…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD, 10.08.2013, Manufaktur, Schorndorf

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Foto: Reiner Pfisterer

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead, die Band mit dem wohl längsten und zugleich besten Namen, gerne gekürzt auf „Trail Of Dead“, oder noch weiter gekürzt auf „TOD“, was im Deutschen sehr passend ist, haben wir zum ersten Mal im Blog, und das, obwohl ich kaum eine andere Band öfter auf Tour gesehen haben dürfte. Allein in der Manufaktur spielen die Texaner heute zum vierten Male.

Zum ersten Mal habe ich sie zur Tour der 2002 erschienen „Source, Tags & Codes“ gesehen, eine Platte die von Fans und Presse abgefeiert wurde als gäbe es kein Morgen. Bei dieser Show war übrigens auch Michael „Arschlochkind“ Mittermeier mit seinen Homies zu Gast, was ihn für mich auch in Momenten der Überpräsenz und des nicht ignorierbaren Nervens immer gerettet hat. „Er war damals bei diesem super TOD Konzert“, habe ich öfter schon gedacht und gesagt.

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Foto: Reiner Pfisterer

Und Legenden gab’s über die Band. Der Name, sehr mysteriös, dann die von der Band gestreuten Gerüchte, alle seien sie zusammen in einem Leuchtturm aufgewachsen. Texas – das Land der Leuchttürme. Ok, eine Küste ist zwar schon vorhanden, aber das Gerücht stimmt trotzdem nicht. Jedenfalls  nicht nach der „Source…“, sondern der nächsten „Worlds Apart“ von 2005 war ich mir sicher, dass TOD jetzt durch die Decke gehen werden, dass sie von der Popularität her da landen werden, wo Queens Of The Stone Age heute angekommen sind –  in der Schleyer-Hallen-Liga. Denn die „Worlds Apart“ war oder ist ein nahezu perfektes Rock-Album, das die Brücke zwischen Underground und Massengeschmack hätte sein können, wie es z.B. Nirvana und QOTSA auch geschafft haben. War aber nicht so. Mit dem damaligen Label-Gigaten Interscope ist es angeblich suboptimal gelaufen. Die Verkäufe, gerade in den USA sollen echt mies gewesen sein, habe ich mal gehört. So kam es, dass TOD von den überschaubareren Klubs nicht weggekommen sind, und statt Headliner bei den ganz großen Festivals zu werden, spielten sie in Horb am Neckar bei einem eher kleineren. Mehr finanzieller Spielraum wäre der Band gegönnt gewesen, denn gerade nach dem Ende mit Interscope, war es bezüglich Label und Geld für neue Aufnahmen problematisch, wie ich mitbekommen habe.

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Foto: Reiner Pfisterer

Das aktuelle Album 3 nach Interscope namens „Lost Songs“ im Gepäck, welches übrigens keine Sammlung rarer B-Seiten ist, wie man bei dem Titel denken könnte, und in Hannover aufgenommen wurde, hat mir auf Anhieb besser gefallen als die beiden Vorgänger. Schneller, mehr so Postpunk, weniger ausufernd.

Unter dem Eindruck dieser Lobhudeleien und hervorgehobenen Alben hätte die Show nicht besser sein können. Die mittlerweile zum Quartett geschrumpfte Mannschaft; ich erinnere mich noch an Shows mit Keyboarder und zweitem Drummer, läuft zu den Klängen von „Ode To Isis“ (Worlds Apart) ein. Was sich nicht geändert hat, ist der Dresscode: schwarz. Bekannt kommen mir nur die beiden Gründungsmitglieder und Doppelspitze vor, Conrad Keely und Jason Reece. Der dunkelhäutige Basser, wird noch mehrmals heute auffallen. Ich muss bei dieser Spezies Basser immer an eine Southpark-Folge denken. Eric Cartman sucht für seine Band einen Basser. Der ist in seinem dunkelhäutigem Schulkameraden Token sofort gefunden, einfach weil dieser schwarz ist. Token wehrt sich wie üblich gegen das stereotypische Denken von Cartman, es sei schwachsinnig zu denken, Schwarze wären prädestiniert für den Bass. Letztendlich findet Token völlig überraschend tatsächlich einen Bass im hintersten Eck seines Kellers, und natürlich hat er’s auf Anhieb voll drauf. So richtig will das heute beim TOD-Basser allerdings nicht klappen. Mir wäre überhaupt nicht aufgefallen, dass es Probleme mit dem Bass-Sound gegeben hat, aber das war irgendwie ein echtes Thema auf der Bühne. Mangelnden Sound hat er dann für sich versucht durch übertrieben alberne Rock-Posen wieder wett zu machen. Ich hoffe, dass jede einzelne ironisch gemeint war, sonst würde es echt Abzug geben.

