CONTRONATURA FESTIVAL mit LAWRENCE ARABIA, FITNESS FOREVER, ERLEND ØYE, REAL ESTATE, 12.08.2014, Sudestudio, Guagnano

Erlend Oye & Fitness Forever

Foto: Atraz & Emilia Photography

Juhu, endlich wieder nach Italien verreisen! Neben bzw. gleichzeitig mit dem Zusammentreffen mit vielen großartigen und herzlichen Menschen ist das Contronatura-Festival in der Nähe von Lecce eines der Highlights unseres Trips. Organisiert wird das Festival u.a. von Musiker Giorgio Tuma (veröffentlichte erst vor kurzem ein Stück mit Laetitia Sadier) und in diesem Jahr treten dort Fitness Forever aus Neapel und Erlend Øye (Kings Of Convenience) auf.

Beherbergt und betreut werden wir von unserem neuen Freund und Musiker Giuseppe, der uns nicht nur mit fantastischer Verpflegung und einer traumhaften Unterkunft versorgt, sondern uns tagsüber zwischendrin auch am Strand absetzt (die Gegend hier heißt ziemlich zutreffend „Malediven von Salento“) und uns am Abend selbstverständlich zum Festival fährt, das auf einem recht obskuren, für Ortsunkundige sicher nicht ganz einfach zu findendem Feld stattfindet.

Contronatura-Festival 2014

Foto: Atraz & Emilia Photography

Da die Temperaturen hier tagsüber bei 38 Grad liegen, fängt das Festival erst spät an. Öllampen weisen den Weg, Grillen zirpen, dekoriert ist die Location mit Pyramiden aus Papier in blau und orange, die sich auch im Festivallogo finden – quasi 3D-Wimpel, sehr geschmacksicher. Links oben von der Bühne sind übrigens später im Minutenabstand Sternschnuppen zu sehen (Perseidenschauer), was das Universum sich aber auch immer so alles einfallen lässt extra für uns.

Erster Künstler ist Lawrence Arabia aus Neuseeland, der um 23.30 Uhr auftritt. Zehn kleine Songs mit Titeln wie „Apple Pie“ oder „I wasted my time“, nur mit Gitarre begleitet, hübsch. Mir persönlich ein bisschen zu harmlos, aber passt zur Einstimmung gut, Aperitivo sozusagen. Das Publikum quittiert mit höflichem Applaus.
Lawrence Arabia

Foto: Atraz & Emilia Photography

Langsam füllt sich das Feld, kurz nach Mitternacht haben sich dann mehrere hundert Festivalbesucher eingefunden. Zeit für die beiden Artists, wegen denen wir in erster Linie hier sind: Fitness Forever und Erlend Øye.

Wenige Tage zuvor haben wir beide zusammen schon bei einem Strandkonzert in der Nähe von Neapel gesehen, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe namens La Cabina 56, bei der wir auch schon im letzten Jahr zur Fitness-Albumpräsentation waren. So ungefähr können wir also schon abschätzen, was wir heute zu hören bekommen, wenn auch der Rahmen beim Contronatura deutlich größer ist.

Vor zwei Jahren ist Erlend Øye von Berlin nach Sizilien umgezogen. Fast genau solange besteht der Kontakt zu Fitness Forever, der im vergangenen Jahr immer intensiver geworden ist und inzwischen dazu geführt hat, dass FF und Øye nicht nur gut befreundet sind, sondern Fitness auch als Erlends Liveband auftreten.
Fitness Forever

Foto: Atraz & Emilia Photography

Doch der Reihe nach. Kurz nach Mitternacht spielen FF zunächst ihr eigenes Set. Nach wie vor sieht sich die Band dabei bei Liveauftritten vor unbekanntem Publikum mit dem Problem konfrontiert, in so überhaupt keine Schublade hineinpassen zu wollen. Zu bunt, zu üppig und (an der Oberfläche) zu poppig um als Indie zu gelten, zu vielschichtig, referenzreich und virtuos, um nur Pop zu sein, zu humorvoll, reflektiert und am aktuellen Musikgeschehen orientiert um ein „erwachsenes“ Publikum anzusprechen. Gerne fremdelt das klassische Indie-Publikum daher gelegentlich noch ein wenig mit den überbordenden Arrangements und der Vielzahl an musikalischen Bezügen. Es dauert häufig zwei, drei Stücke lang, bis sich die Crowd auf die Gruppe einlässt, dann ist aber die Liebe umso größer.

