QUESTIONS & ANSWERS – der gig-blog-Fragenkatalog: Folge 81 mit HAWELKA

HAWELKA, Foto: Paul Muders

Foto: Paul Muders

Am 27. Februar präsentieren Hawelka im Kap Tormentoso  ihr zweites Album „Spiegel der Zeit“. Für uns Grund genug, das skurrile Blues-Pop-Ostblock-Trio mit unserem allseits beliebten Fragebogen zu belästigen. Petr Novak (Gesang/Gitarre), Jan Georg Plavec (Tastenbass/Orgel) und Christian Seyffert (Schlagzeug) haben ihn so gewissenhaft und ausführlich ausgefüllt wie keine Band zuvor. Hier also alles, was ihr schon immer über Hawelka wissen wolltet. Und noch mehr.

Was war dein schönstes Konzert?
Jan Georg: Console beim Frequency 2003 im Zelt. Auf der Mainstage haben Metallica gebollert, was das Zeug hält und waren teilweise auch lauter als Gretschmann und Co. Aber Console haben die bessere Musik gemacht!
Petr: Placebo. War nicht so voll. Wir badeten im Rausch der Musik und Alkohol.
Chris: Ich nehme das erste Konzert: Fool’s Garden in der Renninger Rankbachhalle (ca.1995/96) – dort, wo ich mich sonst im Sportunterricht am Reck quälte, versammelte sich die auf das verschiedenst ineinander verknallte Kleinstadtjugend und sang gemeinsam “Lemon Tree”.

Wo würdest du gerne mal spielen?
Petr: im LKA
Jan Georg: im Hawelka
Chris: In meiner Wohnung (darf ich laut Vertrag nicht)

Was war dein schlimmstes Erlebnis im Studio?
Jan Georg: Meine eigenen Spuren ohne die anderen zu hören.
Petr: Als ich nüchtern war.
Chris: Es sagt wohl einiges über mich aus, dass ich bei der Frage zunächst “Stadion” gelesen habe. ‘Studio’: “So, das spielen wir wohl besser mit Klick”

Was für Musik würdest du machen, wenn es Elvis nicht gegeben hätte?
Jan Georg: Ich dachte, Elvis gibt es noch?
Petr: Johnny Cash
Chris: Heimatmelodien

Das Buch, das dich am meisten berührt hat, heißt…
Jan Georg: Wenn, dann bin ich es, der da jemand berührt.
Petr: Es gibt mehr als eines: Montaigne, Camus – Der Fremde und Balzac – Verlorene Illusion
Chris: ‘Die Brüder Löwenherz’ von Astrid Lindgren, ‘Fever Pitch’ von Nick Hornby, ‘Schweigeminute’ von Siegfried Lenz

Welchen Klingelton nutzt du?
Petr: Django. Cooler Film und coole Musik.
Jan Georg: Das ist jetzt ein bisschen peinlich, aber: “Halt mich fest” von Hawelka. Weil Chris da beim Intro so schön auf seinem Schlagzeugrand klappert. Außerdem gibt’s ziemlich am Anfang den Chris-Seyffert-Gedächtnis-Doppel-Clap. Und-vier!
Chris: ‘Song For A Sailor’ von Hundreds

Der schönste Lovesong heißt…
Jan Georg: „There is a light that never goes out“, besonders schön in Morrisseys Liveversion von 2005.
Petr: „The Spy“ von The Doors
Chris: ‘Your Song’ von Elton John (oder ‘Wild Horses’ von den Stones? Oder…)

Welchen deutschsprachigen Schlager kannst du komplett mitsingen?
Jan Georg: Meine Fasnet-Zeit ist vorbei.
Chris: Erstaunlich viele – spontan: “Es war schon dunkel als ich durch Vorstadtstraßen heimwärts ging…düdüdüdüdüüüüü…”

Boxer oder Schlüpfer?
Jan Georg: Unterbuxe.
Chris: Hauptsache sitzt gut, ne!

Welchen Beatles-Song würdest du gerne anständig covern?
Petr: „Imagine“. Ist zwar von Lennon. Aber der war auch mal Bandmitglied.
Jan Georg: „Hey Jude“. Mit “Lauschangriff 277” haben wir diesem Song ziemlich oft Unrecht getan.
Chris: „Michelle“ – ein Albtraum seit dem gemeinsamen Singen im schulischen Musikunterricht.

Welche Fernsehsendung ist unverzichtbar?
Jan Georg: Ich hab keinen Fernseher und komme gut zurecht. Also keine.
Petr: Man kann auf alles verzichten. Heute geht alles viel zu schnell. Es zählt das schnelle Geld, egal was für Schrott sie verkaufen. Hauptsache, es wird verkauft. Seht euch z.B. DSDS an. Da reicht schon die Vorschau. Da sitzt der kleine Zwerg, gerade 18, große Klappe, von dem ich noch nie was gehört habe – und will dir erzählen, wie du singen sollst. Ich meine was läuft heutzutage im Fernsehen außer Lügen, weil die Wahrheit Geld kosten würde, Lästerei und der ist schlecht und der … und der hat krumme Nase und der hat Pickel am Arsch, immer diese kranke Anpasserei. Und wer sich nicht anpasst, wird nicht aufgenommen. Wen juckt es?
Chris: Ebenfalls fernsehlos, ich greife wieder in die Kindheitskiste: Sehr geprägt hat mich ‘Es war einmal…der Mensch’.

