DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

Eau Rouge – Foto: Patrick Grossien

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich 1990 auf mein erstes Konzert gegangen bin. Im Jugendhaus Beilstein war das damals. Es spielte eine Band, deren Mitglieder allesamt das örtliche Gymnasium besuchten. Schon Tage vorher ging das Wort auf den Gängen, dass dieser blonde Gitarrist – seinen Namen habe ich ebenso vergessen wie jenen der Band, nennen wir ihn also Johnny –, dass also Johnny so dermaßen ‚cool‘ (Jungs) respektive ’süß‘ (Mädchen) sei.

Nach einigen Vorüberlegungen (kann ich zwei Bier trinken, ohne danach zu betrunken zu sein, um die zwölf Kilometer Heim zu radeln?) und Überraschungen (ach, man bekommt einen Stempel … ach, man kann sich den Stempel auch einfach aufmalen lassen!) ging es dann auch los. Rock natürlich. HipHop war bei uns noch nicht angekommen und von Techno oder Tekkno oder Tekkkkno würde man erst im folgenden Sommer erste Gerüchte hören.

Qualitativ war die Musik auf solchen Konzerten immer so mittelprächtig. Aber das hat auch nicht viel ausgemacht, denn etwas anderes kannte ich zumindest live noch nicht, und ich habe im Folgenden sowieso jede Band gesehen, welche da gespielt hat. Generell kamen die so aus demselben Dutzend-Kilometer-Umkreis wie ich, und ein Typ wie Johnny hatte nicht mehr musikalische Ambitionen, als dass die Mädchen und Jungs nachher ’süß‘ und ‚cool‘ sagten.

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Eau Rouge – Foto: Patrick Grossien

Heute sieht das freilich ganz anders aus, denn für solch junge Musiker gibt es heute sogar ganze Förderorganisationen, die sich dafür einsetzen, dass der Ruf der Musiker weiter hallt als von 5a bis 13c, Förderorganisationen wie das Stuttgarter Pop-Büro, das wie in den vergangenen Jahren die Bühne auf der Stuttgarter langen Einkaufsnacht der City Initiative Stuttgart ausrichtet. Auf fünf Slots konnten sich lokale Nachwuchsbands um einen Auftritt bewerben.

Und was daraus geworden ist, habe ich mir mal für euch angesehen, das heißt fast, denn ich hatte die Fun-Punk-Rocker Roll On the Holidays schon verpasst, als ich um kurz nach drei bei leichtem Nieselregen eintreffe. Glücklicherweise war es das dann aber auch mit Regen. Es bleibt zwar frisch, aber es strömen immer mehr Menschen in die Fußgängerzone. Dass da eine Bühne steht und auch nicht zu überhören ist, erregt durchaus Aufmerksamkeit. Viele Leute bleiben stehen: Einzelne, Pärchen, Familien. Je nachdem, wie gut die Musik diesen Leuten gefällt, desto länger verweilen sie auch. Und für die zweite schon auffallend gut besuchte Band My Little Rockstar Dream heißt das: je mehr diese Einzelnen, Pärchen oder Familien aus Teenagern bestehen, desto länger bleiben sie stehen. Die Band scheint da mit ihrem sehr melodiösen Emocore-Pop-Mix einen Nerv zu treffen. Auch zeigt sie mit ihren Ansagen, dass sie selbst dieses zusammengewürfelte Zufallspublikum zum Mitmachen und Mitsingen anregen können. Offensichtlich wissen Kilian, Frieder, Daniel und Tøby, was sie da machen. Und der Pulk, der anschließend an ihrem Merchandise-Tisch um Kaufbares rangelt, gibt ihnen durchaus Recht.

