MOLDES, 07.08.2014, Wagenhallen, Stuttgart

MOLDES, 07.08.2014, Wagenhallen, Stuttgart

Foto: Hector Delgado

Klare Diagnose: ein akuter Fall von Gig-Bloggeritis. Da geh ich einmal – nichts ahnend und “nur zum Vergnügen” – auf einen kleinen Feierabend-Gig, und schon nach einem Song ist mir klar: hier ist der Blogger-Instinkt geweckt, diese tolle Band dürfen wir nicht für uns behalten. „Indie-Postpunk-Beat aus Peru“ ist nicht nur das volle Auskenner-Genre, es ist wohl auch der heiße Scheiß südlich des Äquators. Moldes kommen aus Lima und spielen im Rahmen ihrer allerersten Europa-Tour gleich zweimal in Stuttgart. Kollege Christian hat sie tags zuvor bei Second Hand Records gesehen und spricht eine klare Empfehlung aus: “lustige Keyboard-Sounds, fleißige Saitenquäler, tief in den Sechzigern verhaftet”.

Klar, gehe ich hin, ist ohnehin eine sympathische Konzertreihe, dieses “Live vor den Hallen”. Quasi live auf der Treppe, nur ohne Treppe und ohne Charlottenplatz. Dafür mit lauschigem Biergarten, Grillstation und vor allem: mit den Wagenhallen. Und das ist heute auch gut so. Denn das Wetter ist wackelig und so wird wird der Gig der Südamerikaner kurzerhand in die Halle verlegt. Die Strand-Atmo wird mittels Liegestühlen hereintransportiert. Angenehmer Nebeneffekt: die Combo um die markante Frontfrau Katia de la Cruz kommt in den Genuss der großen Bühne und einer richtig tollen Anlage.

MOLDES, 07.08.2014, Wagenhallen, Stuttgart

Foto: Hector Delgado

Und diese nutzen sie wirklich konsequent: ansatzlos und bretthart hauen Moldes als Opener „11:11“ von ihrem aktuellen Album „Aguas de Marte“ raus. Ein metalmäßiger Rocktitel, untermalt mit Kirchenglocken vom Keyboard. AC/DC goes Sonic Youth. Und natürlich mit spanischen Texten. Nach fünf Minuten endet der Song in infernalischem Verzerrer-Gejaule, und uns steht erstmal die Klappe offen: Wow! Mit sowas beenden anderen Bands ihr Set. Was soll da eigentlich noch kommen? Keine Frage, das sind Profis, in Lima bringen sie vermutlich Säle zum kochen. Hier werden sie freundlich, aber etwas zurückhaltend aufgenommen. Die Bestuhlung ist nun doch etwas störend. Diese Musik kickt in den Arsch und sollte eigentlich jeden in freudige Tanzbewegung versetzen. Das Fläzen in den Liegestühlen und auf den Europaletten wirkt irgendwie deplatziert.

MOLDES, 07.08.2014, Wagenhallen, Stuttgart

Foto: Hector Delgado

Ob noise-punkig, mit wütenden Wort-Tiraden wie „El Amante“, oder rotzigem Postpunk wie bei „Genghis Khan“, wir freuen uns über jeden dieser bisher unbekannten Songs, die mal völlig überraschend B-52’s-mäßigen Happy-Sound mit fies verzerrten Gitarrensoli kombinieren, um wenig später mit Melodica und federndem Offbeat direkt in die Beine zu gehen. Die Rhythmus-Sektion mit Ernesto Velarde „El mono“ an den Drums und José Dammert am Bass gehört zum Feinsten, was ich seit langem gehört habe. Überaus engagiert und auf den Punkt gespielt. Jeder Song bietet überraschende Rhythmus-Wechsel und elektronische Impro-Einlagen. Gitarrist Efrén Castillo übernimmt auch gerne mal einen Gesangspart. Da wird vor den Effektgeräten und Verstärkern gekniet, da wird rückgekoppelt und gejault, dass es eine wahre Freude ist, da werden Postrock-Soundwände aufgebaut.

Nach einer knappen Stunde lassen sich die sympathischen Peruaner sogar noch zu einer Zugabe bewegen, Katia de la Cruz übernimmt den Bass und mit einem heftigen Rocktitel endet der Abend so spektakulär, wie er begonnen hat. Ganz klar: darüber muss berichtet werden. Dumm nur, dass wir keinen Fotografen dabei haben… Nach dem Gig plaudern wir noch ein wenig mit der Band und der begleitende Fotograf Hector Delgado sagt uns ein paar Bilder für unseren Beitrag zu. Yeah, unsere erste deutsch-peruanische Koproduktion ist gesichert.

Herzlichen Dank an Hector! Auf seiner Website bietet er übrigens interessante Einblicke in die offensichtlich sehr spannende Musik-Szene Limas.

MOLDES, 07.08.2014, Wagenhallen, Stuttgart

Foto: Hector Delgado

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