PELLE CARLBERG, 26.03.2014, Wohnzimmer, Stuttgart

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Foto: Michael Haußmann

Eines muss ich vorneweg gleich sagen: Schön Pelle Carlberg, dass Du wieder nach Stuttgart gekommen bist!

Das letzte Konzert des Schweden vor drei Jahren in einem Stuttgarter Club, ließ meinen Begleiter und mich mit einem dicken Fragezeichen zurück, wird er jemals wieder in dieser Stadt spielen? So unglücklich wie die Konzertsituation das letzte Mal war, um so gelungener rahmte das heutige Wohnzimmerkonzert, den Singer/ Songwriter und seine Darbietung ein. Von Anfang an fühlen sich die Gäste sichtlich wohl, man kennt sich, anregende Gespräche werden geführt, entspannte Stimmung liegt in der Luft, was insbesondere auch der schönen Location und den überaus freundlichen Gastgebern zu verdanken ist. Noch kurz fachsimpeln anwesende Fotografen über Lichtverhältnisse, bevor das Konzert losgeht. Eingetaucht in warmem Kerzenlicht tritt Pelle Carlberg mit seiner Gitarre vor, der „Bühnenbereich“ ist direkt neben einem schönen gusseisernen Kamin.

Schon hier lässt sich erahnen, was die Besonderheit eines Wohnzimmerkonzertes ausmacht. Viel wird nicht benötigt, nur ein Hocker und eine Gitarre. Zum Durchstimmen dient Pelles iPhone – Reduziertheit erhält eine neue Renaissance. Er entschuldigt sich, dass er nicht über„the strongest voice“ verfügt, und es auch für ihn eine besondere Situation ist, ohne Mikro vor Publikum zu singen. Macht gar nichts, durch seinen Charme schafft es Pelle Carlberg einfach alle in seinen Bann zu ziehen.Geboten wird ein Querschnitt seiner drei letzten Alben („In A Nutshell“, „Everything Now!“, „Lillac Time“). Indiepoppige fröhliche Melodien, allesamt erschienen beim stilsicheren schwedischen Top-Indieperlen-Label Labrador.

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Foto: Michael Haußmann

Den Auftakt von „Oh No! It’s Happening Again“ unterstützt die Katze des Hauses mit einem zustimmenden Miauen und macht sich dann auf den Weg einen gemütlichen Platz zu suchen. Die Abenteuer des heranwachsenden Pelles und dessen Kumpel Sebastian, in ihrer Geburtsstadt Uppsala, werden neben den guten Ratschlägen des Vaters, in „1983 (Pelle & Sebastian)“ besungen.
Sein neueres Stück „Replaceable“ spielte er erstmals seiner kleinen Tochter, nebst Freundin vor, die stolz verkündet ihr Vater sei jetzt Rockstar. Bald hatte die strenge junge Jury genug und meinte nur „Dad we had enough“. Als er nach einer Tour in Barcelona am Flughafen festhing, samt Gepäck und Equipment und von Ryan Air im Stich gelassen wurde, kann die Stimmung durchaus sinken und eins feststehen: „I`ll never fly with you again Ryan, never again I swear“, wie es in „Fly Me To The Moon“ heißt.

Nach und nach entledigt sich Pelle von Jacke und Pulli und steht vor uns in seinem geliebten T-Shirt der Marke Merz beim Schwanen. Einst Arbeiterkleidung in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, jetzt in neuer Auflage wieder hergestellt, ist derzeit sehr aktuell ins Schweden. Einzig das Preissegment dürfte sich geändert haben. Form und Farbe sind nach mehreren Waschgängen immer noch gut erhalten, lässt uns Pelle noch wissen. Und es steht ihm auch wirklich hervorrangend!

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Foto: Michael Haußmann

Weiterhin erzählt Pelle Carlberg die Anekdote vom Hauptsponsor „Tigerbeer“, der während einer Malaysia Tour, Pelles Nachnamen von den Plakaten überkleben lässt, weil es zu sehr nach der Konkurrenz von „Carlsberg“ klingt. Kurzerhand wird daraus der „Pelle Carlsberg“ Song. Als eine schwedische Journalistin in der Presse das Album seiner damaligen Band Edson zerreisst, ist das ein Schlag in die Leber, da kann mal ruhig mal sagen: „Go To Hell, Miss Rydell„.

Pate für „Metal to Metal“ stand eine Reifenpanne während einer Tour in der Nähe von Berlin. Ein Automechaniker erklärte Pelle, dass Metall auf Metall im Motorblock ohne Schmieröl nicht funktioniert. So einfach sind manchmal die Sachverhalte.

Immer wieder geht ein warmes Danke an das Publikum, wie wundervoll dieser Abend ist. Die ca.30 Gäste lauschen aufmerksam und erfreuen sich an den netten Geschichten des Schweden. So jemanden möchte man auch nicht so schnell weiterziehen lassen.

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Foto: Michael Haußmann

Nach „Clever Girls Like Clever Boys Much More Than Clever Boys Like Clever Girls“ gibt es die erste Zugabe „Pamplona“. Inspiriert dazu hat ihn ein Lied der schwedischen Band I’m From Barcelona, welche luftig um die Ecke kommt und das Publikum animiert, beherzt mitzusingen. Der Applaus deutet schon an, eine zweite Zugabe muss her. Kommt auch prompt in einer gecoverten Version des Hits „I Believe In A Thing Called Love“ von The Darkness. Es gibt von allen einen herzlichen Applaus für Pelle Carlberg, Vampire Weekend ertönt kurz darauf aus dem iPod und es ist wahr, die Zeit, verging wie im Flug. Es gibt Konzerte, die sind einfach ein Stück Urlaub im Alltag!

2 Gedanken zu „PELLE CARLBERG, 26.03.2014, Wohnzimmer, Stuttgart

  • 30. März 2014 um 21:13
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    Vielen Dank für den schönen Bericht, Sabine. Einzige kleine Anmerkung: Es waren 45-50 und nicht 30 Zuschauer, gezählt. (:

  • 1. April 2014 um 08:15
    Permalink

    Toller Artikel, schade, dass ich nicht dabei sein konnte!

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