Genau um solche Musiker geht es dem Pop-Büro, das von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und dem Stuttgarter Jugendhaus betrieben und dem Stuttgarter Kulturamt flankiert wird. „Wir unterstützen und beraten Musiker auf dem Weg in die Professionalität“, erläutert Leiter Peter James, der vorher bei RockCity Hamburg tätig war. Dabei geht es nicht nur um das Knüpfen von Kontakten oder Auftrittsmöglichkeiten wie dieser heute, sondern auch um alle offenen Fragen, welche das Musikbusiness dem Neuling so aufwirft, und um praktische Hilfe wie Workshops, in denen man an seiner Live-Performance feilen kann. Da liegt wohl der Zusammenhang (siehe oben). Dass die vier Stuttgarter es mit ihrer Musik ernst meinen, sieht man aber auch schon an dem Aufwand, welchen sie bei ihrem ersten Video zu „When I Was Thirteen“ betrieben. So klein scheint der Rockstar-Traum nämlich gar nicht zu sein.

DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

Das neue Haus – Foto: Patrick Grossien

Ernst mit seiner Musik meint es auch Junior a. k. a. Junior Owusu, der mit seiner Soul-Band als nächstes die Bühne direkt oberhalb der U-Bahnstation Stadtmitte entert. Mit seiner samtweichen Stimme bittet er erst mal alle Zuschauer die Bus-Straße frei zu machen, welche über den Platz führt. Das wird sich über den Tag hinweg zu so einer Art Running Gag in unterschiedlichster Machart entwickeln. Hier also noch die sanfte Variante. Richtig lustig wird das später bei Bomb Whateva¿ oder mit der Polizei …

Nach den Songs hört man Applaus aus allen Richtungen. Offensichtlich sind die Leute auch in größerer Entfernung stehen geblieben. Die insgesamt eher etwas rhythmusorientierten Stücke mit ihrem warmen Sound und den mal rockigen, mal blusigeren Gitarren leben in aller erster Linie vom Gesang des Stuttgarters und den Duetten mit seiner Gesangskollegin. Diese sind nämlich sehr melodiös und zeigen trotz des wohlgefälligen Gesamteindrucks nicht zu viel Schmelz. Gut, klarer Fall: Das ist nichts für mich, fügt sich aber perfekt in die von Sarah Beilharz unter „gelegentlicher“ (wie er selbst sagt) Mithilfe ihres Praktikanten Matthias Fugel kurierte Veranstaltung, deren offensichtliches Konzept darin besteht, von der Vielfalt der jungen Stuttgarter Musik jeweils ein herausragendes Beispiel je Genre zu präsentieren.

So wie ich mir früher eben die Band angesehen habe, die ins Jugendhaus kam, sieht die „Laufkundschaft“ (Peter James) hier eben das, was zufällig gerade läuft, wenn sie in die Königstraße einbiegt oder herauskommt. Dafür zeigt sie aber ganz normales Publikumsverhalten: Manch eine(r) tanzt; es wird viel mit dem Handy gefilmt; wenn man schon stehen geblieben ist, holt man sich halt ein Bier am Stand direkt nebenan. Und dann geht man irgendwann weiter. Am aufmerksamsten: die kleinen Kinder in den Buggys. So etwas haben sie noch nie gesehen (ach, man kann Musik auch ohne CD hören … ach, es gibt noch was anderes als Rolf Zuckowski!). Das Durchschnittspublikum ist offensichtlich von dem angesprochen, was Junior Owusu da macht, was auch kein Wunder ist, könnte er doch ebenso auf SWR1 laufen. Deswegen wird tatsächlich hier zum ersten Mal nach einer Zugabe gerufen wie bei jeder der folgenden Bands auch.

DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

Das neue Haus – Foto: Patrick Grossien

Wenn Bomb Whateva¿ die Bühne betreten, hätte ich darum eher mit einer Fluchtbewegung gerechnet. Nicht weil diese schlechter wären, sondern weil deren schmutziger Rock mit so einem bisschen Siebziger- und einem bisschen Südstaaten-Würze wesentlich weniger massenkompatibel ist und wohl nicht auf SWR1 laufen würde. Der Ton ist ja auch gleich rauer: Da heißt es nicht mehr, dass man doch vorsichtigerweise von der Straße gehen solle, denn „wir wollen nicht, dass ihr euch verletzt“ (Junior), sondern: „Das Ordnungsamt pisst schon rum“ und „Die Polizei wird euch verhaften … und zusammenschlagen“. Ganz so schlimm ist es nicht, denn als sich nach einigen Linienbussen auch mal ein Polizeiwagen durchs Publikum quält, macht der nur folgende Durchsage: „Gehen Sie bitte von der Straße“ – und dann etwas hilflos: „… es ist … eine Straße.“

Eigentlich hat sich das Publikum zur vorherigen Band in seiner Art gar nicht so sehr verändert, wenn man einmal davon absieht, dass fast alle bisherigen Zuschauer die Umbaupause dazu genutzt haben, in die Läden zu entschwinden und durch neue ersetzt wurden: Die Kinder sind immer noch die ungestümsten. Auch diejenigen, die noch getragen werden müssen. Und während ich da noch schmunzeln muss, wie ganz oft heute, bin ich eher freudig gerührt von der kleinen Herrengruppe, die offenbar schon länger kein Schlafzimmer mehr von innen gesehen hat und nun vorsichtig von der anderen Platzseite aus zusieht. Zwischen den stampfenden Stoner-Riffs der Uptempo-Nummer will Sänger und Bassist Cody Barcelona dann immer wieder erhobene Hände sehen oder das Publikum mitsingen hören. Als er dann gegen Ende schreit: „Sollen wir mal hüpfen? Der ganze Scheiß-Platz hüpft jetzt“, funktioniert das ganz gut – also jedenfalls direkt vor der Bühne –, und auch manch einer, der augenscheinlich noch nie in seinem Leben zu irgendeiner Musik herumgehüpft ist, wippt nun ein bisschen mit. Seht ihr, man soll niemals nie sagen. Wenn das kein gutes Zeichen ist!

Abschließend präsentieren uns die Stuttgarter einen Song von dem Album, das sie gerade aufnehmen. „Supernova City“ besitzt wieder diesen schmutzig-bluesigen Gesang und wechselt in seinem Gesamtcharakter immer wieder zwischen bluesigen und harten Downtempo-Passagen. Gegenüber den bisherigen, eher gleichförmigen Stücken zeigt die Band hier eine deutliche Weiterentwicklung im Songwriting. Man darf also gespannt sein.

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Eau Rouge – Foto: Patrick Grossien

Nun kommen die Hopefulls von Eau Rouge. Die drei sympathischen und unprätentiösen Jungs aus Stuttgart bereiten uns einen ausgetüftelten Klangteppich aus vielschichtigen Synths und Gitarreneffekten, der mich echt erstaunt hat, als ich die Debüt-EP das erste Mal hörte. Und wäre das nicht schon genug des Besonderen, muss ich dennoch hinzufügen, dass das Besondere einfach Jonas’ Stimme ist. Von der wurde ich auch in doppelter Hinsicht nicht enttäuscht, denn nicht nur bringt er das live so schön rüber wie auf Platte – die Publikumsreaktion war einfach absehbar kurios: Da fängt das Stück mit einigen elektronischen Effekten und Gitarren an, letztere sogar schärfer und härter abgemischt als noch am Vorabend im Merlin. Und als Jonas dann anfängt zu singen, geht ein richtig erschrecktes Zucken durchs Publikum. Man kann den Unglauben förmlich schmecken. Klar ist das nicht nur echtes Können, sondern auch noch ein bisschen Hall, aber die Stimme ist einfach so unerwartet schön weich, klar und hoch. Wer kann, der kann halt.

