THE GRAND OPENING, 27.11.2013, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

THE GRAND OPENING, 27.11.2013, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Ein ganz feiner Zug: Kollege Jens vom Nachbarblog Konzerttagebuch hat uns zu einem Wohnzimmerkonzert eingeladen. Da sind wir doch immer gerne dabei. The Grand Opening, genauer John Roger Olsson ist aus Schweden angereist. Dass er bei Tapete Records erscheint, ist ja eigentlich schon Empfehlung genug, aber darüber hinaus haben diese Wohnzimmerkonzerte einen ganz besonderen Reiz. Ist ja immer so ein bisschen konspirativ: eine unbekannte Adresse, unbekannte Gastgeber. Was erwartet uns? Da lockt uns ja schon die pure Neugierde. Klar, dass wir diese Einladung gerne annehmen.

Diesmal also zur Abwechslung mal in der Halbhöhe. Exquisite Lage, würde ein Immobilienheini sagen. Lisa und Jürgen heißen die Gastgeber. Wie sich später herausstellt, sind sie ganz alte Hasen. Fünfzehn mal haben sie dieses Jahr schon ihr Wohnzimmer für unterschiedlichste Bands geräumt, allein im letzten Monat viermal. Desiree Klaeukens war kürzlich da oder auch die Akustiker-Punker Tigeryouth. Man ahnt ja nicht, was sich hinter den Fassaden solch gut­bürgerlicher Häuschen abspielt. Als wir eintreffen sind schon gut dreißig Leute versammelt. Der Esstisch ist voll besetzt, für Essen und Trinken ist bestens gesorgt, und inmitten des buntgemischten Haufens aus Freunden, Nachbarn und einigen per Facebook eingeladenen Fans sitzt der Künstler und stärkt sich für seinen Auftritt.

THE GRAND OPENING, 27.11.2013, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Als John Roger Olsson dann seinen Platz am Bollerofen einnimmt, wirkt er ein wenig verunsichert. Diese Art von Konzerten ist doch etwas besonderes. Ohne jegliche Technik, kein Mikrofon, hinter dem man sich verstecken kann und dann auch noch in Socken, dass ist doch sehr intim. Aber schon mit den ersten Takten ist klar: mit seiner Stimme, die so viel voluminöser klingt als auf den Studio-Aufnahmen, füllt er locker den ganzen Raum. Und eigentlich ist es auch die angemessenste Art, seine Art von Musik zu präsentieren. Es sind nämlich sehr persönliche, meist melancholische Geschichten, die er in seinen Liedern erzählt. Untermalt von seinem sparsamen Gitarrenspiel, inmitten all der Kerzen, die die Gastgeber überall verteilt haben, entfalten die Songs ihren besonderen Reiz.

THE GRAND OPENING, 27.11.2013, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Vier Alben hat The Grand Opening – ein Bandprojekt, das schon in unterschiedlichsten Besetzungen gespielt hat – bereits veröffentlicht. Die meisten Titel des Abends spielt Olsson vom letzten Album „In The Midst of the Drama“, bevor er dann sein aktuelles Album „Don’t Look Back Into The Darkness“ vorstellt. Und prompt ist ihm ein Titel nicht ganz präsent. Kurzerhand verlässt er den Raum, konsultiert sein iPhone und kommt mit den frisch eingeprägten Akkordfolgen und Texten zurück. Zwischen den Titeln erzählt er kleine Geschichten über seine Heimatstadt Stockholm, klärt die Frage auf, wer eigentlich der zweite Mensch auf dem Cover seines letzten Albums ist und plaudert über seine Oma, die sein aktuelles Album-Cover ziert.

THE GRAND OPENING, 27.11.2013, Wohnzimmerkonzert, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Und je länger der Abend läuft, desto fröhlicher wird Olsson. Publikum und Musiker haben ihren Spaß und so lässt er sich nach einer knappen Stunde doch noch zu „two more songs“ hinreißen, darunter das wunderschöne „Towards You Final Rest“, um dann – nach einer ausgiebigen Pause – nochmals eine Zugabe zu spielen.

Der wunderbare Abend klingt dann als lockere Steh-Party in der Küche und am Lagerfeuer im Garten aus. Natürlich haben wir uns als anständige Gig-Blogger so benommen, dass wir vielleicht auf eine Einladung zum nächsten Wohnzimmer­konzert hoffen dürfen. Obwohl: Als ich gehe, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie unser Fotograf den Musiker in die Geheimnisse von „Wodka Ahoj“ einweiht. Hoffen wir mal, dass das gut gegangen ist.

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