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Foto: Reiner Pfisterer

Das erste Stück ist „It Was There That I Saw You“, von der „Source, Tags & Codes (2002), einer der ganz großen TOD-Hits, das absolute Trademark, das die Band so besonders macht findet sich hier. Das ist eigentlich schnell erzählt: TOD beherrschen das Spiel mit Emotionen, die ruhigen, die schöngeistigen Passagen mit Piano oder zarten Gitarren haben sie drauf, und lassen es im gleichen Stück dann sowas von krachen, da wird einfach nur noch Holz gemacht, früher im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gitarren wurden so geplagt, dass sie zum Ende der Show regelmäßig zu Kleinholz zerschlagen wurde. Interscope Days, da ging das wohl noch eher, heute sieht man das nicht mehr. Verpasst hat man übrigens nichts, wenn man das nicht gesehen hat. Keely ist dazu noch ein top Sänger und Texter und Illustrator, und trotz Doppelkinn und Ranzenansatz sieht er immer noch ziemlich kühl aus, wie er breitbeinig Holz macht. Da kommt einiges zusammen.

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Foto: Reiner Pfisterer

Das erste Stück jedenfalls ein Traum, andere Bands müssen sich ein Stück dieses Kalibers viel länger aufheben. Von den älteren Platten entfernen wir uns nicht. Das zweite Stück „How Near How Far“ ist von der gleichen Platte. Auch eine tolle, etwas ruhigere Nummer, trotzdem mit dem typischen „Drum Roll“, den die Jungs auch für sich gepachtet haben.

Bei „Catatonic“ vom aktuellen Album gibt es dann den ersten fliegenden Wechsel, den es bei jeder Show gibt, weil Drummer Reece auch einige Lieder singt, wechselt er zur Gitarre, und der neue Gitarrist trommelt.

Das komplette Set bewegt sich in bereits erwähnten Alben, erfreulicherweise kommt vom aktuellen einiges, lediglich mit einer Art Medley von zwei Stücken der „Toa“, gibt’s mal kurz einen Ausflug in diese Zeit. Highlights sind die Hits, die man als Fan eh kennt „Another Morning Stoner“ (Source, Tags & Codes), das heftige „Homage“ von der gleichen Platte, „A Perfect Teenhood“ von der Madonna (1999) –  könnte das „Killing In The Name“ von 16-jährigen um diese Zeit gewesen sein. „Caterwaul“ und „Will You Smile Again“ natürlich (Worlds Apart).

Zugabe gibt’s auch, zwar ohne den leidigen Bass angekündigt, dann aber doch irgendwie. „Mistakes & Regrets“ war auch dabei, das erste Lied das ich von TOD gehört habe, ein Traum von einem Musikstück, danach konnte einfach nichts mehr kommen, da können wir noch so lärmen. Ein nahezu perfektes Konzert hat meine Liebe zu TOD wieder neu befeuert. Komplett verblendet kaufe ich am Merch ein kleines Portrait von Drew Barrymore. So kann’s gehen.

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Foto: Reiner Pfisterer

7 Gedanken zu „…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD, 10.08.2013, Manufaktur, Schorndorf

  • 12. August 2013 um 12:55
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    Wow, das Aufmacherbild ist ja der Hammer!

  • 12. August 2013 um 13:17
    Permalink

    >Wow, das Aufmacherbild ist ja der Hammer!<

    Mir isses zu phallisch…

  • 12. August 2013 um 16:28
    Permalink

    Kudos für die Bilder!

  • 13. August 2013 um 18:09
    Permalink

    Hey Tox,

    danke für deinen gelungenen Beitrag. Echt tolle Bilder in dem Artikel. Bei der Aufführung wäre ich ja gern dabei gewesen! Gerade live rocken die Jungs bestimmt richtig. Und so wie du das beschreibst habe ich wohl echt was verpasst.

    Viele Grüße

  • 13. August 2013 um 18:48
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    Danke Danke. Die kommen wieder.

  • 14. August 2013 um 14:04
    Permalink

    Konzert, Bericht, Fotos – alles weit mehr als gut!

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