CRO, 05.10.2013, Schleyerhalle, Stuttgart

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Foto: Dominic Pencz

Wasen und Fußball und Cro, alles an einem Abend. Da ist es halt auch kein Wunder, dass die U11 etwa so voll ist wie ein Bierzeltler nach sechs Maß. Und zum höheren Alkoholgehalt des Volksfestbieres kommt ja immer auch der Schuss Wahnsinn, der da drin ist. Aber das ist eine andere Geschichte und auch gar nicht so wild, wir werden nämlich von Halbhöhenlage-Muttis mit ihren Kindern in Reiterjacken flankiert. Auf dem Weg in die Schleyerhalle. Sicher also. Die aber wundern sich, warum da Flaschen im Eingangsbereich liegen. Jarhead, Alter. Ohne Militär: Willkommen im Dreck!

Nach einer verwirrenden Schnitzeljagd durch die Labyrinthgänge der Schleyerhalle (in der letzten Endes gar kein Schnitzel vorkommt, aber Pommes), finden wir endlich unsere Plätze. Wir lauschen den letzten Songs von Teesy, der für den Pandarapper (#1) eröffnet. Ihn unterstützt mal kurzzeitig Rapper Kaas von den Orsons, dann aber ist’s vorbei. Das ist gar nicht mal so schlecht, aber es ist den Leuten anzumerken: Man will Cro sehen. Und „man“ heißt, die komplette Schleyerhalle. Voll und arg und laut. Kein Platz mehr, ausverkauft. „Wollt ihr Cro sehen?“, schreit Teesy. Alle schreien, alle wollen.

In der Pause habe ich genügend Zeit, einen Kondenswassertropfen vor mir her zu pusten. Der leuchtet schön lila, dann startet Psaiko Dino, der DJ des Pandarappers (#2), mit einer Videobotschaft. Was er da so genau sagt, vergesse ich schnell wieder, aber dann kommt der Countdown. Fünf Minuten noch. Zeit, um Carlo Waibel vorzustellen. Zumindest der Name ist bekannt. Offiziell ist er 20, eigentlich wohl 3 Jahre älter. Er ist Rapper, Sänger, Produzent und Designer – und nebenbei verkauft er Klamotten. Und hat im letzten Jahr einen erstaunlichen Hype ausgelöst. Chimperator, Stuttgart, der Babo ist der Chabo und alles. An der Spitze des deutschen HipHops. Mit Pop. Geil.

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Foto: Dominic Pencz

Das Konzert am frühen Abend (man konzentriert sich auf das junge Publikum) wird live in verschiedenste Kinos übertragen und ist der Abschluss der Tour. Die Zahlen auf den Leinwänden sprechen mal von 170.000 und mal von 250.000 Zuschauern. Sind auf jeden Fall viele. In diesem Jahr hat er sein Album von 2012 nochmal neu aufgelegt, mit fünf zusätzlichen Songs. Passenderweise heißt es auch Raop +5. Dass er so ziemlich alles selbst produziert, davor kann man schon mal den Hut ziehen. Uuuuund…. Los!
Und alles finde ich um einiges besser als erwartet. Mit seiner Maske kommt der Pandarapper (#3) im weißen T-Shirt und grauen Jeans auf der Bühne und rappt über eingängige Popbeats, die selten die drei Minuten-Marke überschreiten.

Wie bei Sigur Rós sind relativ pünktlich gegen acht nur die Schatten hinter einem Vorhang zu sehen, den sie Kabuk(k)i nennen. Das ist wohl auch ein japanisches Theater, hat aber dann damit doch nix zu tun. Hoffe ich. Sonst, zack, Blamage. „Hi Kids“, „Einmal um die Welt„, „Whatever“ und so weiter. Das sind die Hits und die werden gespielt. Jedes Mal, wenn Cro… Ich hatte immer den Eindruck, dass das was mit Kroatien zu tun hat. Hrvatska, Tulum und šljivovica halt…. Jedes Mal also, wenn Cro nicht rappt und auch die Musik für zwei Takte ruhig ist, hört man ein paar tausend Stimmchen, die jedes Lied Zeile für Zeile mitsingen (fett doubletime) und das ist rührender als gedacht. Ich bin zwar arg sensibel, der ganze Tag war ein Kater. Trotzdem. Aber vermutlich gibt es halt zwischen 10 und 16 auch wenig geileres, als bei dem Konzert von dem, der einem aus der Seele spricht, zu stehen und zu hoffen, auf die Bühne geholt zu werden.

Und man interagiert auch mit dem Publikum. Das ist ganz nett, wirkt dann aber doch ein wenig steif und geplant. Da holen sie den „Marc“ auf die Bühne und machen mit dem ein Foto. Aber so wirklich scheint sich da dann doch niemand darüber zu freuen. Cro wirft mal ein Wasser in die Menge und Bandmitglied Tim verteilt zu irgendeinem Song ebenfalls Getränke. Auch weiterhin muss nur ein Ton angespielt werden, dass aller und jeder ausflippt. Neben mir tanzt ein kleiner Kerl mit allen erdenklichen Moves. Auch, wenn sonst keiner steht. Fan halt. Dann wird mit Pullis und Jacken und Handtüchern in der Luft herumgewirbelt und in der Pause grabbelt mir auf dem Klo irgendein Typ mit seinen schmierigen Urinhänden am Rücken rum. Zwischendurch dann sehen wir Ballettänzerinnen und Teesy auch noch mal. Und Cro wechselt von weiß auf lila. T-Shirt mäßig.

Vor der Zugabe dann sprüht Feuer in die Luft und wenn man es nicht besser wüsste, man könnte sich glatt bei Rammstein wähnen. Die machen die Schleyerhalle nämlich auch voll und zündeln mögen die auch. Ja, jetzt, zack, Zugabe. Easy zum Publikumsgesang und ’nem Medley und bunt und Party und Pop und Rap. Da wird sich gefreut und geschrien und Konfetti regnet herunter. Cro, the baddest motherfucker in town. Alle springen und es sei ihm gegönnt. Er hat ihn und bringt ihn und auch das Zuschauen machts: Spaß. Mehr als ich dachte. Ganz zum Schluss dann schlagen Raketen von hinten in der Bühne ein und alles explodiert und Flammen schießen in die Höh‘. Party, party, törötötö.
Oh, schau mal. Erst zwanzigvorzehn.

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Foto: Dominic Pencz

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