GET WELL SOON, 24.01.2013, Manufaktur, Schorndorf

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

Get Well Soon wäre der Albtraum eines jeden Jugendhausmischers; „Instrumente die bei weniger als zwei Liedern benutzt werden nehmen wir nicht ab.“ Die Bühne steht allerdings voll mit solchen. Dahinter hängt ein samtroter Vorhang und man fühlt sich ein bisschen wie im Theater.
Aber wir sind ja auch nicht im Jugendhaus sondern in der Schorndorfer Manufaktur. Dank dieser reiht sich Schorndorf dann auch mal mit Hamburg und Berlin in eine Reihe. Auf Konzertplakaten nämlich. Keine Spur von München, Köln oder Stuttgart. Hamburg, Berlin, Schorndorf. Heute steht auf eben dieser Bühne die aktuelle deutsche Hoffnung für Indie-Musik mit Anspruch.

Aber erstmal darf sich Denis Jones mit seinen Kabeln zwischen die fast schon orchestrale Instrumentierung quetschen. Bevor er den Abend eröffnet ist die Stimmung erstaunlich gespannt. Keine Hintergrundmusik. Man ist wirklich wegen dem Konzert da. Denis Jones wirft seine Loops und Sequencer an. Dabei kann schon mal an einem vorbeigehen, dass er fast alleine auf der Bühne steht. Heute erhält er größtenteils Unterstützung von Get Well Soon Schlagzeuger Paul Kenny, dessen dumpfer, Schlagzeugsound die Stimmung der sonst so klinischen Lieder nur noch unterstreicht. Nach sechs viel zu kurzen Liedern muss Jones dann die Bühne auch schon wieder räumen.

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

Eher unspektakulär betritt Get Well Soon um Konstantin Gropper die Bühne. Irgendwie hatte man da anderes erwartet. Auch weil der restliche Konzertverlauf sehr inszeniert scheint. Die Theaterkulisse. Das einheitlich, sehr schicke Bühnenoutfit. Passiert aber etwas ungeplantes wird vor allem Gropper selber unsicher. Besonders bei den Ansagen wirkt er fahrig und ein wenig verloren. Aber sobald das nächste Lied beginnt ist er wieder voll da und in seinem Element.

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

Vom Plattenspieler über Vocoder bis zur kleinen Marschpauke wird auch jedes Instrument mindestens ein paar Takte lang gespielt. Die verkannten Hits und Ohrwürmer ziehen nur so vorbei. Einerseits weil ich gefesselt bin, aber andererseits auch weil am Ende doch vieles ähnlich klingt. Die allgegenwärtigen „uuh“, „aah“ und „ooh“ Gesänge von Verena Gropper (ja, die Schwester von Konstantin) machen das auch nicht besser.

Trotzdem und auch gerade deshalb hat das Set für Popmusik einen ungewöhnlich klar erkennbaren, fast schon opernartigen, Spannungsbogen und artet dann aber dennoch mit dem letzten Lied „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“ fast schon zu moderner Clubmusik aus.

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

Drei weitere Lieder. Eins davon mit Denis Jones. Verbeugung. Zweite Zugabe. Fehlen nur noch die Blumen für die Solistin.

Normalerweise sind eher die leisen Momente die schönen, die die in Erinnerung bleiben. Heute allerdings nicht. Richtig gut wird es wenn Get Well Soon laut wird, Kostantin Gropper sich ein bisschen gehen lässt und Paul Kenny einfach mal auf sein Schlagzeug eindrischt.

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

Das eigentliche Highlight ist dann aber doch die Manufaktur (ja, ich habe es zum ersten Mal auf ein Konzert hierher geschafft) selber. Man hört vom tiefsten Bass-Synthie bei Denis Jones bis zum kleinsten Glöckchen bei Get Well Soon restlos alles. Brauch keine Gehörstöpsel, hört aber trotzdem seinen Nachbarn nicht über Gott und die Welt reden. Sogar die Zuschauer sind ein kleines bisschen netter als überall anders. Kein Wunder also dass nach Hamburg und Berlin, manchmal eben Schorndorf kommt.

Get Well Soon

Foto: Steffen Schmid

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