ICELAND AIRWAVES, 05.11.-09.11.2014, Reykjavík, Island

Foto: Holger Vogt

Seit Jahren machen mir die werten Gigblog-Kollegen den Mund wässrig, geraten regelmäßig ins Schwärmen und bekommen einen glasigen Blick, wenn sie vom tollsten aller Festivals berichten. Und nun bin ich selbst dort: auf dem Iceland Airwaves. Was für ein unglaubliches Geschenk haben mir meine Familie und Freunde mit dieser Reise gemacht!

Schon die Vorbereitung war eine Herkules-Aufgabe. Im Laufe des Jahres füllte sich langsam das Line-Up, einige internationale Acts, sonst aber vornehmlich isländische Bands, einige davon bekannt von feinen Gigs in Stuttgart, die große Mehrheit aber musikalisches Neuland. Gar nicht so einfach, aus den gut dreihundert Gigs das relevante herauszufiltern. Im Oktober dann der Schock: Dies ist nur das offizielle Programm, das Off-Venue-Programm bietet nochmal weitere 675 Events (hätte mir ja mal einer vorher sagen können). Oh mein Gott, das ist selbst mit der praktischen Festival-App nicht mehr in den Griff zu bekommen…

Foto: Holger Vogt

Mittwoch, 05.11.2014

Jetzt stehen wir also im Foyer des beeindruckenden Kulturzentrums Harpa und bekommen den begehrten Festival-Bändel angelegt. Fünf Tage und eintausend Gigs liegen vor uns. Die Strategie ist: Ein paar Fixpunkte im Festival-Programm werden gesetzt, der Rest soll eine Mischung aus Zufall und spontanen Ideen sein. Den ersten Abend verbringen wir erstmal im Harpa. Der gigantische Neubau, der die Silhouette von Reykjavík beherrscht, beherbergt unter anderem vier Konzertsäle, die beim Airwaves genutzt werden.

Foto: Holger Vogt

Wir schauen uns zum Auftakt Benny Crespo’s Band (mit Lay Low), Sin Fang und Kaleo an. Und uns leidgeprüften Konzertgängern klappt erstmal die Kinnlade herunter: Jeder dieser Gigs bringt eine derart brillante Sound- und Lichtqualität, wie wir sie daheim nur in absoluten Ausnahme-Gigs erleben. Das Programm ist – übrigens über das gesamte Festival und alle Locations hinweg – so durchgetaktet, dass jeder Auftritt (exakt) vierzig Minuten dauert und dann zwanzig Minuten für den Aufbau der folgenden Band verbleiben. Und in diesen zwanzig Minuten müssen häufig nicht nur gewaltige Mengen Material bewegt, sondern auch der Soundcheck gemacht werden. Dass dies nahezu immer mit einer derartigen Präzision klappt, grenzt an ein Wunder. (Oder ist das isländisches Organisationstalent?)

Kaleo sind übrigens eine der ersten Entdeckungen des Festivals. Eigentlich ja nicht mein Ding: relativ konventioneller Folk- und Bluesrock. Aber mit einer derart massiven Live-Performance liefern die Youngsters um den beeindruckenden Frontmann Jökull Júlíusson ein erstes Highlight.

Donnerstag, 06.11.2014

Foto: Holger Vogt

„Yes, it’s a tourist trap. But you must see it“. Sesselja, in deren knuffiger Einliegerwohnung wir einquartiert sind, bestätigt es: die Blaue Lagune – das Thermalbad in der Nachbarschaft eines Geothermal-Kraftwerks – muss man trotz der gesalzenen Eintrittspreise gesehen haben. Und da dies unser erster Besuch in Island ist, scheuen wir uns nicht, auch absolute Touri-Spots anzusteuern. In diesem Fall sogar ganz besonders dekadent: Wir haben das All-Inclusive-Angebot „Iceland Airwaves Blue Lagoon Chill“ gebucht. Ein Buffet und Drinks im „Lava-Restaurant“, dazu ein Konzert von Kaleo und danach ein Bad im 39° warmen Thermalwasser. Isländische Fisch-Spezialitäten, erlesenes Finger Food und Sushi bis zum Abwinken, Kaleo spielen dazu eine grandiose Coverversion von Lee Hazlewoods „Bang Bang“. Das ist schon fast zu viel des Guten. Im Becken dümpelt das Airwaves-Publikum: eine Tattoo- und Vollbart-Leistungsschau vom feinsten.

