BOSSE, TONBANDGERÄT, 12.04.2013, LKA, Stuttgart

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Foto: Christoph Hoyer

Selten bin ich mit so gemischten Gefühlen auf dem Weg zu einem Konzert gewesen. Einer Mischung aus riesiger Wertschätzung für die Band Bosse und vor allem Frontmann Axel Bosse und gleichzeitig aber unglaublicher Enttäuschung über das aktuelle Album „Kraniche“.

Die herrliche und unbefangene Art und Weise wie Axel Bosse über den Alltag in seinen Liedern spricht, ging hier einfach verloren. Mal leicht geschmacklos („An dem Tag als Kurt Cobain starb lagst du in meinen Armen, das war die schönste Zeit.“) und mal einfach nur platt („Küss mich hart, dann hole ich uns Bier“) hat Bosse viel von seinem Charme einbüßen müssen.

Gut dass ich da bin, es losgeht und ich nicht weiter drüber nachdenken kann bzw. muss.

Axel Bosse lässt es sich nicht nehmen und begrüßt die Meute und stellt uns seine Freunde, den Support, Tonbandgerät vor. Ihres Zeichens Gewinner des New Music Award 2012. Wenn man so will ist Tonbandgerät die perfekte Bosse-Vorband. Sänger Ole Specht bewegt sich, singt und redet einfach mit der gleichen Art wie Axel Bosse. Die Texte sind naiver, aber genauso ausgeklügelt. Die Musik dazu ein wenig zu eintönig, aber immer eingängig. Vor allem die beiden Singles „Halbmond“ und „Irgendwie anders“ sind echte Ohrwürmer. Ein viel zu lautes Drumpad mit wirklich trashigen Samples und Rumgeklopfe auf einer Glasflasche tun der wirklich solides Performance von Ole Specht mit Band auch keinen Abbruch. Im Herbst geht es für Tonbandgerät auf ihre erste Headliner Tour. Am 8.November machen die Vier auch im KellerKlub halt.

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Foto: Christoph Hoyer

Ausgerechnet mit einem neuen Lied durchbricht Bosse das Soundcheck-Stimmengewirr. Wenn man hört was Axel Bosse zu den neuen Liedern erzählt, machen sie wenigstens Sinn. Aber das war ja auch schon immer seine Stärke. Der Bollywood-Indie-Song „Istanbul“ erzählt von den Besuchen bei der Familie seiner Frau. Genau, eben in Instanbul. „Vier Leben“ versucht das Chaos in der Welt zu erklären und in „Alter Affe Angst“ kriegt die Angst eine lustige Fratze. Die neuen Lieder sind positiver als die alten, in Text und Musik. Trotzdem funktionieren sie auch live für mich einfach ein bisschen schlechter. Aber genug gemeckert.

Im Gegensatz zur letzten Tour wurde die Band um Martin Wenk (Trompete, Nada Surf) und Valeska Steiner (Synthie, BOY) ergänzt. Noch ein bisschen tighter und noch ein bisschen spielfreudiger spielen sie sich durch das Reportoire. Egal ob Axel Bosse einen seiner häufigen Ausflüge ins Publikum macht oder die Songstruktur kurzfristig umschmeisst.

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Foto: Christoph Hoyer

Erfrischenderweise kommt der, für Konzerte fast jeden Genres, mittlerweile obligatorische Akustikteil des Konzertes gleich nach den ersten vier Liedern. Danach geht es mit ein paar Rückkopplungen und ungewohnter Lautstärke und Volldampf weiter. Vor Allem die Hits „Roboterbeine“, „Alter Strand“, „Metropole“, aber auch „Schönste Zeit“ werden frenetisch gefeiert und fast schon mitgegrölt.
Axel Bosse ist immer mal wieder zwischen den Lieder völlig fassungslos und begeistert, dass das LKA fast ausverkauft ist und bis zur letzten Reihe die Stimmung wirklich ausgelassen ist. Die einzigen Wermutstropfen sind das Fehlen von „Wende der Zeit“ in der Setlist und die Tatsache dass „Frankfurt Oder“, trotz der Bühnenpräsenz von Valeska Steiner nicht in der Duettversion gespielt wird.

Axel Bosse schafft es, dass die Leute nicht zu seiner Musik tanzen sondern einfach mit ihm. Die Grenzen zwischen Band und Publikum verschwimmen hier wirklich ein bisschen. Beim lezten Lied will er dass „der Laden platzt“. Er kennt sein Publikum und hat es komplett im Griff; also behält er Recht. Dann ist erstmal Schluss.

Bosse hat noch mehr Bock auf die Zugabe als die Zuschauer. Das große, wenn man so will, Familienfest findet seinen Höhepunkt in „Tanz Mit Mir“. Danach wird es nochmal kurz skuril. Geigensamples auf dem Keyboard zu den Klängen von „Konfetti“. Als versöhnlichen Abschluss gibt es dann noch „Wartesaal“.

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Foto: Christoph Hoyer

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