefan Dettl weiß kaum, wohin mit seiner Energie: er trompetet, tanzt, fuchtelt, treibt an. Ich frage mich, wie er dies – angesicht seiner stämmigen Statur – eigentlich über eineinhalb Stunden durchhalten will. Die gesamte Kapelle ist sofort auf Vollgas. Die Band-Vergrößerung, die wir bereits vor drei Jahren auf dem Killesberg feststellen konnten, hat sich bewährt. Insgesamt drei Trompeten und zusätzliche Percussions erhöhen den Druck nochmals.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Der Ausnahme-Tubist Andreas Hofmeir hat die Band zwar inzwischen verlassen, die Neubesetzung mit Stefan Huber scheint aber keinen musikalischen Rückschritt bewirkt zu haben. Zumindest nach dem zu urteilen, was die Band heute Abend zu Gehör bringt. Das ist alles laut, schnell und extrem rhythmisch. Ruhigere Titel mit mehrstimmigen Bläserharmonien, die durchaus einen großen Teil von LaBrassBandas Sound ausmachen, oder virtuose Soli bekommen wir heute kaum zu hören. Heute ist Party, voll auf die Zwölf. Der barocke Schlosshof wird zu einer Mischung aus Großraum-Technoclub und Bierzelt.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Das Schloss hat’s Dettl angetan: „Alter Vater. Was für ein Schloss! Scheiß auf Herrenchiemsee!“ schmeißt er sich an die Ludwigsburger ran (natürlich alles in breitestem oberbayrischen Dialekt, den man sich hier bitte dazu denke). Überhaupt: er ist mit Sicherheit einer der besten Frontmänner, die man sich wünschen kann. Spontan, direkt, urkomisch, authentisch und ein absoluter Sympathie-Bolzen. Er steckt jeden mit seiner Begeisterung an, dampfplaudert ohne Punkt und Komma und spart nicht mit Lob und Dank an alle. An die Veranstalter, die Crew, die Kinder (die er zu einer Tanzeinlage auf die Bühne holt), das Publikum, die Vorbands, die Nachbarn, die Security und, und, und. Zudem ist er ein echter Bandleader, der immer wieder Zeichen für den nächsten Einsatz gibt. Und natürlich: ein Publikums-Animateur par excellence. Kein noch so abgedroschenes Publikums-Spielchen wird ausgelassen. Bis hin zum kollektivem „Soul-Tanzkurs“ treibt er die Massen.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Dabei hat er schon zu Beginn per Handzeichen feststellen lassen, dass ein großer Teil des Publikums zum allerersten Mal auf einem LaBrassBanda-Konzert ist. Aus dem Fundus ihrer drei Studio-Alben packt die Kapelle bevorzugt die schnellen Titel aus, natürlich das obligatorische „Bierzelt“, das funkige „Ringlbleame“ und die eher technolastigen Tracks „Schweden“ und „Holland“ vom Album „Europa“. Dazu Cover wie „Around The World“ von Daft Punk oder das Medley aus „Amadeus“, „Das Model“ und „Neunundneunzig Luftballons“, das sie erst kürzlich in England zum besten gegeben haben.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Mit einer Metal-Version von „Inter Mailand“ verkündet Dettl, dass sie davon träumen, einmal auf dem Wacken Open Air aufzutreten. Und ich zweifle nicht, dass sie das auch schaffen werden. Die festgelegte Spielzeit wollen die Jungs von LaBrassBanda jedenfalls nicht einhalten. Zwei Stunden müssen es schon sein. Inklusive des entbehrlichen „Nackert“, mit dem LaBrassBanda fast Deutschlands Vertreter beim ESC geworden wären. In der Zugabe natürlich die Hits „Autobahn“ und „Bauersbua“, alles mit maximalem Tempo, unfassbar schnellem Sprechgesang und einer Band, die sich bis zur völligen Erschöpfung schindet. Unglaublich die Energieleistung von Schlagzeuger Manuel da Coll.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

Und so beeindruckend das alles ist, letztlich ist es eine musikalische Kraftmeierei, die in ihrer Wiederholung manchmal fast etwas öde wirkt. Dabei kann diese Band so viel mehr: man höre sich nur das Akustik-Album „Kiah Royal“ oder das aktuelle „Europa in Dub“ an. Da wünscht man sich sehnlichst einen kleineren Rahmen, in dem auch die leisen Töne wieder hörbar werden. Aber das ist wohl der Fluch des Massenerfolgs und der großen Open-Air-Bühne.

LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

Foto: Michael Haußmann

2 Gedanken zu „LABRASSBANDA, 05.08.2015, Schloss Ludwigsburg

  • 7. August 2015 um 20:33
    Permalink

    Vielen Dank für den großartigen Beitrag über LaBrassbanda. Als Fan der frühen Stunde war eine längere Pause dringend erforderlich. Die kleinen Konzerte wie beispielsweise im LKA dürften der Vergangenheit angehören. Der Band sei es gegönnt. Über die Dub-Platte finde ich aber wieder Zugang und höre sie, wenn nicht im Bierzelt, dann langsam und zuhause. Darauf trinke ich ein Camba-Love-Bier. Prost!

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