Das Abendprogramm beginnen wir mit den Rüpel-HipHoppern Úlfur Úlfur, die in der Lobby eines Hostels auftreten. Textlich verstehen wir nix, stellen aber fest, dass die knarzende Sprache bestens zum Rappen geeignet ist. Ihre Videos eröffnen jedenfalls verstörende Einblicke in die isländische Freizeitgestaltung.

Der Job unserer Vermieterin ist übrigens, den Radverkehr in Island zu fördern, und so hält sie in ihrer Garage eine Auswahl von Zweirädern bereit. Wir sind nun also von Club zu Club mit einem roten Tandem unterwegs, was von Passanten ungläubig bestaunt oder sogar beklatscht wird. Unseren Beitrag zur Förderung haben wir jedenfalls geleistet. Als wir mit besagtem Tandem im Club-Bermuda-Dreieck der Altstadt eintreffen, haben sich vor den Venues schon ein paar Schlangen gebildet. Zuerst entern wir (ohne Schlangestehen) das Reykjavík Art Museum, wo Útidur, die wir aus kleinerem Rahmen kennen, auf der großen Bühne ihren immer komplexer werdenden Mariachi-Balkan-Indie-Pop präsentieren. Danach reihen wir uns in der Schlange vor dem Húrra ein, ohne genau zu wissen, was uns dort drin erwartet.

Foto: Holger Vogt

Es soll einer der skurrilsten Gigs werden. Als wir in dem knackvollen, überhitzten Club eintreffen, toben auf der Bühne Kött Grá Pje. Der eher nach Metal aussehende Sänger ist halbnackt, ultratiefe Synthie-Bässe lassen den Raum beben, herausgerotzt wird isländischer HipHop. Zum Höhepunkt wirft der rustikale Frontmann als Liebesgabe seine Socken ins Publikum, die sich aber zur allgemeinen Erleichterung in der Deckendeko verfangen. Da wir nun schonmal drin sind in diesem urigen Laden, nehmen wir gleich noch die zwei nächsten Gigs mit: zuerst Reykjavíkurdætur, ein circa zwanzigköpfiges feministisches Rap-Kollektiv, das komplett in jungfräulichem Weiß gekleidet und mit blutigen Flecken im Schritt und an den Beinen dekoriert ist. Die Art der Performance erinnert jedenfalls eher an eine Abiturienten-Abschlussfeier.

Foto: Frank Buchheit

Danach die aktuell Erstplatzierten der isländischen Charts, AmabAdamA. Roots Reggae mit isländischen Texten. (Kollege Stefan von Stuttgigs, dessen Wege wir immer wieder kreuzen, bezeichnet dies nicht zu Unrecht als „Kiffer-Reggae“) Danach schnell wieder hinüber ins Harpa, wo wir gerade noch die letzten drei Titel der Pins mitbekommen. Der Headliner des Abends sind La Femme, die uns Anfang des Jahres im Schocken großen Spaß gemacht haben, hier aber einen eher durchschnittlichen Gig abliefern.

Freitag, 07.11.2014

Foto: Holger Vogt

Gullni hringurinn, der Golden Circle, das nächste Touri-Highlight steht auf dem Programm: eine Ganztages-Tour zu Geysiren, Wasserfällen und tektonischen Naturwundern. Genau das, wonach man normalerweise die Beine hochlegt. Nicht so wir: ab mit dem Tandem in die Innenstadt, rein in die Clubs und Kneipen auf der Hauptstraße Laugavegur. Der erste Besuch bei Lord Pusswhip im Dillon ist uns zu klaustrophobisch, weiter ins Hitt Húsið zu Electric Elephant. Embassylights im herrlich verschrobenen Iðnó langweilen uns, also ab in die alte Oper „Gamla Bió“. Dort sehen wir den finnischen Elektro-Popper Jaako Eino Kalevi und das aktuelle, lokale Hype-Projekt Young Karin, ein TripHop-Pop-Trio, in dem neben Logi Pedro Stefánsson von Retro Stefson auch Hrafnkell Örn Guðjónsson, der markante Schlagzeuger von Agent Fresco mitspielt. Wir reiben uns verwundert die Augen, wieviele wunderbar geeignete Locations diese Stadt bietet. Auch hier Sound und Licht immer vom Feinsten.

