THE SOUNDS, 20.11.2013, LKA, Stuttgart

The Sounds

Foto: Reiner Pfisterer

Jesses, was für ein scheiß Wetter! Egal, wir fahren ja mit dem Auto ins LKA nach Wangen. Und hören dabei noch ein bisschen Sounds, zum Einstimmen und so. Dort angekommen bietet sich uns genau das Bild, das wir auch erwartet haben. Haufenweise junge Mädels und nicht ganz so viele nicht ganz so junge Männer. Maja Ivarsson und ihre Jungs kommen halt gut an beim Jungvolk. Macht ja nichts. Wir sind ja im Herzen auch unglaublich jung. Also rein in die Halle und erstmal durch zum Bierstand. Wir haben Durst. Die Veranstalter haben gleich mal das halbe LKA mit schwarzem Tuch abgehängt, damit man sich nicht so verloren vorkommt. Denn ausverkauft ist das hier nicht mal ansatzweise. Tja, hier wäre wohl sowas wie die Röhre (R.I.P.) die richtige Location gewesen. Arschlöcher! Also nicht die Veranstalter jetzt, eher Politiker und so. Darf ich hier überhaupt Arschlöcher schreiben? Glaub schon.

Egal jetzt, wir sind gut gelaunt und pünktlich wie die Maurer legt um 20.30 Uhr die Vorband Viktor And The Blood los. Schnieke sehen sie aus in ihrem feinen Zwirn, die jungen Schweden. Ansonsten ist das lauer Stadionrock. Den Fans der Sounds gefällt’s, wenn man dem Applaus Glauben schenken darf. Würde ja mal gern wissen, ob die auch so klatschen würden wenn da drei dicke, bärtige, langbelockte Hardrocker aus dem Zollern-Alb-Kreis stehen würden. Von der Musik her würde das ganz gut gehen. Diamond Dave und mir fällt die verblüffende Ähnlichkeit des Frontmanns mit Wilson Gonzalez Ochsenknecht auf. Haha, wir müssen lachen. Dann drehen wir uns um und bestellen noch ein Bier. Einen Stimmungsdämpfer gibt es aber doch noch. Für mich jedenfalls. Kroatien führt in den WM-Playoffs gegen Island. Das kleine Island bei der Fußball-WM – das wäre schon abartig cool! Interessiert hier aber bestimmt keinen.

Viktor And The Blood

Foto: Reiner Pfisterer

Um 21.30 Uhr geht es dann endlich los. Die Lichter gehen aus, die Einlaufmelodie ertönt und dann kommen The Sounds unter dem Applaus der Fans die Treppe runter. Frontfrau Maja kommt als letzte, sieht aber definitiv am Besten aus. Und das obwohl sie dem Rockeroutfit heute ein luftiges schwarzes Kleidchen vorgezogen hat und ihr Haar in einem Omaknödel versteckt. Die Frau kann eh nichts entstellen. Diamond Dave sagt, ich solle erwähnen, dass Maja allem Anschein nach mindestens vier Mal die Woche ins Fitnessstudio geht. Ok, erledigt. Ohne große Worte reißt sie das Mikro an sich, rotzt mit einem schelmischen Lächeln gepflegt auf die Bühne und legt mit dem rockigen „Living in America“ los. Zündet gleich ganz gut. Bei den anderen und auch bei uns. Eine Menge Arme gehen hoch, und die Sounds aus Schweden machen das, was sie am besten können: Spaß! Die Musik neu erfunden haben sie sicher nicht. Zu poppig für Rock’n‘Roll, zu rockig für Pop, bisschen Synthies, bisschen 80er und Texte über die man sicher nicht lang sinnieren muss. Man kriegt einfach nur gute Laune und die Beine bewegen sich wie von allein. Und wenn man dann noch sieht wie unglaublich charmant Rampensau Maja das auf der Bühne alles macht, geht einem einfach das Herz auf. Songs wie „Hit Me!“, „Song With a Mission“ oder „Painted by Numbers“ lassen die Fans hüpfen und tanzen. Ich kann sogar einen kleinen Schubskreis ausmachen und hin und wieder versucht sich auch mal einer im Crowdsurfen.

The Sounds

Foto: Reiner Pfisterer

Die Stimmung ist vielleicht nicht gerade am Kochen, aber trotzdem voll im grünen Bereich. Maja kann sogar einen kleinen Singbattle zwischen Jungs und Mädels anzetteln ohne dass ich es scheiße finde. Und so was ist ja eine Gratwanderung, die man nur mit extrem viel Charme meistern kann. Maja hat den. Definitiv. Ich würde es aber mal eher so Straßencharme nennen. Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn, steckt sich eine Zigarette an, zieht das Kleidchen ein wenig hoch, geht breitbeinig in die Hocke und gewährt Einblicke, die einen verstört zu Boden blicken lassen wollen. Wir beherrschen uns und tun es nicht. Und überhaupt… selten jemanden gesehen, dem eine Zigarette so gut steht.

The Sounds

Foto: Reiner Pfisterer

The Sounds spielen fast alle ihre Hits: „Ego“, „No One Sleeps when I’m Awake“, „Dorchester Hotel“ oder das ruhige „Wish You Were Here“. Neue Songs gibt es nicht all zu viele. Gefallen mir aber ganz gut. „Weekend“ zum Beispiel oder „Outlaw“. Schöner Abend, echt. Wir tänzeln fleißig mit. Auch die Nachricht, dass Island es nicht geschafft hat, kann mir jetzt nicht mehr die Laune verderben. „So isch Lebe“, würde der Ranko jetzt sagen. Maja Ivarsson und ihre Sounds geben eine Stunde lang Gas, dann verabschieden sie sich. Ein bisschen Klatschen, Zugabe und so später kommen sie mit „Tony the Beat“ und „Hope You’re Happy Now“ noch einmal zurück. Kurz vor 23 Uhr sind die Sounds dann endgültig verschwunden. Ein schöner Abend war das. Da werde ich wohl bald mal in das gerade erschienene neue Album „Weekend“ reinhören.

The Sounds

Foto: Reiner Pfisterer

The Sounds

Viktor Ant The Blood

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.