SIR RICHARD BISHOP, 07.05.2014, Rakete, Stuttgart

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Foto: Markus Milcke

Sir Richard Bishop ist auf heute vom Veranstalter als Ehrengast und Mitglied der Sun City Girls angekündigt – das fasst schon viel zusammen. Da man ihn Leuten, die in sich in diesem Bereich von Untergrund-Musik nicht auskennen, etwas näher bringen muss, hier noch eine ausführlichere Vorstellung: Sun City Girls, Ende der 70er Jahre gegründet, haben einen Ruf wie kaum eine zweite Untergrund-Band. Musikalisch nicht einzuordnen. Obwohl bis weit in die Noughties aktiv, kann ich nicht behaupten, dass ich sie schon länger näher kenne. Mehr so von anderen Musikern als Referenz benannt, oft wird in Superlativen von der Band gesprochen. Die verrücktesten, wildesten  Konzerte. Der nicht zu fassende Katalog an Veröffentlichungen. Die abartigsten Texte. Die Drogen.

Näher beschäftigt habe ich mich dann mit der Band erst, als ich die Solo-Sachen von Richard Bishop angefangen habe zu checken und auf diesem Weg dann bei den Girls gelandet. Oder besser gesagt versucht zu landen. Wer schon mal den Versuch unternommen hat, in dieses Universum einzutauchen, der ist eigentlich zum Scheitern verdammt. Auf digitalem Wege hatte ich mal Einblick in eine umfangreiche Sammlung. Kaum vorstellbar wie viel Material das ist. Die auf Wikipedia aufgeführten 50 Alben sind noch lange nicht alles, wie ich heute aus erster Hand erfahre.

Beim Earth-Konzert vor einigen Jahren war ich Augenzeuge, wie ein Typ sich die Earth/Sir Richard Bishop Split 12″ (2008) hat signieren lassen. Auf der Rückseite der Hülle sind Dylan Carlson und Richard Bishop abgebildet. Carlson unterschreibt auf seiner Abbildung, auf das Bild von Bishop schreibt er „He is better“. Legende verneigt sich vor anderer Legende. Weiter untermauert den Status wiederum der Girls, dass die wiederum eher in spezialisierten Kreisen bekannten, heute aktiven Master Musicians Of Bukkake um Randall Dunn (der Conny Plank des 21. Jahrhunders), die ebenfalls aus Seattle stammen, sich zumindest anfangs als Tributeband der SGC sahen.

Heute tue ich es dem damaligen Fan gleich, ein paar Scheiben sind eingepackt. Immer guter Eisbrecher – entweder am Merch was kaufen, oder bereits gekaufte Originale (Bootlegs besser nicht) mitbringen und signieren lassen oder beides. Der Hüne raucht sich in Stimmung und freut sich darüber, dass er seine eigenen Tonträger mittels Edding entwerten darf. Ich fahre Respekt ein für ein schwer zu bekommendes Sun City Girls-Album, das er mit geschultem Auge checkt, alle Inserts sind vorhanden, sogar ein Bestellformular und ein humorvoller Aufkleber – alles da. Für ein Eselsohr bekomme ich allerdings Tadel. Anal Collector nennt man diese Spezies im Englischen. Ich stehe unverhofft als SCG-Experte da und lasse ihn in seinem Irrglauben. Wir reden noch über die Platte, das Artwork, und weil er sich so darüber freut, dass jemand diese Platte mitbringt, die übrigens echt super ist, wird er heute versuchen 1,2 Stücke aus „Horse Cock Phepner“ in das Set einzubauen. Ich erkundige mich noch nach dem tatsächlichen Output der Girls, und erzähle ihm von der oben erwähnten Sammlung. Eine vollständige Sammlung wird es niemals geben, da immer noch Material zurückgehalten wird, gerade damit niemand außer den zwei Überlebenden der Girls alles haben kann. Sammlerdings gone mad. Es sind eher so 70 Alben. Der noch deutlich überschaubarere Katalog von Sir Richard Bishop wurde ganz aktuell von der 10″ „Road To Siam“ erweitert, erschienen bei Unrock, Deutschland.

Bishop spielt allein – Gitarre, Mikrofon, ein kleiner Orange, Pedale, das war es. Übersichtliches Gepäck. Ungefähr das erste Drittel der Show besteht aus zusammengewürfelten Instrumental-Stücken, die mir teilweise bekannt vorkommen. Deutlich zu erkennen ist die Melodie von „Space Prophet Dogon“, ein großes Stück mit gefährlichem Hook. Von Grails wurde das Stück gecovert. Diese Art von experimenteller Rock-Musik wird hoffentlich nie in einem dieser scheußlichen Bücher mit dem Titel „100 Psych-Rock Stücke die Sie hören müssen bevor Sie sterben“ verschandelt. Falls doch  müsste „Space Prophet Dogon“ leider dabei sein. An der Gitarre ist Bishop ein Großmeister, keine Frage, um das zu erkennen muss man in seinem Leben aber nicht ein einziges mal eine Gitarre in der Hand gehabt haben. Die Improviastions-Show geht nach der Frage, wer von den anwesenden Kinder habe zu Ende. Dann folgt „Six Kids Of Mine“ von den Girls – das Stück handelt von einer Person, die das nächtliche Geschrei der Bälger nicht mehr ertragen kann und dann –

„Six kids of mine and they’re cryin‘ all the time
It’s three o’clock in the mornin‘ and they’re drivin‘ me outta my mind
I’ll take the pillow from the closet and choke them all to rest
And call the doctor in the morning and he’ll blame it all on crib death“

Crib Death = Plötzlicher Kindstot.

Das ist so der SCG-Style. Für dieses Lied gibt es von Eltern fast immer den meisten Applaus erzählt er. Dann passiert es tatsächlich – nach einer weiteren Fragerunde, wer hier in Stuttgart in die Pornoläden gehen würde (er hebt die Hand), kommt von meiner Platte „Pornoshop“ – bei ca. 2000 Stücken im Köcher kann das kein Zufall sein. Ist es auch nicht, nach der Show erfahre ich, dass er es für mich wie versprochen reingewurstelt hat. Happy Happy, Joy Joy. Vielleicht bin ich ja doch DIE Kapazität  im Bereich SCG/SRB, für die ich mich gar nicht halte, denn ich erkenne noch zwei weitere Instrumental-Stücke von „The Freak Of Araby“. Als ich das erwähne, will er mich erst korrigieren auf ein Stück, muss dann aber eingestehen, dass ich recht habe.

Ich bin natürlich ziemlich begeistert über die Show des Meisters – teilweise meditative Klänge, einige Besucher liegen flach, dann der Unterhaltungswert, die Stücke mit druckvollem Gesang reißen einen wieder aus der Ruhe, besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Eine furiose Zugabe gibt es auch. Das alles für 7 € Eintritt, das Vinyl kostet 10 €. Das ist zu wenig, das ist verschenkt. Oft wünsche ich mir, dass eine Band nach einer guten Show wieder Station in Stuttgart macht, bei Sir Richard Bishop wünsche ich es mir noch vielfach mehr. Er kommt wieder, es hat ihm sehr gut gefallen.

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Foto: Markus Milcke

Ein Gedanke zu „SIR RICHARD BISHOP, 07.05.2014, Rakete, Stuttgart

  • 12. Mai 2014 um 17:20
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    War auch dort. War super. Super Publikum. Das war durchgängig nur am lauschen. Eigentlich zu gut für diese Stadt.

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