Zum schon fast traditionellen Abschluss im Harpa (hier steht unser Tandem ganz luxuriös in der Fahrrad-Tiefgarage) stolpern wir bei Anna Calvi rein und bereuen, nicht den ganzen Gig gesehen zu haben. Die Dame füllt den wirklich großen Saal mit einer großartigen Stimme und enormer Präsenz. Da haben wir wohl was verpasst. Die Schwedin Zhala bringt dann neben einer lustig-kitschigen Bühnendeko (inklusive einer nackten Frau, die lasziv Trauben isst) und einer reichlich durchgeschossenen Show viel Playback und Disco-Techno mit orientalischen Elementen mit. Noch eine Spur alberner sind dann FM Belfast. Im großen Rahmen und nach einem derartigen Tag geht uns dieser außer Kontrolle geratene Kindergeburtstag doch ein wenig auf die Nerven. Feierabend für heute.

Samstag, 08.11.2014

Wichtiges Festival-Thema: Bier. Da ist Island bekannterweise ein teures Pflaster. Die kleine Dose des Standard-Bräus „Gull“ kostet gerade noch finanzierbare 4,70 Euro, lokale Craftbiere wie das Borg Úlfur IPA oder gar das preisgekrönte Borg Guran Stout reißen mit 8,70 bzw. 13 Euro schon ganz schöne Löcher in die Reisekasse. Das schöne an den knackigen Preisen: trotz vieler Gigs bleibt der Konsum moderat. Kein Problem, morgens aus der Falle zu finden. (Gewöhnungsbedürftig bleibt allerdings das schweflige Heißwasser bei der Morgendusche. Statt Frische verbreitet sich im Bad der Odeur des Leibhaftigen)

Foto: Holger Vogt

Der wunderbar sonnige Samstag beginnt wieder auf dem Laugavegur, diesmal im putzigen Plattenladen Smekkleysa (Bad Taste Records). Sindri Eldon & the Ways sind zwar noch nicht richtig wach, machen aber klassischen Punk-Rock im Stile von The Clash. Und mit jedem kräftigen Schlag auf das Becken verabschiedet sich dieses in die Kulisse, wo es von flinken Zuschauern eingesammelt und rechtzeitig zum nächsten Einsatz wieder auf dem Schlagzeug platziert wird. Erfrischend unperfekt nach all den Profi-Gigs. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Una Stef (der isländischen Alica Keys) landen wir in der Lobby des Hotel Alda bei den Indie-Käuzen Prins Póló, bei denen sich kurioserweise neben den obligatorischen Airwaves-Hipstern ein kompletter Kindergarten eingefunden hat. Das Schlagzeug ist zu laut, kurzerhand lässt sich der Drummer aus der Küche zwei Spülbürsten liefern, die als Jazzbesen herhalten müssen.

Foto: Holger Vogt

Am anderen Ende des Hafens liegt das Hotel Slipbarrinn, in dessen Lobby und Bar natürlich auch eine Bühne aufgebaut ist. Der Laden ist zum Bersten voll. Und das zu recht: mit Grísalappalísa und Agent Fresco stehen zwei Schwergewichte der isländischen Rockmusik auf dem Programm. Über Grísalappalísa’s kruden Kraut-Punk-Mix mag man streiten, Frontmann Gunnar Ragnarsson mit seinem geradezu penetranten Ranschmeißen und einem Auftritt irgendwo zwischen Jürgen Markus, Billy Idol und Plastic Bertrand ist allemal sehenswert. Ich fand’s großartig.

