DINOSAUR JR., 03.07.2013, Manufaktur, Schorndorf

Dinosaur Jr.

Foto: Steffen Schmid

Die Vorfreude auf heute ist bei mir schon seit Monaten groß. Dinosaur Jr. (USA) kommen zum dritten Mal in die Manufaktur. Heute wird es das erste Mal sein, dass ich sie unter der Anschrift „Hammerschlag“ sehe, nachdem eine der früheren Shows in eine Mehrzweckhalle in Schorndorf verlegt werden musste.

Dinsaur Jr. haben 1984 als „Dinosaur“ angefangen, mussten den Namen aber wegen einer Hippie-Band gleichen Namens ändern. Dinosaurier des Alternative Rock – zwar nicht durchgängig seit fast 30 Jahren am Start, denn die beiden Köpfe J.(Joseph) Masics, und Lou Barlow mochten sich zeitweise überhaupt nicht mehr. Barlow war ab 1989 draußen. Masics nahm danach noch Alben unter dem Namen der Band auf, die aber praktisch schon Solo-Alben waren, bevor er dann Ende der 1990er als „J. Mascis & The Fog“ mit Band unterwegs war, und Alben aufgenommen hat, auf denen es tatsächlich rare gemeinsame Arbeiten mit Kevin Shields (My Bloody Valentine) zu hören gibt. Barlow war während seiner Abwesenheit u.a. mit seiner bis heute existierenden Band Sebadoh am Start.  Verantwortlich war er auch für den Soundtrack zu KIDS (Larry Clark/Harmonie Korine, 1995), ein Film den wohl so ziemlich jeder um die 20 damals, und interessiert an amerikanischer Skateboarder/Rock-Kultur gesehen haben dürfte. Ich kann gelten lassen, wenn man den Film nicht mag, aber auf den Soundtrack lasse ich nichts kommen. Der war damals eine Bombe, und ist es noch heute.

Kurz zurück zu den Sebadoh-Alben – die dürfen in keiner Alternative-Rock-Sammlung fehlen, „Sebadoh III“, ein absolutes Muss. Aufgemerkt – von Sebadoh gibt es bereits eine neue EP, ein Album folgt dann später im Jahr. Das erste Material seit ca. 15 Jahren!  Nach dem Abhören der EP kann genauso wie über die aktuelle Dinosaur Jr. „I bet on Sky“ gesagt werden: sehr gutes Material! 

Dinosaur Jr.

Foto: Steffen Schmid

Das ist schon bemerkenswert. Seit sich Dinsoaur Jr. in Originalbesetzung 2005 wieder zusammengerauft haben, sind drei neue Alben erschienen, von denen keines in die Hose gegangen ist. Im Gegenteil, besonders das Aktuelle läuft bei mir immer noch regelmäßig durch. Zugegeben: Die mittlerweile zehn Alben glänzen nicht besonders, eigentlich gar nicht, mit Abwechslungsreichtum. Der ungeübte Hörer würde wahrscheinlich sagen, dass sich jedes gleich anhört. Überwiegend der gelangweilte Gesang von Mascis, und so sicher wie das Amen in der Kirche kommen die Gitarren-Soli, für die er ja berühmt berüchtigt ist. Mascis gilt meines Wissens als Gitarrengott. Bei der Firma Fender hat er sein eigenes Modell. Nuff said.

Der durchgängig gleiche Sound und Strukturen  seit Jahrzehten, die für die Lautstärke berüchtigten Shows, ein Trio, eine fanatische Fangemeinde. Man kann nur zu dem Schluss kommen, dass Dinosaur Jr. die Motörhead des Alternative Rock sind. Lou Barlow spielt dazu noch den gleichen Rickenbacker Bass wie Lemmy.

Der erste Eindruck in der Manufaktur: Endlich mal wieder richtig was los. Plötzlich wirkt Schorndorf wie eine Großstadt, was dazu führt, dass Schauspielerprominenz anwesend ist, was wiederum auch dazu geführt haben könnte, dass es Schwächeanfälle im Publikum gibt. Gegen später wird es tatsächlich zu voll. Wer raus muss, weil gemusst wird, kommt nicht mehr rein. Bei aller Freude über ein volles Haus – so voll muss es dann noch nicht häufiger werden. Auskenner weichen auf den Balkon aus. Es sind gerade mal drei Konzerte in Deutschland, daran dürfte es auch liegen.

Dinosaur Jr.

