FLATFOOT 56, 26.02.2013, Zwölfzehn, Stuttgart

Flatfoot56

Foto: Steffen Schmid

Tobin Bawinkel wird nicht müde zu danken „for coming to see us on a Tuesday night here in Stuttgart“. Dienstag, der blödeste aller Konzertabende. Stuttgart, die blödeste aller Tour-Stationen? Nein, so hat er es nicht gemeint, der Frontmann von Flatfoot 56. Dafür sind sie viel zu nett, die fünf Musiker aus Chicago. Ich glaube, sie freuen sich ehrlich, dass immerhin knapp 50 Fans den Weg ins Zwölfzehn gefunden haben. Und gleich im ersten Titel bringen Flatfoot 56 ihr stilprägendes Instrument zum Einsatz: einen echten Dudelsack, zünftig gespielt in Kilt und Doc Marten’s. (irgendwie asynchron, so ein Ding. Wenn gepustet wird, wird nicht getrötet und umgekehrt) Unter „Celtic Punk“ wird die Band einsortiert. Lässt man aber Dudelsack und Mandoline weg, was sie in einigen Liedern auch tun, sind die Ursprünge deutlich erkennbar: Streetpunk und Oi!

Flatfoot56

Foto: Steffen Schmid

Ganz klar: das ist Männermusik. Das Publikum besteht zu knapp 90% aus eben solchen, die Luft ist gesättigt von Bierdunst und Testosteron. Backenbärte und Schlägermützen bestimmen das Bild. Und es dauert keine drei Titel, dass die ersten im Pogo den Raum durchmessen. Atemlos schnell hämmern Flatfoot 56 ihr Programm raus. Dabei bleiben einige Details auf der Strecke (manche Titel erkenne ich erst, wenn sie schon halb vorbei sind), aber hallo, wir sind hier auch nicht beim Kaffeekränzchen. Und musikalische Feingeister meiden Konzerte wie diese ohnehin. Mein liebster Titel „The Hourglass“ wird erfreulicherweise fein intoniert.

Mit Sänger Tobin, Kyle am Bass und Justin an den Drums bilden die Bawinkel-Brüder zwar den Kern der Band (man versucht sich vorzustellen, wie es wohl damals mit drei pubertierenden Rabauken im Hause Bawinkel zuging), aber erst mit Eric MacMahon am Dudelsack und Brandon Good an der Mandoline wird es richtig rund. Insbesondere Good hat’s mir angetan. Er ist in etwa so breit wie hoch, die Mandoline verschwindet fast in seinen Pranken, und trotz seiner Masse ist er der bewegteste auf der Bühne. Gegen Ende des Gigs schmeißt er sich samt Instrument zwischen die Tanzenden und gibt mal kurz – zur Begeisterung der Umstehenden – an den leichtgewichtigen Tänzern eine praktische Demonstration zum Impulserhaltungssatz.

Flatfoot56

Foto: Steffen Schmid

Nicht unbedingt der Gig des Jahres, aber als Mittel gegen jahreszeitlich erhöhten Melatoninspiegel und Winterdepression allemal wirksam. Ganz besonders an einem derart trüben Dienstagabend in Stuttgart. Nur schade, dass es im Zwölfzehn kein Guinness am Zapf gibt. Heute hätte es gepasst.

Ein Gedanke zu „FLATFOOT 56, 26.02.2013, Zwölfzehn, Stuttgart

  • 28. Februar 2013 um 10:37
    Permalink

    Wenn Bart und Gitarrenshape zusammenpassen…Sehr geil!

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