BLACK SABBATH, 04.12.2013, Festhalle, Frankfurt

black-sabbath

Foto: iPhone Walter

„Let’s go fucking crazy!“

Es hilft ja letztendlich alles nichts. Ich wollte keinen Bericht schreiben, da gig-blog Artikel ohne Bilder unserer brillanten Fotografen nur noch die Hälfte wert sind. Aber verdammt noch mal, das sind heute Abend Black Sabbath. Die Band, die mich damals am Eingangsportal der Pubertät auf das Heavy-Rock Gleis setze. Die Band, die heute Abend ein fulminantes Konzert abfeuern wird und das fast in Originalbesetzung.

Dass das heute ein Konzert für besondere Gelegenheiten sein wird, zeigt die Präsenz von Edel-gig-blogger Walter. Tox ist auch dabei, und seine jahrzehntelange Erfahrung in Sachen Konzertbesuch gibt vor: das Essen vor dem Konzert muss stilistisch zu der Band passen. Wir gehen also in einem Pub, britisches Bier und Essen. Geht sogar. Weniger gehen die beiden Banker nebenan am Tisch, die 1:1 aus „American Psycho“ zu stammen scheinen. Muss wohl so in Frankfurt.

Auf dem Weg zur Festhalle weiterer Tox-Konzerterfahrungsbonus: die Konzertbesucher, die im Stau vor dem Parkhaus stehen, innerlich verhöhnen. Innerlich, weil man will ja keine aufs Maul. Vorletzte Vorabbetrachtung vor dem Konzert: Es laufen uns Leute über den Weg, die original aussehen wie deutsche Metaller 1983 aussahen. Kann man sich perfekt auf einem Mofa vorstellen die Kerle, sagenhaft. Letzte Vorabbetrachtung: die Festhalle ist wahnsinnig groß, ca. Schleyer-Hallen groß, aber optisch ein Augenschmaus und ordentlich beeindruckend.

Uncle Acid & The Deadbeats spielen schon als wir ankommen. Mir gefällt das gleich sehr gut. 70ies Doom-Stoner-Rock mit permanent zweistimmigen Gesang, ab und an zweistimmigen Gitarrenleads, und teils ausufernden Gitarrensoli. Von mir gibt’s den Daumen nach oben. Der Rest der Jury: Tox skeptisch („Warum eine Vorband, die genauso klingt wie die Hauptband?“), Walter gleichgültig („“).

Gegen 21 Uhr, das Licht nach der Umbaupause ist noch an, gibt es schon das meckernde Gelächter von Ozzy zu hören. Gleich danach, Licht aus, Sirenengeheul, klar was kommt: „War Pigs“. Und gleich Riesenbegeisterung, nicht nur wegen dem Lied. Was will man über den Song noch groß sagen. Ein Klassiker und Monument für alle Zeiten wie nur wenige, andere Songs. Begeisterung auch über den Sound. Riesenhalle, und trotzdem: man hört alle Instrumente klar, Druck mehr als ausreichend, und trotzdem keine Ohrstöpsel nötig. Und das bleibt dann auch so.

„Let me see your hands!“

Ozzy ist gut bei Stimme. Gestern wurde er 65, aber der prince of darkness ist gut beieinander, für seine Verhältnisse. Das tapsig, tattrige in seinen Bewegungen kriegt er wohl nicht mehr weg, aber wen kümmert’s. Es ist ja eh ein Wunder, dass der Mann nach der bisherigen Vita (u.a. Autohupentester) überhaupt noch am Leben ist, geschweige denn auf einer Bühne steht. Er freut sich sichtlich heute Abend on stage zu sein, und wir freuen uns mindestens genauso mit ihm.

