TAME IMPALA, 09.07.2014, Theaterfabrik, München

Tame-Impala

Foto: iPhone Marco

Everybody’s Darling. So zumindest kommt es mir vor, wenn ich in meinem Bekanntenkreis und darüber hinaus so beobachte, wer denn alles große Stücke auf Tame Impala hält. Vom popaffinen Indiehörer über den anspruchsvollen Musiknerd bis hin zum Psychedelic-Klängen nicht abgeneigten Heavy Metal Mensch, alle können sie die Musik der Australier gut leiden. Ich natürlich auch, und da es nur zwei Deutschlandgigs gibt, verschlägt es mich eben nach München.

Eine weitere Zielgruppe fällt einem gleich vor Konzertbeginn ins Auge. Die der blutjungen (schon Universität oder doch noch Mittelstufe?), vor Konzert alkmäßig schon ordentlich zulangenden Normalos (Mädels mehr noch als die Jungens). Interessant. Dass solcher Hand die Theaterfabrik voll wird ist dann auch keine Frage mehr. Bei dem Weg, die Halle hat genau die Größe, die wir in Stuttgart so vermissen. Groß genug, aber noch heimelig durch nicht zu hohe Decke, ausgewogene Tiefe-Breite-Relationen, und der hintere Teil ist sogar noch leicht erhöht. Genug geschwärmt, Punkt 20 Uhr, ohne Intro kommt die Band auf die Bühne.

Rolle rückwärts, doch weiter schwärmen: der Sound ist exzellent. Perfekte Lautstärke, alles ist richtig ausgesteuert, gut und klar rauszuhören. Und das ist bei den Klängen, die Tame Impala so fabrizieren, keine einfache Aufgabe. Vor allem Gitarre und Gesang, aber auch das Keyboard haben satt Effekte drauf, viel Hall in erster Linie. Das man das erste Stück „Be Above It“ dennoch so perfekt hört… keine Selbstverständlichkeit. So kann man dann auch gleich mal klar raushören, was denn den Sound von TI so auszeichnet. Retro-60ies-Psychedelic greift zu kurz. Klar kann man den Stil und die Klänge großteils so verorten, aber neben dem beatleeskem Gesang gibt es eben auch mal fast schon Sabbath-artige Gitarren, andererseits sind ab und an auch Passagen dabei, die an Dreampop-Bands neueren Datums erinnern. Ach doch, ein Kritiker der Band fällt mir jetzt doch ein, der meinte, Tame Impala könne er nicht ernst nehmen, da sie doch allzu offensichtlich von Dungen abgekupfert hätten. Wenn man sich diesen Song anhört ist das nicht ganz von der Hand zu weisen.

Sei’s drum, Kevin Parker ist der Sänger und Gitarrist der Band, sowie der komponierende Kopf des Ensembles. Wenn ihm langweilig ist produziert er auch noch so Klassealben wie das Debut von Melody’s Echo Chamber. Auf der Bühne ist er auch derjenige, der noch am ehesten raus sticht, und sei es nur wegen den leicht schüchternen, sympathischen Ansagen. Ansonsten verschmilzt die Band mit der Musik, dem Licht und den Visuals eher zu einem amorphen Gesamtkunstwerk. Das war live bei Wooden Shjips so ähnlich und gefällt mir außerordentlich.

Schwächen gibt es in dem Set keine, wie denn auch, findet sich auf den zwei Alben von TI ja auch kein schwacher Song. Das merkt man auch am Publikum, welches wirklich bemerkenswert frenetisch die Band abfeiert. „Solitude Is Bliss“, „Endors Toi”, „Apocalypse Is Bliss”, “Mind Mischief”, “Why Won’t They Talk To Me”, alles dabei. Wobei mir Elephant und Desire Be Desire Go mit ihren Black Sabbath/The Cream Gitarren am besten gefallen. Ganz groß ist das. Aber auch der Hit Feels Like We Only Go Backwards und Why Won’t You Make up Your Mind mit einem super Crescendopart am Ende wissen enorm zu begeistern. Wegen mir dürfte die Band durchaus auch mehr in den Liveversionen ihrer Songs rumexperimentieren, mehr rumjammen. Das passt ja bei psychedelischer Musik immer bestens, aber außer einem kurzen experimentellen Instrumentalintermezzo, das an die 60er Jahre Pink Floyd erinnert, beschränken sich TI die Songs so zu spielen wie sie auf Platte sind. Das spricht ja dann wieder für den Popaspekt in ihrer Musik.

Zugaben gibt es natürlich auch, das laut johlende Publikum will ja befriedigt werden. Kevin Parker gibt mehrmals zu verstehen, dass er die Publikumsresonanz überwältigend findet. Bei einer so jungen Band unterstelle ich einfach mal, dass es auch so gemeint ist. Die sind bestimmt noch nicht so verdorben, um jeden Abend von Neuem zu erzählen, dass das anwesende Publikum das Beste jemals gewesen sei. So ist dann nach 90 Minuten Schluss, ein ziemlich perfektes Konzert einer der musikalisch besten Bands im aktuellen Indiekontext.

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