Meinen musikalischen Horizont erweitert haben allerdings die darauf folgenden Agent Fresco. Das Genre Math Rock war mir bis dato unbekannt, der Vortrag dieser Band, insbesondere des exaltierten Frontmanns Arnór Dan Arnarson und des sensationellen Drummers Hrafnkell Örn Guðjónsson ist derart kraftvoll, rhythmisch vertrackt und hochspannend, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekomme. Definitiv einer meiner Höhepunkte des Festivals.

Der mit großen Tamtam angekündigte allerletzte Gig der schwedischen Disco-Truppe The Knife ist  komplett überfüllt und nach bereits drei Titeln derart langweilig, dass ich vorziehe, frühzeitig ins Gamla Bio umzuziehen. Auf dem Weg dorthin – gerade weise ich zwei verirrten Göppingern den Weg zum nächsten Club – sehe ich über dem Hafen tatsächlich ein Polarlicht. Von Stadtlicht und Vollmond leider überstrahlt, aber dennoch deutlich zu sehen: das grünliche Gewaber einer Aurora Borealis. Wow.

Im Gamla Bio spielen – kurzfristig als Ersatz für die ausgefallenen Jungle eingesprungen – Retro Stefson, und liefern mit einer fröhlichen Party den perfekten Schlusspunkt für einen großartigen Festival-Tag.

Sonntag, 09.11.2014

Foto: Frank Buchheit

Der Sonntag bietet, außer dem obligatorischen Abschluss-Gig – letztes Jahr mit Kraftwerk, dieses Jahr mit den Flaming Lips – nur noch ein reduziertes Programm. Viele der 5.000 ausländischen Festival-Gäste befinden sich bereits auf der Rückreise. Wir nehmen das Angebot einer ganz besonderen Off-Location, nämlich des Ion Luxury Adventure Hotels an, mittels Shuttle Bus zu einem Konzertnachmittag gefahren zu werden. Für das Konzertprogramm hat man einen Nebenraum reserviert, ein livrierter Kellner hält kühle Getränke bereit, man macht es sich auf Sofas und Stühlen bequem, und der Nachmittag beginnt vor zwanzig Zuschauern. (Der Rest kommt mit zwei weiteren Minibussen, man hatte den Andrang wohl unterschätzt). Es beginnen The Anatomy of Frank, eine fünfköpfige Folk-Kapelle aus Charlotteville, Virginia, die mit 14 Gigs eindeutig den Titel Hardest Working Band des gesamten Festivals errungen hat. Die etwas steife Atmosphäre des Luxus-Schuppens haben die fünf im Nu gebrochen, zum Schluss singen alle mit.

Foto: Holger Vogt

Zwei weitere Auftritte – der sehr ernste Singer-Songwriter Pétur Ben und die Band Ylja – lassen den Nachmittag im Flug vergehen. Zum Abschluss dieses Abends, und damit auch für uns zum Abschluss des Festivals, kommt Svavar Knútur auf die Bühne. Svavar ist übrigens aktuell einer der Organisatoren der regierungskritischen Demonstrationen und dürfte eine ziemliche Bekanntheit in Island haben. Heute Abend bietet er einen kurzen Ausschnitt aus seinem Programm, bittet zu „While The World Burns“ einen amerikanischen Freund auf die Bühne und der gemeinsame Vortrag ist so ergreifend, dass viele (auch ich) zu Tränen gerührt sind. Aber Svavar wäre nicht Svavar, wenn er nicht auch wieder den ganz Laden zum Mitsingen und Lachen brächte. Kurz spielt der mit dem Gedanken, da er ja der letzte sei und wir ohnehin in dieser Einöde gefangen seien, uns quasi als Geiseln zu nehmen und den obligatorischen 40-Minuten-Rahmen zu sprengen. Als dies auf Begeisterung stößt, erkennt er hierin das „Stockholm-Syndrom„. Kurzum: mit Svavar Knutur haben wir den perfekten Abschluss für das Festival gefunden. Mit seinem isländischen Charme und Humor, seiner virtuosen Musikalität und seiner Authentizität ist er der perfekte Repräsentant für die isländische Musik, die wir hier im Übermaß genossen haben.