Das Songwriting schwankt immer wieder zwischen nicht wirklich ruhigen aber doch atmosphärischen Passagen und solchen, in denen der Sound voll und voluminös wird. Wenn man die Augen schließt, würde man weniger denken, auf dem Rotebühlplatz vor einer aus einem Anhänger ausgeklappten Minibühne zu stehen, als auf dem Schlossplatz bei Placebo. Professionell? Mhm, auf jeden. Aber ohne große Klappe: „Das ist ein ruhigerer Song, da könnt ihr ein bisschen mitwippen“, sagt Bo beispielsweise. Eindeutiges Understatement. Mehr haben sie aber auch nicht nötig. Die Musik spricht für sich. Sie ist aus vielen originellen Melodien und Läufen aufgebaut, zwischen welche sich Synthie-artiges und mal ein lautes Riff mischt. Dominant bleibt immer die Stimme. Und alles, was wir hören, wird tatsächlich live gespielt, auch wenn es so klingt, als müssten wenigstens zwei weitere Musiker auf der Bühne stehen. Damit das gelingt, spielt Magnus neben den Drums auch noch Effekte über ein Drumpad ein, Bo verfremdet seine Gitarre mit einem Pitchfactor-Effekt, bis sie praktisch wie ein Synthesizer klingt, und Jonas verwendet einen Pog 2 Octaver, mit dem er das Signal seiner Gitarre splittet und das um eine Oktave nach unten transponierte Signal durch einen Bassverstärker schickt, während der Rest normal über den Gitarren-Amp läuft. Das Ergebnis klingt ungeheuerlich dicht, aber halt nicht nach dem, was man von einer Lokalband auf dem Rotebühlplatz erwarten würde.

Aber darum geht es dem Pop-Büro eben auch: Zu zeigen, wie vielschichtig, qualitätvoll und mindestens national konkurrenzfähig die lokale Szene in Stuttgart ist. Ich würde sagen, das ist gelungen. Von Jugendhaus-Feeling ist hier halt nichts zu finden. Dafür stürmen am Ende des Auftritts so viele Leute an den Merchandise-Tisch von Eau Rouge, dass euer treuer Fotograf Patrick in dem Versuch, sich auch einen Tonträger zu kaufen, beinahe umgeworfen wird. Ich möchte nicht wissen, wie das aussehen würde, wenn das Konzert so groß gewesen wäre, wie es geklungen hat …

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Tom Thaler – Foto: Patrick Grossien

Damit endet sozusagen der Lokalteil der Veranstaltung. Die beiden folgenden Bands liefen außer Konkurrenz und wurden von vom Popbüro direkt eingeladen. Als erstes treten Tom Thaler und sein Stuttgarter Sozius Basil auf, welche das Pop-Büro-Team auf dem Reeperbahn-Festival entdeckte, ebenso einer Veranstaltung zur Förderung junger Künstler. Die beiden machen Hip… nein, das ist natürlich völliger Quatsch. Tom rappt, das ist schon richtig. Aber die Musik hat mit Ausnahme vielleicht einiger Anleihen im ersten Song nichts von HipHop. Club-Sounds a là House und Electro stehen hier Pate. Und während solches leider zumeist Abziehbildchenmusik ist, klingt es hier so zeitgemäß wie abwechslungsreich.

Optisch bewegen sich die beiden dagegen im Erwartungsbereich: Basil hippelt hinter seinem Pult im weiß-übergroßen, Tom rappt vorne im kariert-gestrickten Pullover und fuchtelt eine agitierte Gestik zu seinen Texten. Zu den Baseball-Kappen gibt es durchweg gute, meist irgendwie melancholische Texte, die mehr an Poetry-Slam als an Musik erinnert (mal die Tatsache außer Acht lassend, dass HipHop in seinen Free-Style-Wurzeln genauso funktioniert wie ein Poetry-Slam):

„Leider kriegt’s keiner von uns auf die Reihe
den Stolz auf die Seite zu schieben
und einfach zu lieben.“

