LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Eine weniger brillante Band als Dear Reader hätte bei ihrem Pop-Freaks-Auftritt mit einem Support-Act wie Lost Lander sicher keine Freude gehabt. Diese sympathische Band aus Portland hat dort nämlich ein so feines Set hingelegt, dass das Publikum einen guten Teil seiner Begeisterung schon vor der Hauptband verpulverte. Und das, obwohl die Band tourtechnisch auf ein Duo – bestehend aus Frontmann Matt Sheehy und Multi-Instrumenalistin Sarah Fennell – reduziert war. Natürlich haben sich Dear Reader letztlich doch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, aber wie gesagt: Lost Lander haben tiefen Eindruck hinterlassen.

Und zwar so, dass Claudia, eine von Stuttgarts Wohnzimmerkonzert-Veranstaltern ein paar Tage später einen Haus-Gig vereinbarte. Großartig, wenn eine Band spontan zusagt. Noch großartiger, wenn sie dann gleich in der kompletten Band-Besetzung anrückt. Nach ein paar Gigs in Russland sind Lost Lander nämlich zur zweiten Runde ihrer Deutschland-Tour zurückgekehrt und haben Ihren Tourkalender mit zwei Hauskonzerten ergänzt, und eines davon findet nun in dem schon gut bekannten Wohnzimmer in Feuerbach statt.

LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Dass wir große Fans von gemütlichen Hauskonzerten sind, dürfte ja inzwischen bekannt sein. Und dass sich inzwischen eine richtig vernetzte Stuttgarter Wohnzimmerkonzert-Szene entwickelt hat, macht das ganze noch kuscheliger. Der harte Kern, der sich natürlich auch von den Club-Konzerten kennt, gibt sich ein Stelldichein, die Veranstalter besuchen sich gegenseitig. Familiär ist wohl das richtige Wort. Zu Lost Lander wollten natürlich alle kommen, und so wird es in Claudias Wohnzimmer noch voller als sonst. Zumal das komplette Band-Setup inklusive richtiger PA ohnehin schon die Hälfte des Raums belegt. (Die exzellente Auswahl fränkischer und bayrischer Bierspezialitäten erhöht übrigens auch noch die Attraktivität dieser Konzerte)

Lost Lander sind jedenfalls sichtlich erfreut, wieviel Publikum sich eingefunden hat. Aus Platzgründen gibt’s auch kein gemütliches Rumdümpeln auf dem Sofa, hier wird – wie bei einem echten Club-Gig – gestanden, und zwar auf Tuchfühlung mit der Band. Versprochen wird ein volles Set, und das gibt es auch. Nach anfänglichen kleinen Soundproblemen spielen sich sich Sheehy & Co schnell warm und geben praktisch ihr komplettes Album DRRT zum Besten. Und wer sich hier auf ein zart-gehauchtes Konzertchen eingestellt hatte, muss erstaunt feststellen: hier wird der Begriff Wohnzimmer-Lautstärke neu definiert. (erfreulich übrigens, dass dies von der Nachbarschaft toleriert wird)

LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Die unerwartete Intensität und die eingängigen Rhythmen setzen das Publikum jedenfalls schon nach wenigen Songs in Bewegung. Der eingängige Indie-Pop mit seinen deutlichen Achtziger-Anleihen, einer ordentlichen Portion Rock und einer Prise Folk ist aber auch wirklich tanzbar. Insbesondere das rollende Schlagzeug und der Wechsel zwischen plektron-gespieltem Bass und Bass-Synthesizer legen ein solides (wenn auch manchmal etwas zu lautes) Fundament.

Sheehy plaudert von der Russland-Tour und davon, wie schön es ist, auf der Durchreise von Hamburg nach Paris in Stuttgart ein Dach über dem Kopf, nette Gesellschaft und eine Übernachtung zu haben. Keine Frage, Konzerte mit Familienanschluss sind sicher eine angenehme Abwechslung im Tourplan. Und wenn man einen vorsichtigen Blick in den Spendenhut riskiert, muss die Band auch nicht mit leeren Händen weiterreisen. Fein.

Das offizielle Set endet nach einer knappen Stunde, aber es versteht sich, dass man die Band nicht ohne Zugabe ziehen lässt. (Wohin sollte sie auch ziehen?) Und dann packen Lost Lander zwei wunderbare Songs aus, die Matt und Sarah nahezu ohne Begleitung, ohne Mikros, quasi a capella singen. Und da wird deutlich, was in der Lautstärke vielleicht etwas unterging, die zwei haben wunderbar zueinander passende Singstimmen. Das ist Harmoniegesang vom Feinsten. Gänsehaut-Stimmung zum Abschied.

LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

4 Gedanken zu „LOST LANDER, 04.02.2014, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

  • 6. Februar 2014 um 11:53
    Permalink

    Es ist aber schon witzig, dass die (astrein gelungenen) Bilder eine komplett andere Stimmung transportieren als der Gig hatte….

  • 6. Februar 2014 um 12:04
    Permalink

    Gudrun, da muss ich dir recht geben. Die Dynamik kommt da nicht wirklich rüber. Aber in diesem Fall kam’s ja nicht nur auf die ruhige Hand des Fotografen an, er musste ja auch noch Momente abwarten, in denen sich die Musiker nicht bewegen. (Und da gab’s nicht viele ;) )

  • 6. Februar 2014 um 12:11
    Permalink

    Nach dem Merlinauftritt war ich noch so voller Bewunderung für den großartigen Opener, dass ich mich gar nicht getraut hätte, direkt zu fragen! Der Kontakt ging dann ein paar Tage später hochoffiziell über den auf der Homepage genannten Booker und auch recht unkonkret, lediglich mit dem Hinweis auf die Möglichkeiten! Es war dann einfach eine sehr glückliche Fügung, dass Stuttgart ja beinahe zwischen Hamburg und Paris liegt! Holger & X-tof vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht und die Fotos hier und auch vielen, vielen Dank an alle, die diesen traumhaften Abend mit uns in Feuerbach verbracht haben! Bis zum nächsten Mal!

  • 6. Februar 2014 um 12:22
    Permalink

    Claudia, da habe ich deine Chuzpe wohl überschätzt ;) Jedenfalls kann man dir gar nicht genug dafür danken, dass du solche Gigs – auf welchem Weg auch immer – möglich machst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.