Foto: Frank Buchheit

Und hier mein persönliches Programm im Überblick:

05.11.2014
Hide your Kids* (Harpa)
1860* (Harpa)
Benny Crespo’s Gang (Harpa)
Sin Fang (Harpa)
Kaleo (Harpa)

06.11.2014
Kaleo (Blue Lagoon)
Úlfur Úlfur (Hlemmur Square)
Utidur (Reykjavik Art Museum)<
Kött Grá Pje (Húrra)
Reykjavíkurdætur (Húrra)
AmabAdamA (Húrra)
Pins* (Harpa)
La Femme (Harpa)

07.11.2014
Lord Pusswhip* (Dillon)
Electric Elephant (Hitt Húsið)
Embassylights* (Iðnó)
Jaako Eino Kalevi (Gamla Bió)
Young Karin (Gamla Bió)
Anna Calvi* (Harpa)
Zhala (Harpa)
FM Belfast (Harpa)

08.11.2014
Sindri Eldon & the Ways (Bad Taste Records)
Una Stef* (Bunk Bar)
Prins Póló (Alda Hotel)
CeaseTone* (Bar 11)
Grísalappalísa (Slippbarinn)
Agent Fresco (Slippbarinn)
The Knife* (Harpa)
Radical Face* (Harpa)
How To Dress Well (Gamla Bio)
Retro Stefson (Gamla Bio)

09.11.2014
The Anatomy of Frank (Ion Hotel)
Pétur Ben (Ion Hotel)
Ylia (Ion Hotel)
Svavar Knútur (Ion Hotel)

(* = nur reingehört)

6 Gedanken zu „ICELAND AIRWAVES, 05.11.-09.11.2014, Reykjavík, Island

  • 15. November 2014 um 23:45
    Permalink

    Sauber! Aber bis auf Svavar haben wir echt komplett verschiedene Bands gesehen… :)

  • 16. November 2014 um 09:17
    Permalink

    Da wär ich ja sehr gespannt auf deine Liste, Carsten. Oder gibt’s gar noch einen Bericht? ;)

  • 16. November 2014 um 12:26
    Permalink

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht – an manchen Auftritt kann ich mich nur noch mühsam erinnern – fast ein wenig viel Input für die kurze Zeit…
    Ich könnte nur noch ein ausführliches Lob zu dem musikalisch hochwertigen Auftritt von „Mammút“ (https://mammutmusic.tumblr.com/) im Reykjavik Art Museum beifügen, schweige besser über „Future Islands“ (https://future-islands.com/), die mir, höflich formuliert, nicht so gefielen und meiner Begeisterung über (den promovierten Mathematiker Dan Snaith aka) „Caribou“ (www.caribou.fm/) freien Raum lassen: für mich DAS Highlight des Festivals!
    Nächstes Jahr wieder?

  • 20. November 2014 um 10:13
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    Von mir auch eine kleine unvollständige Zusammenfassung:

    Halleluhwah
    Sphärisch-elfenhafter Gesang mit einer Stimme die manchmal an Cerys Matthews erinnert und Twin-Peaks-haften Beats, die so auch von den Sneaker Pimps hätten kommen können. Überhaupt erschien es mir, dass die Sounds die man in den 90ern so machte gerade ziemlich angesagt sind in der isländischen Musikszene.

    FM Belfast
    War wie immer ein Spaß, dem man sich aber hingeben muss, zum im Hintergrund zuschauen ist das wohl wirklich nichts. Sehr schön auch die Liameske Mikrofon-Haltung beim Wonderwall-Cover.

    Mammút
    Als „Souvenir“ gleich die letzte Platte gekauft. Leider nicht den Gig im Art Museum gesehen, dafür die zwei anderen, die — offensichtlich — mehr als überzeugten. Großartig. Neue Lieblingsband.

    Prins Póló
    Sympatische Indie-Rock-Electro-Pop-Spacken, spielten im Herrenausstatter JÖR. Und das war eine der wirklichen Überraschungen bei den Off-Venue-Gigs: Jede noch so kleinen Bühne wird als Bühne betrachtet und keinerlei Zurückhaltung geübt. Und egal wie voll das Ladengeschäft ist, es scheint sich keiner Gedanken über Diebstahl oder Sachbeschädigung zu machen (man stelle sich vor, man stünde im Herrenmode Eckerle, lässt sich ein Becher Gin Tonic aushändigen und drängelt sich zu den Takten einer Rockband zwischen der Auslage).