Frontmann und Songschreiber Carlos stellt die Band möglicherweise aus diesem Grund seit neuestem gerne mit „Hallo, wir sind Fitness Forever und machen kommerzielle Musik“ vor, das ist selbstverständlich höchstens halb ernst gemeint. Eines der Stücke des Abends, „Lui“ (auf Deutsch: „Er“) widmet Carlos, gekleidet in ein Brian Wilson´eskes rotes Hawaiihemd und blaue Vintage-Adidas-Shorts, dann der „amore gay“. Für „Cosmos“, eins meiner aktuellen Favoriten, wird Bassist Luigi nach vorne gebeten, der auch schon in „Lui“ einen eigenen Gesangspart hatte und als einziger der Ur-Livebesetzung von FF noch mit dabei ist. Auch im Video zu „Cosmos“ spielt Luigi eine tragende Rolle, ein Spitzentyp. Persönliches Highlight für mich ist „Igloo“, ein neues, bisher unveröffentliches Stück mit Boy/Girl-Gesang von Luigi und Gitarristin Carola und sehr intensiver Hookline.
Fitness Forever

Foto: Atraz & Emilia Photography

Nach einer knappen Stunde ist der Auftritt viel zu schnell vorbei, Zugaben sind im tighten Festivalzeitrahmen nicht vorgesehen, heute aber nicht so schlimm, da Fitness Forever von Erlend Øye nach einer kurzen Pause sowieso mit einem „Io non sono qui da solo“ („Ich bin nicht alleine hier“) wieder mit auf die Bühne gebeten werden.

Erlend Oye & Fitness Forever

Foto: Atraz & Emilia Photography

Erstes Stück ist Øyes neuer englischsprachiger Song „Garota“, ein Stück, das mit einer isländischen Reggaeband aufgenommen wurde und sich mir zunächst nicht direkt erschlossen hat, mir aber jetzt umso besser gefällt. „Save Some Loving“ ist soweit ich weiß ebenfalls vom kommenden Album „Legao“, das im Oktober erscheint. Besonders gefallen mir live die italienischen Stücke „Dico Ciao“ („Ich sage Ciao“), „La Prima Estate“ („Der Erste Sommer“) und „Sosta Vietata“, die allerdings nicht auf dem kommenden Album enthalten sein werden, sondern einzeln veröffentlicht werden. Einen sehr zauberhaften Eindruck vom Videodreh zu „Sosta Vietata“ (heißt soviel wie „Parken verboten“) mit Fitness Forever gibt’s hier. Bemerkenswert, wie souverän und tight Fitness Forever sämtliche Stücke begleiten, unter anderem trägt Querflötistin Francesca entscheidend zu den Songs bei. Wenig erstaunlich, dass Øye Teile der Band auch außerhalb von Italien mit auf Tour nimmt. Toller, sympathischer Auftritt aller Beteiligten, der neben Øyes Entertainerqualitäten und den sehr guten Songs nicht zuletzt auch durch Erlends beneidenswert flüssiges Italienisch überzeugt.

Erlend Oye & Fitness Forever

Foto: Atraz & Emilia Photography

Für Real Estate aus New Jersey wird es entsprechend schwierig, diese Performance zu toppen. „I think we’re the first band here who can’t speak Italian“ stellen sie sich entschuldigend vor und tatsächlich gelingt es trotz ansprechender Songs und solider Darbietung nicht, das Publikum ähnlich zu begeistern, wie Erlend Øye und Fitness Forever.

Real Estate

Foto: Atraz & Emilia Photography

Mykki Blanco verpassen wir abschließend, ist doch schon etwas spät bzw. früh.

Contronatura Fazit: Ein geschmackssicheres und hervorragend organisiertes Festival, das wir nur empfehlen können.

Contronatura-Festival

Lawrence Arabia

Fitness Forever

Erlend Øye & Fitness Forever

Real Estate

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