LONG LOST SOULS – Plattenreleaseparty, 27.11.2013, Tonstudio, Stuttgart

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Foto: Markus Milcke

Gerade läuft ja unangekündigt die Themenwoche „Geile lokale Bands aus dem Stuttgarter Raum spielen live im Stuttgarter Raum“. Sehr sperriger Titel, auch komplett ausgedacht, aber stimmt ja trotzdem. Und im Gegensatz zu den ARD Themenwochen, die knappere Titel auf der Habenseite haben, hat diese Themenwoche den Vorteil, dass sie eben kein kompletter Klumpatsch ist.

Letztes Wochenende also das ESxSWFestival, welches sehr überzeugend zeigte was für gute Musik zur Zeit im mittleren Neckarraum so produziert wird. Heute Abend Plattenreleaseparty von Long Lost Souls, einer Band mit vielen bekannten Gesichtern, und fast noch bekannteren Gästen. Noch paar Eckdaten zum Abend: man löhnt 20 Euro, bekommt dafür ein hochwertiges Konzert, ein frischgepresstes Vinyl von „Hum A Little Melody“ samt gebrannter CD, und last but not least am Eingang gleich ein Stück Butter (abgepackt) in die Hand gedrückt, um sich dann unten im Tonstudio eine Brezel zu schmieren. Stichwort: Crowdfunding. Wem das zu teuer ist, soll zeit seines Lebens ein einsames Leben vor irgendwelchen Preisvergleich24-Seiten fristen.

Die LLS gibt es wohl eine Weile, und jetzt, da man angefangen habe die eigene Musik satt zu haben, war, laut Sänger Andreas Vogel, der Zeitpunkt gekommen eine Platte aufzunehmen. Präsentiert werden die Stücke mit vielen GastsängerInnen. Apropos Andreas Vogel, von dem habe ich auch noch Vinyl im Schrank, und zwar von Viva Maria. Erinnerungsfetzen: tolle Liveband, habe ich im Grundstudium gern gehört, die Bassistin war nicht nur gut, sondern auch irgendwie entzückend. Das Internet rückt aber nix heraus, the real underground stuff also.

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Foto: Markus Milcke

Gegen 20:30 geht der Abend im gut gefüllten Tonstudio los. Andreas V. führt erklärend durch den Abend, und das in extrem unterhaltender, gut gelaunter Manier, es wird viel gelacht. Das erste Stück wird gastgesungen von Sarah Sophia Meyer und Michael Paukner. „Out Of Body Experience“, ein sehr melodisches, countryeskes Stück, in welchem der mächtige Bariton Paukis perfekt mit der schönen Frauenstimme von Sarah harmoniert. Band klingt eh super mit zwei Gitarren (eine Akustik- und eine E-Gitarre) und Kontrabass.

Wenn ich das richtig verstanden habe, werden die Songs in der Reihenfolge wie auf dem Tonträger gespielt. Stück Nummer zwo namens „Transition“ wird von Ahlie Schaubel (bekannt durch Elektrolochmann) und Thomas Sattig gesungen. Die beiden bringen nächstes Jahr unter dem Namen Tramontana ihre Platte raus. So, hiermit ist es rausposaunt, der Druck unermesslich, keine Ausreden mehr gestattet. Zum Vortrag gibt es zu sagen, dass sie, obwohl ich mit den beiden befreundet bin, richtig gut singen können. „Transition“ ist auch melancholischer, passt damit auch ganz gut zu ihrem „Tramontana“-Sound, tolle Klavierbegleitung von Coco Hampel und Sopran(?)saxofon-Solo inklusive. Erwähnenswert noch Herrn Vogels Einleitung für die beiden, in der er erläutert, dass Stuttgart für die Zwei einfach zu hart sei, und dass sie eben lieber in Tübingen mit ihren Verbindungs-Freunden abends 10 bis 12 Bier trinken gehen. Irgendwie stimmt hier alles an dem Abend.

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Foto: Markus Milcke

Das dritte Stück „Circle Lights“ (?) ist dann wahrscheinlich mein Favorit. Klingt mit seinem wunderbaren zweistimmigen Gesang, und seiner schönen Melodie etwas nach Grand Archives, oder sogar Dylan Mondegreen. Andreas Sauer von Loretta an den Vocals.

„Northern Sky“ wird von Marie-Louise gesungen, und ich soll von den mittlerweile zwei Ex-Elektrolochmännern Ahlie und Steffi ausrichten, dass die Dame ganz wunderbar singt. Tut sie. Steffi schmiert sich zeitgleich eine Butterbrezel und isst diese auf. Starkes Bild, das ganz laut zu sagen scheint: Nimm dies, Berghain! So hart und authentisch werdet ihr nie sein können.

Und so entspannt geht das eben den ganzen Abend weiter. Nette Leute um einen herum, vorne tolle Musik. „Out To Lunch“ zum Beispiel wird als „Musical“-Nummer vorgestellt, und brilliert durch den schönen Wechselgesang zwischen Einzelstimme und Chorgegenantwort. Vorgetragen von Sarah und Max, tolle Nummer. Ebenfalls toll „The Joy Of Sex“, eine ruhiges, melancholisches Stück, gesungen, wenn ich’s richtig gesehen habe, ohne Gast. Im Gegensatz zu „It’s Not The Point“ von Maren Löschhorn der Tender Buttons. Hier wechselt Multivirtuose Coco dann an das Cello. Klar, würde jeder von uns auch so machen.

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Foto: Markus Milcke

Bei „Routine“ versucht sich, ich hoffe ich verwechsele da nichts, Stammsängerin Silja Bächli daran, mit drei Rassel-Eiern per Jonglieren den Song im Rhythmus zu begleiten. Geht erstaunlich gut, kann einen aber auch ganz hibbelig machen beim Zuschauen. Bei dem Song zeigt Gitarrist Rainer Rupp, dass er nicht nur ein Spitzengitarrist ist, sondern auch singen kann. Kann einen fast schon ankotzen, wie musikalisch die alle sind, während man selber eher so singt wie die Nationalmannschaft 1974.

Am Ende gibt es noch Material, das nicht von der LP ist, samt einer Vollunplugged Zugabe. Was soll man da noch sagen zu dem Ganzen? Ich vergeb von maximal zehn Sympathiesternchen elf, so einfach ist das. Und für die Hobbypsychologen: die LPs gibt es mit verschiedenem Artwork, ich habe die mit dem Papierflieger genommen.

3 Gedanken zu „LONG LOST SOULS – Plattenreleaseparty, 27.11.2013, Tonstudio, Stuttgart

  • 28. November 2013 um 12:50
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    Cool Lino, dass du mit diesem Spontanbeitrag reingegrätscht bist. Großartig! Die Location, die Reihe und die Band haben es mehr als verdient. Und was den Besitz obskurer Vogel-Veröffentlichungen betrifft, halte ich dagegen: „Sharon Tate’s Children – Reality Is“ Wummerpunk mit der fiesesten Schweine-Orgel ever. Live gesehen im Casino.

  • 29. November 2013 um 19:57
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    …und ich auf dem U&D auf der (wild dazu gestellten) alternativen Bühne. Hab auch beide LPs und die Single. *angeb* ;-)

  • 30. November 2013 um 11:59
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    Ja, die wilde Bühne! Hatte ich schon ganz vergessen. Mit der „Fucking Gute Bürger Band“ ;) Oder waren die sogar auf der Hauptbühne?

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