    Hermigervill
    „I’m doing all this live, so… Errors will happen.“ Ganz großartiger Typ, von dem man schon früher hätte hören können, warum hab ich das eigentlich nicht (ist ja immerhin der Produzent von Retro Stefson u.a.)? Dafür sein Set dann gleich zwei mal angeschaut, ebenfalls im Klamottenladen und später dann auch noch in der großen Halle, beide mal vorzügliches Entertainment. Wenn er, die Beats zusammenbauend zwischen seinen Geräten hin- und hersprang, und die langen Haare wie die Ohren von Rolf aus der Muppetshow wippten.

    Kött Grá Pje
    Dank eurer Empfehlung geschaut und in einem äußerst absurden Setting, erst recht für so eine Truppe: vor 20 Leuten im Souvenir-Shop des Northern-Light-Infozentrums. Durch die Bestuhlung hatte das ganze dann noch was von Nachmittagsbingo. Nur eben mit subversivem Hip-Hop. Die DJane (sagt man das noch?) die Stepford-Wife-artig lächelnd und mit schickem Kleidchen nett zum Beat nickend das Macbook bediente machten das absurde Setting perfekt.
    Großartig auch, wie er sich beim letzten Song „in the heat of the moment“ sein Bier über den Kopf schüttete um sich im Anschluß ganz schüchtern bei den Angestellten für die Sauerei auf dem Boden zu entschuldigen.

    Jóhann Jóhannsson & Iceland Symphony Orchestra
    Moderne Klassik ist jetzt nicht mein Ding, aber ein großes Symphonieorchester mal Live zu hören, das alleine ist schon was.

    Epic Rain
    Machten im Lucky Records Sprechgesang im Stile eines Michael Franti, aber nicht Dancehall sondern eher so Pariser Straßenmusik, so mit Kontrabass und Fiddel und existenzialischer Pantomime (okay, ohne Pantomime).

    Future Islands
    Immer noch affektiert, aber immer noch gut. Finde ich :)

    Abschluss am Sonntag mit War On Drugs (die mit bisher noch nie aufgefallen waren, klangen wie Bob Dylan & The E-Street Band) und den Flaming Lips. Und die waren wie erhofft, ein epischer Kindergeburtstag mit Konfetti, Hamsterball und LSD. Außerdem noch Sykur (klangen Live ganz anders wie auf Platte), Sísí Ey (auch toll), Bangoura Band (eine Afrobeat/Funk-Band mit einem Sänger der aussah und wirkte wie eine Bizarro-Version von Ernie aus Stromberg) und noch etliche mehr…

    In diesem Sinne, Happy Airwaves. Nächstes Jahr wieder?

  • 20. November 2014 um 16:33
    Permalink

    Stegoe, vielen Dank für deinen Bericht. Also, das mit dem nächsten Jahr klingt schon sehr verlockend…

  • 5. Dezember 2014 um 14:17
    Permalink

    Ah ja… verpennt. Also den Bericht hab ich mal Dir überlassen Holger. :)

    Ich hab mir angeschaut:

    Samaris (wunderschön spährisch+tanzbar)

    Future Islands (gute Stimmung+fand die gar nicht affektiert)

    Lily of the Valley (Newcomer, erinnert mich an The XX ohne viel Elektronik)

    Svavar Knútur (bedarf keiner Worte)

    Ballet School (deutsche Band, klingt wie frisch aus den 80ern – aber den Guten!)

    Byrta (Faröer, tanzen, Stimmung!)

    Dísa (Darkpop-Diva)

    Greta Svabo Bech (ausnahmsweise akkustisch und wunderschön intim)

    Vök (zufällig reingeraten, klasse)

    Kelela (mir manchmal zu experimentell und frickelig, aber sympathisch und guter Beat)

    We Made God (intensiver Postrock)

    P.S. Sag mal Holger, wie hast Du es bei dem Programm eigentlich geschafft überhaupt den Golden Circle, die blaue Lagune zu sehen und Reykjavik zu sehen???

    P.P.S. Ich buche nächste Woche für 2015… :)

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