Bitte erzähl uns deinen Lieblingswitz.
Petr: Zwei gehen in den Wald und einer kommt nicht.
Jan Georg: Ich habe mich hier abschließend zum Thema Witze geäußert.
Chris: Eine alte Frau geht mit schweren Einkaufstüten durch den Park nach Hause, als plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch springt, seinen Mantel öffnet und nackt vor ihr steht. Die alte Frau schaut kurz und sagt laut zu sich: “Jetzt weiß ich wieder, was ich vergessen habe einzukaufen – Shrimps.”

Beschreibe das perfekte Bühnenoutfit.
Petr: Batman
Jan Georg: Werde ich bei der Release-Party tragen. Definitiv wird eine Ledermütze von Hammerart dabei sein.
Chris: Eine bequeme Unterbuxe – Voraussetzung für einen guten Gig!

Was ist deine Lieblings-Süßigkeit?
Jan Georg: Dragee-Keksi. Wenn ich nur aufhör’n könnt!
Petr: Carolina
Chris: Bitterschokolade und alles aus Mutters Backofen!

Was wäre aus dir geworden, wenn es nicht zum Musiker gereicht hätte?
Jan Georg: Ich hätte, glaube ich, einen guten Journalisten abgegeben.
Chris: Wohl eher was Solides, leicht Langweiliges wie Lehrer z.B.

In welcher Band (außer deiner eigenen) würdest du gerne mitspielen?
Jan Georg: Chromatics oder Piano Club
Petr: Justin Bieber
Chris: Jeans Team, alternativ bei den Berliner Philharmoniker

Was ist dein Lieblingsmusikinstrument?
Jan Georg: Er heißt Roland.
Petr: Les Paul und Sheraton
Chris: Kesselpauken sind grandios!

Das größte musikalische Genie (lebend oder tot)?
Petr: Jim Morrison
Jan Georg: Den Genie-Glauben lehne ich ab.
Chris: Ich nehm Tor 2

Die schönste Frau im Showgeschäft?
Jan Georg: Mich hat die Sängerin der isländischen Band Bloodgroup, Sunna Þórisdóttir, ganz verzaubert, als ich die 2013 in Reykjavik live gesehen habe.
Petr: Carolin Kebekus
Chris: Alexandra Maria Lara

Was würdest du mit einem unerwarteten Geldgeschenk von 1000 Euro anfangen, wenn du es nicht für Alkohol, Zigaretten, Drogen, Urlaub oder Prostitution ausgeben dürftest?
Petr: Paris mit meinen zwei Frauen anschauen und von dem Rest Alkohol, Zigaretten, Drogen und Frauen kaufen. :-)
Jan Georg: Ich würde nach London in den Rough-Trade-Shop fahren.
Chris: Für die nächsten 3 Saisons meine Auswärtsdauerkarte finanzieren.

Zuerst „Zuversicht & Kippen“, jetzt „Spiegel der Zeit“. Was wollt ihr uns mit dem neuen Album-Titel sagen?
Petr: Nichts. War ein Würfelspiel, wie das Leben – heute bist du dran.
Jan Georg: Das ist ein großes Thema für mich. Petrs Songtexte sind zwar doppelbödig, aber alles andere als ironisch. Unsere Bühnenshow hingegen hat viele ironische Elemente. Der Albumtitel “Zuversicht und Kippen” war natürlich auch ironisch, aber er hat auch einen wahren, existenzialistischen Kern: was braucht man sonst schon für ein gelungenes Leben? “Spiegel der Zeit” passt als Überschrift schon zu diesem Album. Es geht darin um Bevormundung durch Gesetze und den Staat im Allgemeinen und um das “Leben auf 30 Quadratmetern”; um Konsum, wenn man pleite ist und immer wieder um Eskapismus und Rauschzustände. Die CD spiegelt all das, ohne zu sagen, dass die Welt genau so oder nur so ist. Sie impliziert also eine Ernsthaftigkeit, die die ironische Brechung (eben das Spiegel-Motiv) aber mitdenkt. Philosophiestunde Ende!
Chris: Der Letzte macht das Licht aus!

Lochkamera-Fotos und Vinyl-LP. Wie retro ist Hawelka?
Jan Georg: Sowas von! Nein, ernsthaft: Die Musik hat schon viele Sechziger-Anleihen, deshalb die Entscheidung, das Album (neben CD) auf Vinyl zu veröffentlichen. Die Lochkamera-Fotos fanden wir auch deshalb so toll, weil es in Petrs Texten oft um Konzepte wie Fahren und Zeit verbringen geht. Przemek Zajfert wählt für seine Lochkamera-Bilder ja Belichtungen von bis zu einem halben Jahr. Wie unsere Songs fangen diese Bilder damit im Vergleich zu ihrer Dauer einen extrem langen Zeitraum ein.
Chris: Was ist schon ‘retro’, wenn in der Popkultur munter ironisch und unironisch zitiert wird, dass man kaum hinterherkommt?

Als Support bei der Plattenpräsentation spielt Levin Goes Lightly. Was verbindet euch?
Petr: Musik.
Jan Georg: Begeisterung fürs Düstere, und eine Vinyl-Veröffentlichung. Und wir hoffen weiterhin, dass uns bald eine Albumbesprechung im Intro-Magazin verbindet. Thomas Venker hat es sich glaub schon angehört.
Chris: Die Nacht im Kessel.

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