LA LUZ, 16.04.2014, Manufaktur, Schorndorf

La Luz

Foto: Michael Haußmann

Wenn man inmitten des Auftritts Konzertbegleiterin S.D. eine Fashionfrage stellt, und daraufhin auch zu hören bekommt, dass sie mit ihrer Freundin gerade jetzt beschlossen habe, eine Mädchenband zu gründen, dann muss das schon ein guter Gig sein. Denn, Achtung bestechende Logik, eine lausige Livemusikdarbietung ist nur selten der Anlass für spontane Bandgründungsfantasien.

La Luz sind vier Girls Frauen, die sehr feinen Retropop mit Surfgitarre machen. Aus dem Surferparadies Seattle kommen sie und scheinen was für frühe Bühnenzeiten übrig zu haben. Und zwar so früh (20:50 Uhr), dass sie selbst mich notorischen Zufrüh-Erscheiner überraschen, was dazu führt, dass mein im Lokal der Manufaktur bestelltes Essen von der Bedienung in den Konzertsaal nachgereicht wird. Einerseits natürlich sehr coole Sache, ist so wohl nur in der Manufaktur möglich, andererseits ein bisschen würdelos fühle ich mich schon, so vom Teller warmes Essen mampfend, während der rechte Fuß zu den ersten Takten von La Luz wippt.

La Luz

Foto: Michael Haußmann

Die Manufaktur ist zwar zur Hälfte abgehängt, aber trotzdem ganz angenehm gefüllt. Die Band gibt es ja auch erst seit gut zwei Jahren, und Retropop ist ja hierzulande nicht so das Massenphänomen, dafür in meiner persönlichen Hitliste ganz weit oben. Der Sound ist wie immer in der Manufaktur sehr gut, und so kann man schön die ersten Songs genießen. Die schon erwähnte Surfgitarre gibt es zu hören, ebenso eine gut arrangierte Orgel, sowie wunderbare Gesangsharmonien mit viel „babauhbah“. Die retroverliebten The Yearning fallen mir da als Vergleich ein, die Gitarre mal weggedacht.

Sängerin Shana Cleveland besticht durch ihren schönen und angenehm unaufdringlichen Gesang. Gitarre kann sie auch richtig gut und vor allem 100% stilsicher. Von den gespielten Noten über den perfekt platzierten Einsatz des Vibratos bis hin zum verhallten Gitarrensound – die Frau hat ihren Dick Dale gut gelernt, groß. Der Rest der Band spielt unauffällig präzise zusammen, wobei bemerkenswert ist, dass die laut-leise Dynamiken so gut eingesetzt werden, sollten viel mehr Bands auch so handhaben.

La Luz

Foto: Michael Haußmann

Die Songs sind nicht nur schnelle Upbeat-Hits, sondern öfters auch im Midtempobereich mit ausgiebigen Instrumentalparts. Immer schön abwechslungsreich mit guten Ideen und Melodien. Wenn dann die Orgel so rumorgelt, und die Gitarre eine Melodie spielt, fühle ich mich fast schon an Combustible Edison erinnert (die ich hier irgendwann in den 90ern auch live sehen durfte). Weitere Assozation: The Shadows.

Viele Ansagen gibt es anfangs nicht, aber es gibt dann noch eine sehr sympathische Tourbusgeschichte zu hören, als zwei der Mädels ernsthaft dachten „Ausfahrt“ müsse eine verdammt große Stadt sein, wenn die so viele Abfahrten von der Autobahn hat. Gestern spielten sie ja noch in Mailand, da darf man auch etwas durch den Wind sein. Apropos Mailand, über dieses facebook hatte ich noch mitbekommen, dass mein Lieblings-Italo-Blogger Polaroid extra den weiten Weg von Bologna nach Mailand auf sich nahm, um La Luz zu sehen. Auch ein Grund, warum ich heute hier bin.

Das Set ist mit knapp einer Stunde erwartungsgemäß kurz, macht uns allen sehr viel Spaß und hat einen Riesenauflauf am Merchandise zur Folge. Da erfahren wir dann auch noch, dass die alle viel älter sind als sie aussehen, was nur bedeuten kann, dass schöner Pop nicht nur die Welt besser macht, sondern auch jung hält.

La Luz

Foto: Michael Haußmann

2 Gedanken zu „LA LUZ, 16.04.2014, Manufaktur, Schorndorf

  • 18. April 2014 um 18:50
    Permalink

    Nur zur Information: Manufakturkonzerte fangen seit diesem Monat immer(!) um 20.30 Uhr an. Da ist 20.50 Uhr niocht früh. Bitte merken: Konzerte in der Manufaktur jetzt immer um 20.30 Uhr!!!!

  • 18. April 2014 um 20:21
    Permalink

    Danke für den Hinweis, da wir nächste Woche gleich 2 mal dort sein werden gar nicht so unwichtig:-)

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