SNOOP DOGG, 21.07.2015, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

Ja Mann! Snoop! Westcoast! Tha Shiznit! Dass ich das nochmal erleben darf. Der lässigste Rapper weit und breit kommt nach Stuttgart. Sein einziges Deutschlandkonzert ausgerechnet bei uns. Warum, kann ich mir auch nicht ganz erklären. Ist mir aber auch scheißegal. Snoop! 4500 Karten in nicht mal einem Tag ausverkauft. Ist halt immer noch einer der ganzen dicken Karpfen im Teich.

In Königslaune schlendern wir gemeinsam mit vielen Anderen durch den Park runter Richtung Freilichtbühne und zischen schonmal ein oder zwei Bierchen. Der Menschenstrom ist buntgemischt, alters- und auch styletechnisch. Dumm nur, dass da auch wirklich gut getarnte Zivilbullen dabei sind. Kaum zündet sich einer nicht weit von mir entfernt eine etwas andere Zigarette an, klopfen ihm auch schon zwei vermutlich 12-jährige Polizisten auf die Schulter (die müssen beim Alkohol kaufen bestimmt immer selbst ihren Ausweis zeigen). Mitkommen, Personalausweis, der ganze Scheiß… echt jetzt??? Beim Snoop? Okay, Kontrollen waren angekündigt und ich verstehe auch noch einigermaßen, dass man das bei Autofahrern macht. Aber hier im Park harmlose Menschen, die sich gutgelaunt und vollkommen friedlich ein Tütchen anzünden, hinterrücks rauszuziehen. Schämt Euch. Wo ist denn da der tiefere Sinn dahinter? Scheint mir reine Schikane zu sein. Oder Neid, weil hier alle so gut drauf sind. Aber gut, wieder runterkommen. Stimmung nicht versauen lassen. Ich hoffe das Karma wird’s richten.

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

Ich habe meine Frau und ein paar meiner besten Freunde dabei und kann es immer noch nicht glauben. Snoop! Jaja, es wurde viel gefeixt ob er überhaupt kommt wegen der Sache in München. Aber… vielleicht hat München ihn einfach nicht verdient. Wir aber schon. Vor allem ich. Deshalb wird er auch kommen. Ganz sicher. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit Bier und finden ein nettes Sitzplätzchen ziemlich nah an der Bühne. Nur die Sonne brennt uns unerbittlich aufs Haupt. Aber in ein paar Minuten wird die auch hinter den Bäumen verschwunden sein. Endlich. Die Atmosphäre ist jedenfalls klasse. Überall gutgelaunte Menschen im gut gefüllten Rund. Tolle Location. Draußen im Park haben es sich die gemütlich gemacht, die keine Karten mehr bekommen haben oder denen der Fuffi zu viel war.

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

Als Einheizer steht ein dicker Kerl mit noch dickerer Goldkette auf der Bühne. Hab verpasst wer der ist. Irgendwie von BigFM oder so. Am Anfang wunder ich mich doch sehr was das Ganze soll. Im Endeffekt spielt der DJ Songs aus allen möglichen Zeiten der Hiphop-Ära an und der vorne rappt hier und da bissle rein und stachelt das Publikum ordentlich an. Nach ein paar Minuten grooven wir aber mit. Zu Run-DMC, De La Soul und vielen anderen Songs aus meiner Jugendzeit. Zugegeben: Hiphop ist verdammt noch mal nicht mein Fachgebiet, Donnie! Aber die alten Hits liefen ja damals überall auf Heavy Rotation. Und Snoop, ja Snoop, der lief eh außer Konkurrenz. Mensch, was haben wir die Doggystyle rauf- und runtergehört. Auf unzähligen Parties, Autofahrten und Reisen. Lässiger ging es nicht und geht es immer noch nicht. Der Doggfather hat einfach dem smoothesten Flow. Da kommt keiner ran. Kann’s kaum erwarten ihn zum zweiten Mal live zu sehen. Dauert wohl noch bissle. Wir vertreiben uns die Zeit mit Bier und einem Sandwich. Die gute Laune steigt ins Unermessliche. Vor der Bühne wird ein grünes Bengalo gezündet, es regnet Glitter und die Hände gehen von links nach rechts. Hip Hop Horray! Hooo! Heyyyy! Hoooo!

