MALKY, 11.02.2015, Schocken, Stuttgart

Malky

Foto: Michael Haußmann

Krankheitsvertretung also. Kollege Thorsten Weh hätte eigentlich schreiben sollen. Wäre auch nur logisch als großer Soulexperte. Die Winterviren haben aber was dagegen. Ich dann eben Krankheitsvertretung. Darf man sich ungefähr so vorstellen, wie wenn der Matheleistungskurs vertretungsweise jetzt vom Sportlehrer gehalten wird. Also, Mathehefte raus: Liegestütze!

Und der Abend geht gleich mal top los. Schocken, im Normalfall hieß das bisher immer, dass es frühestens um 21 Uhr losgeht. Der Blick heute auf die Schocken Homepage mit der Angabe „Einlass 20:30 Uhr“ bestätigte diese wahrhaft nicht kühne Vermutung. Fünf vor Neun kommen wir an, das Schocken ist voll, mit „Beautiful Vacation“ läuft schon der vierte Song des Abends. Da predige ich jahrelang die Vorzüge früher Konzertbeginne, und dann das…

Malky

Foto: Michael Haußmann

In medias res, das Schocken ist sehr gut gefüllt mit hauptsächlich jungen Menschen, erfreulich viele Frauen darunter. Malky, eigentlich ein Duo, stehen als Quintett auf der Bühne, und das erwähnte „Beautiful Vacation“ erfreut gleich mal mit einem sehr wohltemperierten Sound. Das bisschen, was ich von den Leipzigern kenne, klang auf eine sehr gute, entspannte Weise soulig. Der Song jetzt ist eher ein melancholisches Indiestück, mit souligem Gesang allerdings.

Der nächste Song „Let Believe“ kommt da insgesamt mit deutlich mehr Souleinschlag daher, geschmackvoll, dezent arrangiert. Die Musik hat viel Raum und Zeit zum Atmen, der entspannte Groove löst jegliche Verkrampfung. Über allem die Stimme Daniel Stojanovs. Ein tolles Timbre, die souligen Phrasierungen klingen natürlich, gar nicht so Hochleistungsgejaule wie gerne in diesen Zeiten. Wirklich eine tolle Stimme!

„Whose Order“ wird nun als akustischere Version angekündigt, da das Original „zu pompös“ sei. Zu hören gibt es also einen sehr gelungenen Soulsong mit vielen, angenehm klingenden Vierklangakkorden. Wenn man Stevie Wonder sagt, liegt man bestimmt nicht ganz daneben. Die Leutchen haben die richtigen Referenzen, auf jeden Fall. Ebenfalls toll „Babylon Three“, auch hier wieder im ruhigen Tempo, erinnert mich vom ganzen Ding her etwas an Zero 7. Der Sound ist übrigens sehr gut, kann man nicht meckern.

Malky

Foto: Michael Haußmann

Bei „Play“ perlt das E-Piano so wunderbar 70ies mäßig, während die Gitarre ein jazzrockiges Solo gibt. Im Prinzip machen Malky so etwas Ähnliches wie The Stepkids. Modernen R’n’B, mit deutlichen Verweisen auf die Vergangenheit des Genres, hauptsächlich den 60ern und 70ern. Während The Stepkids allerdings deutlich experimenteller, virtuoser und psychedelischer an die Sache herangehen, pflegen Malky eine straightere, ruhigere Heransgehenweise, und klingen trotz aller, positiv gemeinten, Reife frisch. Das Songmaterial ist abwechslungsreich, obwohl die Grundstimmung meistens eine eher ruhige, gelassene ist. Und den Spagat zwischen massenkompatibler Zugänglichkeit und stilsicherem Anspruch bekommen sie gut hin.

„Showdown“ ist ein fast schon schwer zu nennender Bluesrocker, mit einem Refrain, der ein wenig an die Hochzeiten des AOR in den 80ern erinnert. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Band innerhalb ihres Soundkosmos doch sehr variieren kann. Danach wird „Que Sera Sera“ kurz mit dem, im Übrigen begeisterten, Publikum angesungen, um dann mit „Upper Room“ als vorletztem Stück weiterzumachen. Ein Lied mit sehr trip-hopigem Beginn, mit einem dann etwas zu gefälligem Refrain für meinen Geschmack. Der erste und einzige Part des ganzen Abends, der mir jetzt nicht so zusagt, da er mir zu gewöhnlich und flach klingt. Aber macht nichts, denn das noch nicht veröffentlichte „Stuck In Time“ kriegt mich dann wieder total. Ein wunderbar dominantes E-Piano, tolle Komposition, irgendwo in der Schnittmenge Amy Winehouse und früher Jamiroquai. Wirklich sehr toll!

Es gibt natürlich noch zwei Zugaben. „History Of Broken Hearts“ und „Human Love“ um genauer zu sein, nicht ohne sich sehr nett noch beim Publikum bedankt zu haben. Auch die Ansprachen, wie die Musik, auf eine angenehme Art und Weise schlicht, ruhig und sympathisch. So dass mir nach Ende des Konzerts um 21:50 Uhr nur übrig bleibt, den „Stranger“ aus „Big Lebowski“ zu zitieren: „I like your style!“.

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