BARN OWL, 07.05.2013, Komma, Esslingen

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Foto: Tox

BARN OWL, „San Francisco“ und „Thrill Jockey Records“ lautet die Werbung für das Konzert im Komma. Selbst wenn ich sie nicht schon gesehen hätte, würde mich diese Ankündigung magisch anziehen. Aber wie gesagt, ich kenne die Band schon ein paar Jahre, und habe auch einiges an Vinyl des Duos zusammengetragen. Für Zuhause sehr brauchbare Musik, ohne Beats, Soundtrack zum Lesen oder Entspannen. File under: Ambient, Drone, Krautrock. Aus Interviews weiß ich, dass die Band im Letzteren ihre großen Vorbilder sieht, und klingen will, wie die Quintessenz aus ihren Lieblings-Kraut-Platten. Für uns Spätgeborene gibt’s daher heute eine Show, die nicht nur optisch aussieht wie eine Harmonia Show Anfang der 70er Jahre.

Um 21 Uhr sieht das ganze noch beunruhigend aus. Im ersten Moment denke ich, dass die Bühne noch nicht aufgebaut ist, aber die weißen Rechtecke vor der eigentlichen Bühne erweisen sich als Matratzen, und aus den fünf Leuten die anfangs anwesend sind (zwei davon Band), werden gegen später wenigstens zweiundzwanzig Hand gezählte.

Die Show vor einigen Jahren in Karlsruhe sah ungefähr so aus: Band sitzt am Boden über vintage Equipment und Samplern, nach einer Weile sitzt auch der Rest im Saal. Heute stehen die beiden, und das Publikum ist gleich eingeladen, sich auf den Matratzen oder gepolsterten Bühnenteilen bequem zu machen. Kollege Claus wird sogar ein Sessel gebracht, nachdem die Abliegplätze alle belegt sind. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen, wir sollten öfter ins Komma.

Vorgetragen wird ohne Unterbrechung, Musik die zum Entspannen und Wegfliegen einlädt, die aber kein bisschen langweilig wird. Im Gegenteil, Jon Porras and Evan Caminiti, die Zwillinge sein könnten, sind auch beschäftigt ohne Ende. Bis zum Schluss wird gedreht, gesteckt, gedrückt und abgespult. Ich habe schon Daft Punk und die Chemical Brothers live gesehen, Brüder zumindest im Geiste, zwei Männer stehen vor kleinen Maschinen mit vielen Kabeln, aber geschafft wie Barn Owl haben die Herren Multimillionäre nicht.

Es geht sehr in Richtung Tiefenentspannung. Vielleicht ist die Lautstärke auch deshalb bei „eleven“, weil sonst die Leute, die großteils mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegen, nicht wegpennen. Laut ist’s und wie es sich bei einer Drone-Band gehört, es dröhnt auch teilweise dergestalt, dass man die Performance auch spürt. Vereinzelt segeln bunte Papierfetzen zu Boden. Anfangs schnalle ich noch nicht, wie das jetzt zur Show passen soll, und überhaupt, wo kommen die Teile her, bis es klar wird: Es dröhnt so krass, dass die Schnipsel, die von einer früheren Veranstaltung auf den Scheinwerfern und im Gebälk liegengeblieben sind, jetzt runtergeblasen werden.

Nach ca. 30 Minuten kommen tatsächlich ein paar Beats aus den Maschinchen, wie sie sich auch auf der aktuellen Platte „V“ befinden sollen, die Tiefenentspannung wird langsam verlassen, und es geht immer noch beeindruckend gut Richtung Wachzustand. Habe ich in dieser Form bei den grob Artverwandten Sunn O))) erlebt, eine Show die man gar nicht anschauen muss oder kann (Nebel bei Sunn O))), Blick zur Decke bei Barn Owl), dafür aber körperlich spürt. Dem kleinen Zirkel von Connaisseurs hat’s gefallen.

Am Freitag sind wir wieder an gleicher Stelle bei Rummelsnuff.

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