Ebenso erfreut uns zum Großteil die Songauswahl. Wir bekommen so Connoisseur-Songs geboten wie „Under The Sun“, „Behind The Wall Of Sleep“, „Fairies Were Boots“ und “Into The Void”. Da geht einem wirklich das Herz auf, und da stören mich dann auch die neuen Songs von der “13” nicht. Mit der Platte bin ich nicht warm geworden. Schlecht ist sie nicht, aber sie klingt in meinen Ohren wie eine Ozzy-Soloplatte. Sabbath mit Ozzy müssen dreckiger klingen. Dass der Sound auch noch aktuell zu bewerkstelligen ist, zeigt diese Band. Ginge es nach mir, hätte man die neuen Stücke ganz weglassen können, dafür lieber die komplette „Volume Four“ rein ins Programm, plus „Electric Funeral“ und „Symptom Of The Universe“.

„We love you all!“

Fair ist es sicherlich nicht die neuen Stücke so abzuurteilen. Aber das liegt auch daran, dass das klassische Sabbath-Repertoire so dermaßen weit oben über allem steht. Die beiden Hauptverantwortlichen dafür stehen ja auch noch auf der Bühne. Geezer Butler schrieb die meisten Texte, prägte damit und mit seinem unvergleichlichen Bass-Spiel den Sound und das Image von Sabbath entscheidend. Der Mann scheint immer in guter, körperlicher Form zu sein. Zu Iommi habe ich beim Heaven-Hell-Bericht schon fast alles gesagt. Legende, auch er hat heute Abend blendende Laune und muss öfters lachen. Walter wird währenddessen von einem Mann ungefragt umarmt, den die Glücksgefühle überkommen haben, die Musik von Sabbath, die Eintracht hat gewonnen.

Die Bühnenshow ist ziemlich aufwendig, wobei die Visuals mal mehr gelungen sind, wenn sie vor allem zeithistorisches und okkult-religiöses Filmmaterial zeigen, mal weniger. Appropos Optik: Drummer Tommy Clufetos passt da mit seinem Jesus-Look eh bestens ins Bandkonzept, und dass er ausgezeichnet trommeln kann, sieht und hört man, dazu hätte es des Solos nicht bedurft. Andererseits aber natürlich gute Gelegenheit für die alten Herren etwas Luft zu holen, schließlich geht die gesamte Show zwei Stunden lang. Natürlich hätte man gerne Bill Ward gesehen. Weil er mit seinem Spiel den Sound von Sabbath auch entscheidend prägte, und der Typ ja eh eine coole Sau ist. Aber vor Augen haltend sein Getrommel beim 1999 Konzert in Stuttgart, und dann mal aufaddierend, dass seitdem 14 Jahre vergangen sind, plus sein Gesundheitszustand…vielleicht ist es besser so.

Highlights gibt es viele. Neben den schon erwähnten Klassikern haut mich vor allem die Wucht von „N.I.B.“, der Doom-Part von „Children Of The Grave“, und die Stimmung bei „Black Sabbath“ um. Letzteres klingt immer noch so, als würde einen der Tod persönlich zum Tänzchen auffordern. Ganz, ganz fantastisch ist das. Und dass die ganze Halle das Riff von „Iron Man“ nachsingt, ist ja auch klar. Hat ja auch Ozzy damals auch gemacht, als er sich die Melodie zu dem Song „ausdachte“. Wir sind alle schwerstens begeistert, auch über die Zugabe, natürlich, „Paranoid“. Selbst dieses abgenudelte Stück wird absolut überzeugend auf uns abgefeuert, dass es nur so ein Fest ist.

So gehen wir überglücklich nach Hause, und beschließen noch während des Konzerts, die Sabbath-Karten für den 25. Juni in Stuttgart zu ordern. Bis dahin, das letzte Wort überlassen wir Ozzy:

„God bless you all!“

4 Gedanken zu „BLACK SABBATH, 04.12.2013, Festhalle, Frankfurt

  • 5. Dezember 2013 um 21:13
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    Giganten! Vielleicht die letzten ihrer Art…

  • 8. Dezember 2013 um 05:31
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    lieber nur wenige gute Bilder, als viele „nur dahergenipste“….

  • 8. Dezember 2013 um 12:39
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    Sehr gefällige Review! Warum der Lino niemals vom Metal Hammer als Edelschreiber verpflichtet wurde, bleibt eines der großen ungelösten mysteriösen Rätsel.

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