STEVE GUNN, 27.01.2014, Tonstudio, Stuttgart

stevegunn_tonstudio01

Foto: Markus Milcke

Besser kann es eigentlich nicht gehen an diesem Montagabend. Aus der Kombination spontan und unverhofft wird ein wundervolles Konzert – kurz vorher die Wurfpostsendung von Gig-Blog Maitre Lino erhalten, einen Bericht zu schreiben. Zwei Stockwerke unter die Erde geht es , um den Musiker der Stunde zu erleben: Steve Gunn, Brooklyner Gitarrist und Songwriter ist heute zu Gast im Tonstudio, eingeladen von der Montagegruppe, präsentiert von Flüssigkeiten und Schwingungen.

“Eine der besten Platten des Jahres 2013 im Jahrespoll von Second Hand Records Stuttgart lautet es in der Ankündigung. Die beste Platte heißt in diesem Fall “Time-off”, erschienen auf Paradise of Bachelors und ist das erste Trio Album von Steve Gunn, aufgenommen mit Drummer John Truscinski und Bassist Justin Tripp. Steve Gunn hat bereits in diversen Formationen gespielt, 2012 unterwegs mit Kurt Vile & the Violators und einst Stammmitglied des Psych Folk –Trio GHQ.

Leise Soulmusik läuft im Hintergrund und trägt zur leichten Anhebung der Stimmung des Abends bei, als wir den Raum betreten. Als die Band an der Bar mit einem Kurzen anstößt, ist dies das sympathisch schnörkellose Zeichen, dass es losgeht. Eine räumliche Distanz ist aufgehoben, die Instrumente stehen nicht auf der Bühne, sondern ebenerdig neben der Bar.
Steve Gunn, smarter Typ – ausgestattet mit Picking Plectron und zu meiner Freude ohne Singer-Songwriter-Bart! – beginnt sein Set mit zwei Solostücken „Mr.Franklin“ und „Wildwood“.
Nach nur wenigen Akkorden steht fest: Hier wird ein Vertrag mit dem Publikum gemacht.

stevegunn_tonstudio10

Foto: Markus Milcke

Überhaupt wird den Klängen aus Psych-Folk, Americana gepaart mit einer bluesigen Virilität der Vortritt gelassen. Steve Gunn spricht kaum zwischen den Stücken. Die Pausen nutzt er zum Stimmen und um von der Akustik- auf die E-Gitarre zu wechseln und wieder zurück. Auch das Surren der riesigen Diskokugel, das die Stille der Pausen füllt, bezeichnet Steve Gunn ganz unprätentiös als “Art-Noise”. Einen großen Sympathiepunkt dafür. Denn, wie schon erlebt, gibt es auch Musiker, die, wegen nicht eingeplanter Geräusche verstimmt, zum längeren Stillstand eines Konzertes beigetragen haben.

Old Strange, das erste Stück an diesem Abend der Time-off-Platte, baut sich mit einer Verspieltheit und Schwere zugleich auf, wobei sich der Gesang nicht aufdrängt. Der hypnotischen Wirkung des Dargebotenen kann man sich nicht entziehen. So spürbar ist zum einen die Leichtigkeit, mit der Gunn elegant über sein Griffbrett gleitet, mit einen Give und Go zwischen Bassisten und Drummer.

Mit einer Richtungsdynamik an spieltechnischem Können ziehen seine Stücke genau da an, wo andere aufhören. Vage die Aussage zu machen, unter acht Minuten läuft hier nichts. Nein, der Ausdruck “gefühlte Zeit” wird hier jetzt nicht verwendet. „New Decline“ ist ein dichter Mix mit freundlichen Grüßen an den Country-Blues.

Um die Zugabe muss nicht lange gebeten werden, mit bescheidener Geste tritt die Band ab, und Steve Gunn schließt das Set mit einem Solostück mit seiner Akustikgitarre. Die Setliste gibt es von Steve Gunn persönlich in den Notizblock geschrieben, für einen der Begleiter gibt es Vinyl und ein bisschen Smalltalk mit dem Musiker. Was will man mehr – Time off. Das nächste Mal auch gerne beim Austin Psych Fest in größerer Runde.

12 Gedanken zu „STEVE GUNN, 27.01.2014, Tonstudio, Stuttgart

  • 31. Januar 2014 um 18:50
    Permalink

    Sehr schöner Einstand! Welcome!

  • 31. Januar 2014 um 19:15
    Permalink

    Sauber! Mehr davon aufm gig-blog!

  • 1. Februar 2014 um 11:43
    Permalink

    Willkommen! Tatsächlich ein großartiger Einstand. Feiner Text und tolle Fotos. Wann kommt der nächste Beitrag? ;)

  • 2. Februar 2014 um 14:40
    Permalink

    Super!!

  • 3. Februar 2014 um 09:30
    Permalink

    Schmissiger Text, Hut ab.

    Aber was hast Du gegen Singer-Songwriter-Bärte?

  • 3. Februar 2014 um 09:51
    Permalink

    Klasse, Sabine!
    Freue mich auf mehr.

  • 3. Februar 2014 um 15:09
    Permalink

    Vielen lieben Dank für Eure netten Kommentare zu meinem Einstand!!
    Freut mich sehr!

  • 3. Februar 2014 um 19:25
    Permalink

    @bertramprimus: der inflationäre Gebrauch dieser wird’s sein.

  • 4. Februar 2014 um 07:19
    Permalink

    Super Text, gratuliere! Mir gefällt „bluesige Virilität“ und „Richtungsdynamik“ am besten. Sabine, das sieht nicht nach einer Schreibblockade aus, von der Du mir berichtet hast! ;-)

  • 4. Februar 2014 um 17:19
    Permalink

    Der Konzertbericht ist echt knorke ! „Give and go“ gefällt mir am Besten….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.