DRIVING MRS. SATAN, 27.08.2014, Merlin, Stuttgart

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Foto: X-tof Hoyer

Nur mit einem leichten Pullover pro Person seien sie nach Deutschland gekommen. „Im August ist es dort warm“, glaubte sich Giacomo, Bassist und Kopf der neapolitanischen Driving Mrs. Satan, zu erinnern. Gebüßt wird diese süditalienische Leichtgläubigkeit mit viel Frieren auf der aktuellen Deutschlandtour, die aber durch umso wärmere Publikumsresonanzen aufgefangen wird. Und das ist heute Abend erst Recht der Fall. „Il posto più caloroso finora“ verrät einem Giacomo nach dem Konzert, „der bisher warmherzigste Ort“.

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn sieht es erst mal gar nicht danach aus. Ein paar verstreut umher stehende Leutchen sind da, als es aber gegen 21 Uhr losgeht, ist das Merlin plötzlich voll. Eigentlich ein Trio, haben Giacomo, Claudia und Valerio sich live um den Schlagzeuger Antonio verstärkt. Der Sound ist wirklich exzellent, man hört jeden angedeuteten Hauch. Heißt aber auch, dass man wirklich sauber und gut spielen muss, da man ebenso jeden Fehler auch sofort heraushört. Aber da bekommen wir heute nichts davon zu hören, das sind tolle Musiker, mit guter Technik und einem ausgeprägtem Gefühl dafür stilsicher zu spielen.

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Foto: X-tof Hoyer

DMS haben sich ja darauf spezialisiert Metalsongs der 80er in ein akustisches Pop-Folk Gewand neu einzukleiden. Den ersten Maßanzug bekommt Motörheads „Killed By Death“ verpasst. Ein sehr ruhiger Beginn. Genau richtig um in aller Ruhe feststellen zu können, dass die im roten Kleid und nicht geschnürten Boots zauberhaft aussehende Claudia eine sehr schöne, angenehm klingende Stimme hat. Bass, Gitarre und Drums fallen nicht weiter auf, und das sollen sie auch gar nicht. Die Songs stehen hier im Mittelpunkt, Auffallen mit besonderen Virtuosismen ist nicht das Ding der kampanischen Metalfans.

Black Sabbaths „Never Say Die“ bleibt gut erkennbar nah am Original dran, und beschwingt als countryesker Popsong. Nächster Stopp, Hamburger Schule, allerdings die der 80er: „I Want Out“ von Helloween. Eine fast schon zu einfache Übung, da Helloween-Songs ja eh schon mit poppigen Melodien daherkommen. Mit Metallicas „Battery“ danach macht man es sich schon etwas schwerer. In Dur wird der Song übertragen, und glänzt so als kleine Pop-Perle, mit Glockenspiel-Einsprengseln des Schlagzeugers. Konzertbegleitung Madame Psychosis spricht gar von einem Shakiraesquen Song, und meint das absolut als Kompliment.

Foto: X-tof Hoyer

Nach dem ebenfalls ganz eigen interpretieren „Killers“ von Iron Maiden kann man schon mal feststellen, dass DMS ihre Songs wirklich musikalisch extrem hochwertig zu arrangieren wissen. Wo die stilistisch natürlich sehr vergleichbaren Hellsongs live mehr die übersympathischen Stimmungskanonen sind, konzentrieren sich die Neapolitaner noch mehr auf die Musik und klingen anspruchsvoller. Wie auch Stefan von www.stuttgigs.de danach meint, beackern beide Bands das gleiche Feld, und klingen trotzdem ganz anders. Irgendwie verblüffend, auch für uns überraschend.

So schaffen es Driving Mrs. Satan ganz allein durch Kraft ihrer Musik das Publikum gefangen zu nehmen, das jeden Song immer frenetischer bejubelt. „Hells Bells“ von AC/DC wird mit stampfender Bass-Drum nah am Original gespielt. Danach gibt es die erste Ansprache an das Publikum, in der uns Claudia von der Grundidee dieser Band erzählt. Man merkt es ihr an, dass auch sie langsam aufzutauen beginnt, und sich immer wohler zu fühlen scheint. Nach Maidens „2 Minutes To Midnight“ gibt es mit Faith No Mores großartigem „From Out Of Nowhere“ eine sehr gelungene Duoperformance (Gesang + Gitarre) zu goutieren. Dass dieser Song mal so von einer italienischen Band präsentiert werden würde, hätte sich der italophile Mike Patton wahrscheinlich auch nicht ausgemalt.

Foto: X-tof Hoyer

Zwei Cover von Slayer bekommen wir auch dargeboten. Das von Platte bekannte „South Of Heaven“ im düsteren Goth-Country Outfit mit Slidegitarre, und „Raining Blood“, an dessen Ende man noch, falls man denn je Zweifel gehabt sollte, feststellen kann, dass Claudia wirklich eine herausragende Sängerin ist. Sie hat es nicht nötig durch überkanditeltes Rumgejaule jede Sekunde zu zeigen, was sie denn alles mit ihrer Stimme so machen kann. Sie singt immer genau so, wie es dem Song am besten tut.

Nach der zweiten Ansage, in der wir erzählt bekommen, wie sehr der Beitrag bei Titel, Thesen, Temperamente und ein facebook-post von Nikki Sixx die Band in der öffentlichen Wahrnehmung gepusht haben, folgt mit Anthrax‘ „Caught In A Mosh“ eine der gelungensten Neuinterpretationen. Was man aus diesem Song machen kann, absolut faszinierend.

Foto: X-tof Hoyer

Danach folgen mit Metallicas „For Whom The Bell Tolls“, Venoms „To Hell And Back“ (mit tollem, lautem Finale), und Trusts „Antisocial“ drei Songs, die nicht auf Popscotch zu finden sind. Noch eine kurze Ansage mit Claudias „most embarrising moments on stage“, wobei eine Episode zur Folge hatte, dass sie „never wear a bra again“, und wir bekommen den german crowd pleaser „Rock You Like A Hurricane“ zu hören. Auch der Song ist ebenso wenig auf Platte zu finden wie das folgende „Peace Sells…But Who’s Buying?“ von Megadeth. Letzteres vielleicht mein Lieblingsstück von Megadeth, und auch in dieser Version wunderbar.

Zweimal wird das mittlerweile sichtlich von der Resonanz gerührte Quartett auf die Bühne zurück geholt. Sehr balladesk, zuerst mit Queensrÿches „Eyes Of A Stranger“, danach mit „The Unknows Knows“ von Voivod. Dieser obskure Song ein Beweis dafür, dass DMS wirkliche Fans des Metals aus jener Epoche sind, und ihre Songs wirklich als Huldigung ihrer Helden zu verstehen sind. Mit „Living After Midnight“ von Judas Priest, einem Song, der mir im Original noch nie gefallen hat, aber in dieser Walzer-Blues Version absolut top ist, werden wir verabschiedet. Band super zufrieden, Publikum super zufrieden, und wir lassen den Abend ausklingen mit einem wunderbaren Gespräch mit der Band, um unter anderen über unseren gemeinsamen neapolitanischen Freunde von Fitness Forever zu reden, wie überraschend toll die Tournee läuft, und natürlich über gutes Essen.

2 Gedanken zu „DRIVING MRS. SATAN, 27.08.2014, Merlin, Stuttgart

  • 29. August 2014 um 12:59
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    Der Song von Megadeth heißt „Peace sells“ und nicht „Peace sells… but who’s buying“, das Album trägt diesen Titel. ;-) Ansonsten ein sehr schöner Artikel :-)

  • 29. August 2014 um 14:00
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    Super Bericht & Fotos!

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