DYLAN CARLSON, 06.10.2013, Jubez, Karlsruhe

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Foto: Tox

Dylan Carlson hatten wir zusammen mit seiner Band Earth bereits 2009 im Programm. Heute tritt er als Solokünstler auf; seine letzten Veröffentlichungen hören auf den Namen D.R. Carlson Albion. Carlson war in den 90ern eine recht tragische Figur. Mit Earth hatte er – zu Zeiten des Grunge-Hypes – eine bis heute im Drone-Bereich sehr einflussreiche Band gegründet, die aber kommerziell kaum erfolgreich war. Sein bester Kumpel und ehemaliger Mitbewohner Kurt Cobain war bekanntlich deutlich erfolgreicher, hat aber den Fame nicht überlebt. Ein Leben mit Drogen führte Carlson in den Knast, so dass das Projekt Earth von ca. 1996 – 2005 im Dornröschenschlaf lag. Wachgeküsst von den Earth-Fans Sunn O))), auf deren Hauslabel Southern Lord die Band seither ziemlich regelmäßig ziemlich schöne Instrumentalplatten veröffentlicht, die mit dem ursprünglichen Metal-Sound nicht mehr viel gemein haben. Auch die Carlson-Albion-Sachen gehen in Richtung der letzten Earth-Alben, nur nicht ganz so hypnotisch langsam.

Das heutige Konzert ist vom Jubez Karlsruhe, für das man einen ganzen Strauß Lanzen brechen muss, was Untergrund-Musik angeht, auf 16 Uhr angesetzt. Das kommt hier öfter vor, und ist in der dunkleren Jahreszeit am Wochenende eine top Idee, wie ich finde. Ich und 19 andere. Es regt mich wahrscheinlich immer mehr als Veranstalter und Bands auf, wenn zu Top-Acts viel zu wenig Leute kommen. Sollte ich mir mal abgewöhnen. Es wäre vielleicht kein Underground mehr, wenn es anders wäre. Weiterer Vorteil: Fast alle passen in die erste Reihe.

Einen 1-Mann-Support-Act gibt es. Ein Typ namens Rogier Smal, der eine Show hinlegt, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Eigentlich sollte ich nur das Bild sprechen lassen. So wie das aussieht, hat es auch geklungen. Ganz fair wäre das aber nicht. Eine Stimme hat der Typ, die, würde ich jetzt mal tippen, auf einen weniger gesunden Lifestyle schließen lasst. Stimmeffekte gibt es ohne technische Hilfsmittel, einfach mal den Kopf  beim Singen wie verrückt schütteln. Ob aus versehen oder nicht geht beim Keyboards Stapeln mal ein Beat los, was das ganze unfreiwillig oder nicht etwas auflockert.

Dylan Carlson tritt nach der etwas anderen Show nur mit einem Drummer auf. Das erste Stück ist von seiner sehr guten Latitudes – Platte. „La Strega and the Cunning Man in the Smoke“ funktioniert auch ohne die Sängerin. Das Wetter meint es nicht gut mit seiner Gitarre, das hört auch ein Nicht-Gitarrist, trotzdem wieder sehr schön, was Carlson da bringt.

Zu hören bekommen wir dann noch Sachen, die ich nicht kenne oder kennen kann. Interpreationen von Stücken und von irgendwelchen 7-Inches, die mir nichts sagen. Dann ein Lied zum 400-jährigen Jubiläum von irgendwas. Spielt auch keine große Rolle. Sitzen und dem Meister zuschauen. Selbst das mir gut bekannte Earth-Stück „The Bees made Honey in the Lion’s Skull“ hätte ich nicht erkannt, wenn Carlson es nicht angekündigt hatte, allerdings auch als „Kind of“. Ziemlich „lose“ alles. Die mit Rogier Smal auf der B-Seite kürzlich erschienene, und auf dieser Tour erhältliche 7″ stellt Carlson mit dem Stück „Holly’s Jeans“ noch vor. Das letzte Stück ist dann noch mit Stimme. Rogier Smal wird auf die Bühne gerufen und gibt wieder seinen Style zum Besten.

Jubez & Dylan Carlson – weiter so!

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