YOUNG REBEL SET, PHILIPP EISSLER, 28.07.2013, 1210, Stuttgart

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Foto: Christoph Hoyer

Sonntagabend in Stuttgart, 23.30 Uhr. Am Bühnenrand klebt irgendwo ein total zerkautes Kaugummi und aus dem Zwölfzehn strömt eine Unmenge an Leuten. Unbeteiligte mögen sich wohl fragen, wie alle in den kleinen Club gepasst haben oder warum alle so glücklich aussehen und was das Kaugummi da macht…
Eigentlich ist man ja selber schuld, wenn man nicht da war, aber heute wollen wir mal nicht so sein.

Die Menge an Leuten wartet schon seit halb neun auf die Band mit der wohl sympatischsten Bandbiografie. Sie seien keine Band sondern eine Gang. Zwei mal zwei Brüder und ein Sänger treffen sich in den dunkelsten Pubs von Stockton on Tees in Nordengland, trinken Bier, machen Musik, trinken mehr Bier und entscheiden sich dann irgendwann dazu auch außerhalb dieser Pubs Musik zu machen. Was dabei rauskam ist wohl einer der erfolgreichsten Pupexporte Englands. Vor Allem in Deutschland.

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Foto: Christoph Hoyer

Auch wenn das Konzert nicht offiziell ausverkauft ist, habe ich selten so viele Menschen im Zwölfzehn gesehen. Bevor Young Rebel Set ran darf, gibt es wie bei jedem Radio Clash Konzert einen lokalen Support zum Aufwärmen. Dieser Support ist heute Philipp Eissler. Ein Stuttgarter Eigengewächs und Popstudent an der Musikhochschule Stuttgart. Und dies hoffentlich noch etwas länger
Alleine mit Gitarre präsentiert er seine Interpretation von modernem Blues und Folk. Ohne dabei zu vergessen zu fragen, ob auch wirklich alle Lust auf Young Rebel Set haben. Acht Lieder lang verwöhnt er das aufmerksame Publikum mit seiner klaren und fesselnden Stimme. Wer nicht genug von Phillip Eissler bekommen kann, sollte auch seine Band Dear Land im Auge behalten.

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Foto: Christoph Hoyer

Gerade mal ein Bier später beginnt Young Rebel Set. Das Intro dient gleichzeitig auch als Line-Check und vom ersten Lied an ist der Sound wirklich gut, was vielleicht auch am renovierten Zwölfzehn liegt. Seit dem Umbau (hauptsächlich Schallschutzmaßnahmen) waren alle meine Konzertbesuche klanglich mindestens oberes Mittelfeld. Das erste Young Rebel Set Lied ist „Lion’s Mouth“. Eigentlich ein Stimmungsgarant. Aber die Band, nein, ich meine natürlich Gang, hat irgendwie überhaupt keine Lust. Sänger Matty Chipchase wirkt ein wenig müde und Gitarrist Andrew Parmley kaut gelangweilt auf einem Kaugummi rum, während er singt. Beim Rest sieht es nicht besser aus. Gut, die Nordengländer waren während der kompletten Hitzewelle auf Tour und spielen heute das letzte Konzert, bevor es zurück in den Regen der Insel geht. Trotzdem wäre das nur eine unzureichende Entschuldigung. Die brauchen sie dann aber doch nicht.

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Foto: Christoph Hoyer

Schon die Ansage zum ersten Lied des neuen Albums „Crocodiles“, welches im Herbst erscheint, versprüht so etwas wie Euphorie. Plötzlich ist die Gang wach. In breitestem Englisch wird verkündet, wie sehr sie sich freuen zu spielen und bald schon wieder zu kommen. Andrew Parmley hört zwar nicht auf Kaugummi zu kauen, tut dies aber nun im Takt und mit soviel Elan, dass ich mich ein bisschen um seine Kiefernmuskeln sorgen muss. Die neuen Sachen sind schneller und vielleicht auch ein wenig vielseitiger als die Lieder vom alten Album. Als hätte man sich ein wenig auf die größeren Bühnen eingelassen. Natürlich ohne sich dabei vom Pub abzuwenden.

Das beste Beispiel hierfür ist der obligatorische Akustikteil des Konzertes. Sänger Chipchase singt besonders hier über sich und das Leben: „son look what you become, you’re a singer…“. Liest sich hier etwas holprig, war aber eine der Gänsehautzeilen. Und so geht es weiter. Young Rebel Set spielen „Rosie“ von ihrer ersten EP. Und das ist auch der Grund warum Konzerte zwischen den Albumtouren vielleicht die schönsten sind. Sie sind einfach ein bisschen ehrlicher und flexibler.
Zu den letzten Klängen ihres Überliedes „If I Was“ verlässt die Gang die Bühne.

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Foto: Christoph Hoyer

Die Akustikzugabe, ein Duett von Schlagzeuger Luke Evans und Sänger Chipcase, und „Measure of a Man“ runden das Konzert perfekt ab. Trotzdem hat der doch sonst so zurückhaltende Stuttgarter Konzertgänger nicht genug. Trotz Wochenendmüdigkeit reißt der Applaus minutenlang nicht ab und Young Rebel Set kommt nochmal. „Sie hätten nur noch ein Lied, dass sie eventuell spielen könnten“. Man nimmt, was man kriegen kann, besonders wenn es „Fall hard“ ist. Young Rebel Set muss sich auf der Bühne die Akkorde zurufen, trotzdem passt alles. Danach ist Schluss, die Gang muss „ein bis viele Biere trinken“.

Prost und auf ein Wiedersehen am 11.Oktober in Reutlingen. Dann auch mit neuem Album im Gepäck.

5 Gedanken zu „YOUNG REBEL SET, PHILIPP EISSLER, 28.07.2013, 1210, Stuttgart

  • 1. August 2013 um 08:46
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    Recht hast Du Holger, wenn ich das Licht so sehe, blutet mein Beleuchterherz, da könnte man mit wenig Mitteln viel verbessern…trotzdem Hut ab, dafür sinds gute Bilder.

  • 1. August 2013 um 10:13
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    Verglichen mit dem gestrigen Gig von Human Abfall im Kap ist hier alles dufte: da gab’s nämlich gar kein Licht.

  • 1. August 2013 um 17:56
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    Also noch weniger als gefühlte 100Lux Rotlicht….oje…einfach schade wie wenig Mühe sich manch Veranstalter oder Band über eine Mindestausleuchtung macht. Wie schon gesagt, mit nur ganz wenig Mitteln kann man zaubern, wennn man will…!

  • 28. August 2013 um 11:21
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    Meiner Meinung nach ist die Beleuchtung nicht so negativ zu sehen. da ich aber kein Fachmann bin, sehe ich das wahrscheinlich auch mit anderen Augen. Ich gehe zu Veranstaltungen um mal aus dem Alltagstrott entfliehen zu können und achte da weniger auf die Beleuchtung.

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