Foto: Steffen Schmid

Der erste Eindruck von der Band: Wo ist Murph? Bisher unerwähnt, Murph ist der Drummer, der Ringo Starr des Alternative Rock, der wie sein Kollege wenig bis nichts zu melden hat, zumindest was das Musikalische angeht. Aus mir unbekannten Gründen spielt heute ein jüngerer Kerl Schlagzeug. Den Rest kennt man: J. Masicis steht stoisch in seinem Halbkreis aus Marshall Amps, und bewegt abgesehen von angedeuteten Drehungen praktisch gar nicht, Lou Barlow geht wie immer ab wie das Rumpelstilzchen (des Alternative Rock). Während Mascis seine Fender könnerhaft zart bearbeitet, spielt ganz im Gegensatz dazu Barlow seinen Bass wie ein komplett Irrer – beides hört sich aber gleich super an. Und vor allem spürt man hier was, derber Druck kommt da von der Bühne. Bei Mascis und seinem Ampturm bin ich auch was auf der Spur. Den braucht ein Gandalf (des Alternative Rock), um sich überhaupt noch spielen zu hören. Denn wenn es mit seinen Ohren ähnlich aussieht wie mit seinen Augen, dann dürfte diese Lautstärke bitter nötig sein. Man kennt doch diese fanatischen Fans, die sich in der Minute in der Musik aus dem Player und Licht angehen an den Bühnenrand drücken, um die zweitheiligste Reliquie abzugreifen, die ein Konzert zu bieten hat: Das ausgedruckte Din-A-4-Blatt mit der Setlist des Abends. Bei Barlow hängt eine diese Kostbarkeiten. Bei Mascis klebt auf dem Boden zu jedem Stück ein Blatt mit Buchstaben so groß wie Bierflaschen. Später begegnet uns der Fan, der dieses mit Gafferband zusammengeflickte Monster abgegriffen hat. Vom Hals bis über die Knie reicht ihm das Teil, das er sich angeklebt hat – die Human Setlist. Im Einzelnen:

Bulbs Of Passion: Das Feld wird von hinten aufgerollt, vom ersten Album. Top. Merken: Altes D.J. Material auch mal wieder anhören. Einen Bezug hat man hat aber doch viel stärker zu Alben, deren Veröffentlichung man miterlebt hat. In meinem Fall war das „Without A Sound“ 1994.

The Wagon: Vom 1991er „Green Mind“. Ein unverzichtbarer Hit, vom Album mit dem wohl bekanntesten Cover – dem rauchenden Mädchen, das noch viel zu jung zum Rauchen ist.

– No Bones: 1988 Bug. Zählt zu den Dinsoaur-Klassikern. Stellenwert: Ein Album, das die Band vor ein paar Jahren live in voller Länge präsentiert hat.

Come With Me: Unbekannt. Vielleicht ein Cover.

– Raisans: 1987 „You’re Living All Over Me“. Auch eines DER Alben. Wenn man es denn schon miterleben durfte.

Waiting: Unbekannt.

Watch The Corners: Einer der Hits vom aktuellen Album. Ein Highlight des Abends für mich.

Rude: Auch vom Neuen, ein Barlow-Stück. Die sind meistens härter und schneller, und haben den Vorteil, dass sich in ein Dinosaur-Konzert jedes mal 1-2 Sebadoh-Momente einschleichen. Traumhaft, die Barlow-Stücke sind die Highlights für mich seit der Reunion. Ist Barlow der bessere Sänger? Ja klar.

Out there: 1993, von „Where You Been“.

Feel the Pain: Oberhit, Oberhighlight, da kleben Erinnerungen dran. Video von Spike Jonze.

– Budge: Bug, schnell schrammelig.

Start Chopping: DER Hit von „Where You Been“.

Training: ?

Freak Scene: Ihr Ace Of Spades/Highway To Hell.

Forget The Swan: 1. Stück vom 1. Album. Ein bisschen Gothy.

Zugabe: u.a. „Just Like Heaven“, wahrscheinlich das erste Stück, dass ich überhaupt von Dinosaur Jr. gehört habe. Ein Cover von The Cure.

Schon wieder ein Konzert in der Manufaktur, das in bester Erinnerung bleiben wird. D.J. spielen Überlänge, rocken das Haus mit Hit nach Hit, begeistern mich sowie meine Kumpels und die anderen weit über 500 Leute. Sebadoh fehlen noch in der illustren Liste der „Past Shows“.  Wink Wink.

Dinosaur Jr.

Foto: Steffen Schmid

2 Gedanken zu „DINOSAUR JR., 03.07.2013, Manufaktur, Schorndorf

  • 29. Juli 2013 um 13:24
    Permalink

    Hi Tox,
    danke für den Bericht.
    Aber warum wird mit keinem Wort auf die Vorgruppe eingegangen? Würde zumindest gerne wissen, wer das war…
    Danke&Gruß, Ernesto

  • 29. Juli 2013 um 18:25
    Permalink

    Hallo,

    ich war zu spät dran für die Vorgruppe. Deutsche sollen das gewesen sein. Die 5 Min. die ich mitbekommen habe, war ganz ok. Kein Merch, daher noch ist noch nicht mal der Name bekannt.

    Gruß
    T.

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