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

Drei kombinierte Toiletten-Bierholgänge später (jedes Mal haben wir Angst, dass er genau da auf die Bühne kommt und wir es verpassen) ist es dann soweit. Kurz nach 21 Uhr betritt der Kultrapper engelsgleich die Bühne, schlicht gekleidet, in grauer Jogginghose und weißem Shirt, Sonnenbrille und bissle Goldschmuck. Die Party beginnt. Wann genau was für ein Song kam, kann ich beim besten Willen nicht mehr wiedergeben. Ich war viel zu beschäftigt mit grooven, absteppen, mitsingen und Bier trinken. Und egal wo ich hinschaue, überall zufriedene Gesichter. Meine Freunde und meine Frau strahlen um die Wette. Auf den Sitzen hält uns schon lange nichts mehr. Kurz wird die gute Laune unterbrochen weil sich unser „Freund & Helfer“ blicken lässt. Es hagelt Buhrufe und verbale Hasskanonaden. Weg sind sie wieder. Gut so. Braucht kein Mensch hier. Zurück zum Geschäft.

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

D O Double G! Neue Songs? Fehlanzeige. Snoop weiß, was seine Fans hören wollen. Songs wie „P.I.M.P.“, „Gin & Juice“ oder „Who Am I (What’s My Name)“. Dass viele Songs nicht ausgespielt werden, fällt mir erst hinterher auf. Ist mir in meiner Extase entgangen. Auf der Bühne wird der Doggfather von einer Band und ein paar sexy Tänzerinnen unterstützt. Der ist mittlerweile auf Party gepolt und fragt „Stuttgart, do you love Rock’n’Roll Music?“… Ja Mann, tun wir! Und dann rocken wir mit Snoop zu Joan Jetts „I Love Rock’n’Roll“. Songs wie Katy Perrys „California Girls“ und „Drop It Like It’s Hot“ setzen dem Ganzen das Partykrönchen auf. Was ein Brett! Zu Wiz Khalifas „Young, Wild & Free“ (war der Song eigentlich schon immer so gut?) werden dann sogar noch die Feuerzeuge ausgepackt und alles singt mit. Noch ein bissle standesgemäße Lobhudelei auf Biggie und Tupac und kurz vor 22 Uhr (so ist das auf der Freilichtbühne wegen der Anwohner wohl immer vorgesehen) ist dann schon Feierabend. Bob Marleys „Jammin“ setzt den Schlusspunkt unter ein legendäres Konzert. Aber der Doggfather gibt uns noch eine letzte Lebensweisheit mit auf den Weg: „Smoke weed every day!“

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

Snoop has left the building. Ohne Zugabe, was den ein oder anderen kurz buhen lässt. Mir ist das egal, ich find das Zugabengedöns eh überflüssig. Ich bin glücklich, meine Freunde sind es auch, die meisten anderen wohl auch. Und natürlich werden morgen manche sagen, dass das viel zu kurz war und nicht sooo der Hammer. Macht vielleicht auch einen Unterschied, ob man den langen Lulatsch wirklich lieb hat oder ob man sich mal eben einen US-Superstar anschauen geht, zu dem man eigentlich nie wirklich Zugang hatte. Wir hatten jedenfalls eine abartig gute Party, der Rest ist mir egal. Ich werde jetzt sicher nicht anfangen Minuten in Euro aufzurechnen. Und auf die Länge kommt es ja bekanntlich sowieso nicht an. Snoop war da und er wird wiederkommen. Hat er jedenfalls versprochen, sinngemäß in etwa so: „I’ll come back to Stuttgart whenever you motherfuckers want me to.“ Ich nehm ihn beim Wort. Wie wär’s mit nächste Woche? Snoop Dogg Motherfucker! Westcoast! For Life!

Auf dem Heimweg und auch noch am Tag drauf summe und singe ich (und nicht nur ich) dann immer wieder plötzlich los:

„So what we get drunk
So what we smoke weed
We’re just having fun
We don’t care who sees
So what we go out
That’s how it’s supposed to be
Living young and wild and free“

Snoop Dogg

Foto: Steffen Schmid

3 Gedanken zu „SNOOP DOGG, 21.07.2015, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart

  • 22. Juli 2015 um 18:26
    Permalink

    hm, ich hatte irgendwo gelesen, es sei sowas wie ne band mit dabei gewesen? weder im text noch auf den bildern seh ich sowas. war das so?

  • 22. Juli 2015 um 19:11
    Permalink

    Doch… steht im Text. Aber nur kurz erwähnt. Band und Tänzerinnen waren mit am Start.

  • 7. August 2015 um 20:44
    Permalink

    @Fabian „Auf der Bühne wird der Doggfather von einer Band und ein paar sexy Tänzerinnen unterstützt.“

    Insgesamt wenig Fakten, aber die Emotionen kommen super ‚rum. da habe ich wohl etwas verpasst.

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