In „Perfekt“ geht es um einen perfekten Pechvogel, in „Glückspilz“ ist das lyrische Ich dagegen wieder, was der Titel verspricht. So mäandert Tom durch die Lebenswelt der Nicht-mehr-Teens und Noch-nicht-Erwachsenen und hat immer etwas Treffendes zu sagen wie bei seiner Ankündigung zur wohl nicht so ganz geplanten Zugabe, mit welcher er eigentlich ganz gut das Motto des Tages zusammenfasst: „Ihr seid dabei, wenn das alles passiert.“ Der noch nicht aufgenommene, noch überhaupt nur betitelte neue Song mit seinen wirren Kindermelodien und Frauengesängen ist dann auch schnell vorbei, sodass er zum Schluss noch eine Free-Style-Einlage folgt:

„Ich bin hier irgendwo bei Rotebühl
in irgendeiner Stadt“

Stuttgart aus Hamburger Perspektive halt …

DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

Das neue Haus – Foto: Patrick Grossien

Den Abschluss macht dann mit Das neue Haus aus Tübingen wieder eine lokalere Band. Was die traditionsverwurzelten Avantgardisten machen, sperrt sich richtig gegen jeden Versuch einer Einordnung, worauf ich mich besonders gefreut habe. Am ehesten würde ich ja noch sagen, es handele sich um Experimentalelektro. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht diese orientalischen Einflüsse und all das andere wären.

Dr. Halunkes klare, knackige Beats, wie man sie auch in den Projekten von Ernst Horn findet, mischen sich mit Scratchen am Plattenteller, dazu spielt Jamira Geige, Sir One sein Tambur oder eine mir nicht näher identifizierbare orientalische Flöte. Dazu gibt es noch – na? – E-Gitarre von Ja4. Teilweise klingt das wie eine Eso-Fassung von Ulver mit deren differenzierter Elektronik. Als Sir One das Dargebotene noch mit Schamanengesang toppt, brechen einige Leute im Publikum in Gelächter aus, wissen sie mit diesem unmelodiösen Silbengesang doch nichts anzufangen. Kann ich ja verstehen, auch wenn es mir nicht so geht. Aber ihr könnt euch jetzt vielleicht vorstellen, welche Menge an disparaten Elementen hier zu einer stimmigen Weltmusik goes TripHop goes whatever verbacken werden.

Das Publikum ist unterdessen ziemlich angewachsen. Die Kinder sind verschwunden. Einige der Leute, die jetzt tanzen, sehen weniger aus wie Konzertgänger als wie Lindenmuseumsbesucher – macht nichts, ich gehe da gerne hin, wenn auch nicht zum Tanzen. Um die Bühne und die nahe gelegenen Stände hat sich trotz der recht frischen Temperaturen unterdessen so eine Art Straßenfestatmosphäre verbreitet. Und ich weiß nicht, ob das programmatisch zu verstehen ist, aber in einem Stück rappt Dr. Halunke a. k. a. Albenca dann mal:

„Ein neues Haus wird gebaut.
Wir sitzen auf dem Dach
und lassen uns die Sonne
auf den Arsch scheinen.“

DAS NEUE HAUS, TOM THALER, EAU ROUGE, BOMB WHATEVA etc., 02.11.2013, Stadtmitte, Stuttgart

Foto: Patrick Grossien

Nach jenem (un)vergessenen Abend im Jugendhaus Beilstein wurde noch eine Weile ein Foto von Johnny, der bald darauf Abi machte, in den Gängen herumgereicht. Es war wirklich ein Starshot: Er in glorreicher Pose beim Solo nach hinten gebeugt, den Gitarrenhals senkrecht erhoben. Nur wenige machte der Fotograf auf den eigentlichen Gag des Fotos aufmerksam: Dass Johnny auf das Kabel getreten war und der Stecker der Gitarre in genau dem Augenblick, als er auslöste, aus der Buchse gerutscht und im Fallen begriffen war.

Das würde den Musikern hier nicht passieren. Dafür nehmen sie ihre Musik viel zu ernst.

Eau Rouge:

Tom Thaler:

Das neue Haus:

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